In diesem Jahr habe ich einiges über Freundschaft gelernt. Es ist schwer neue Freunde zu finden. Doch noch schwerer ist es, sich von alten Freunden zu trennen. Selbst dann, wenn man endlich begriffen hat, dass diese sogenannten “Freunde” einem nicht gut tun. Ich habe fast 15 Jahre gebraucht um zu verstehen, dass ich kein schlechterer Mensch als meine “Freunde”, sondern einfach nur anders bin als sie.
Diese Erkenntnis hat mich viel Kraft gekostet und so habe ich es erst dieses Jahr geschafft den Kontakt zu eben diesen “Freunden” abzubrechen. Zu oft habe ich mir ihre Kritik zu Herzen genommen, obwohl sie nicht gerechtfertigt war. Zu oft habe ich ihretwegen an mir gezweifelt und mich gefragt, was ich nun wieder falsch gemacht habe. Zu oft habe ich versucht ein ehrliches Gespräch zu führen und wurde mit Sätzen wie Nimm dich selber nicht so wichtig oder Du bist eben einfach anders als wir abgespeist. Das verstehe ich nicht unter Freundschaft.
In einer Freundschaft sollte man die Freiheit haben, sagen zu dürfen was man denkt. Man sollte auf die Loyalität und Unterstützung seiner Freunde in schweren Zeiten bauen können. Und man sollte das Privileg haben, mit ihnen in guten Zeiten feiern und in schlechten kämpfen zu können. Alles das konnte ich mit meinen “Freunden” schon lange nicht mehr. Vielleicht noch nie, das kann ich heute nicht mehr objektiv beurteilen. In jedem Fall hat mir das letzte Jahr endlich die Augen über diese Freundschaften geöffnet. Anfangs war ich mir nicht sicher, ob meine Entscheidung den Kontakt abzubrechen die richtige ist, aber die Reaktionen meiner “Freunde” auf meinen Kontaktabbruch haben mich in meinem Entschluss bestärkt. Und obwohl es immer weh tut wenn Menschen, die mich so lange begleitet haben, aus meinem Leben gehen, war diese Entscheidung längst überfällig. Und jeder kennt ja das schöne Sprichwort: Wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.
Und in der anderen Tür standen plötzlich neue Menschen. Ein paar kannte ich von früher, die anderen lernte ich neu kennen. Und endlich habe ich das Gefühl, sagen zu dürfen was ich denke ohne Angst haben zu müssen, dass ich nicht ernst genommen werde oder aus versehen einen Streit provoziere. Endlich darf ich meine Meinung sagen und bekomme auch ehrliche, konstruktive Antworten statt Höflichkeitslügen, überforderten Blicken oder Schweigen. Und wenn ich mal wieder eine neue “Schnapsidee” auspacke, dann rollt keiner mehr mit den Augen sondern fragt mich, wie er mir dabei helfen kann.
Zwar soll man in der Gegenwart leben anstatt in der Vergangenheit zu hängen, aber manchmal wünsche ich mir ich könnte wenigstens ein paar Jahre zurückgewinnen und diese Zeit mit den richtigen Freunden verbringen. Vielleicht hätte ich mich dann weniger allein gefühlt und sicher hätte ich von ihnen die Unterstützung bekommen, die mir so oft gefehlt hat.
Doch zurück zur Gegenwart. Die Menschen die uns etwas bedeuten, denen wir vertrauen und deren Freundschaft wir wirklich schätzen, denen sagen wir viel zu selten, was sie uns bedeuten. Und auch die Menschen die erst neu in unserem Leben sind, aber bei denen man einfach merkt wie gut sie einem tun, auch diesen Menschen zeigt man viel zu selten, wie sehr man sie schätzt. Und ich hoffe, dass ich meine Wertschätzung im neuen Jahr genau diesen Menschen öfter zeigen kann und werde.