Waking Up In Vegas

Eine Freundin erzählte mir vor kurzem, dass sich ihre Eltern nach langjähriger Ehe nun trennen und in absehbarer Zeit auch scheiden lassen. Ihre Mum wurde zu diesem Schritt wiederum durch eine andere Freundin „inspiriert“, die sich gerade frisch von ihrem Mann getrennt hatte und aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen war. Und das ist nur eines von vielen Beispielen. Ich persönlich kenne mehr Ehen die in Scheidung endeten, als „bis der Tod“ sie scheiden würde.

Darum muss ich mich fragen, ist die Ehe noch zeitgemäß? Sollte man heutzutage wirklich noch heiraten, obwohl mehr Ehen auseinander gehen als die Jahre überdauern? Aus welchen Gründen heiraten die Menschen überhaupt noch? Wegen der Steuerklasse? Wegen den Kindern? Weil „es sich so gehört“? Oder tatsächlich aus Liebe?

Und was ist mit den Pärchen die schon seit Ewigkeiten zusammen sind, vielleicht auch gemeinsame Kinder haben und trotzdem nicht heiraten? Ich persönlich finde ja, wenn man sich dazu entschließt mit einem einzigen Menschen sein Leben zu verbringen und dann nicht heiratet, hat die Beziehung einen Beigeschmack von Kapitulation. So, als würde man sich ständig ein Hintertürchen offen halten, falls man es sich doch noch einmal anders überlegt. So, als würde man es überhaupt nicht richtig versuchen wollen. Sich ohne Eheurkunde zu trennen ist eben sehr viel einfacher als mit. Und wirtschaftlicher.

Manchmal weiß man nicht, ob man schon mit dem einen Partner zusammen ist, dem man ewige Liebe schwören würde, aber nach sagen wir mal 10 Jahren Partnerschaft, müsste man dann schon mal langsam wissen, ob er oder sie der richtige Partner ist. Ich finde, dass Leben ist einfach viel zu kurz um unglückliche Beziehungen zu führen und sich nur damit zu trösten, dass sich die Probleme oder Unstimmigkeiten „mit der Zeit schon regeln werden“. Mit Sicherheit heiratet man nicht immer und ausschließlich nur aus Liebe, aber die Zuneigung zu seinem zukünftigen Lebenspartner sollte schon den größten Teil der Entscheidung ausmachen, wie ich finde.

Vielleicht sind meine Ansichten auch ein wenig romantisiert, aber wenn ich mir die Beziehungen und vor allem Ehen um mich herum so anschaue, dann muss ich einfach einen gewissen Grad an Romantik in die Vorstellung einer Ehe packen, sonst würde ich die Ehe an sich niemals auch nur Ansatzweise in Betracht ziehen. Viele Paare sind so unglücklich mit dem was sie haben oder über das, was sie nicht haben, man lebt gelangweilt nebeneinander her und interessiert sich kaum noch für einander und am Ende ist es nichts weiter als Gewohnheit, dass man Abends auf der selben Couch sitzt.

Wenn man sich dennoch, tief in seinem Inneren, für eine Heirat entschieden hat und bereit ist sein Leben mit einem Menschen zu teilen, bleibt dann eigentlich nur noch die eine Frage: Fragen oder gefragt werden? Ich habe zu diesem Thema sehr unterschiedliche Meinungen gehört. Männer, die sagen, dass sie auf jeden Fall selber fragen wollen, weil es die Tradition so vorgibt und Männer, die lieber gefragt werden möchte, weil sie es schön finden, wenn sich ihre Herzensdame so viel Mühe gibt. Frauen, die sich in ihrer Emanzipation verletzt fühlen, wenn sie sich in überhohlte Traditionen quetschen lassen müssen und Frauen, denen es nicht im Traum einfallen würde den Männern die Show zu stehlen, sondern brav warten bis sie gefragt werden.

Wer bereit ist eine Ehe einzugehen der gibt dem Anderen ein Versprechen. Im Grunde kann man nie wissen, ob man dieses Versprechen tatsächlich halten kann, aber man sollte dazu bereit sein, Liebe, Mühe, Kraft und Geduld für die Einhaltung zu investieren. Eine Beziehung zwischen zwei Menschen ist immer auch Arbeit und mit einer Ehe hebt man diese „Arbeit“ auf ein neues Level. Doch dafür bekommt man auch sehr viel mehr zurück. Vorrausgesetzt natürlich, man glaubt noch an die Ehe. Doch das muss jeder für sich selbst entscheiden.