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April, 2011

  1. Disconnected

    April 28, 2011 by britpott

    Ich hatte mir schon gedacht, dass es irgendwann so weit kommen würde, aber ich hatte keine Ahnung wann und wie. Und dann, ganz plötzlich, war es soweit und ich bin regelrecht ausgeflippt:

    Ich habe den technischen Fortschritt meiner Generation satt, ich kann das Social Network nicht mehr ertragen, das Informationszeitalter ist mir unerträglich geworden. Der andauernde Dateninput, die allumfassende Vernetzung, die ständige Erreichbarkeit, es ist mir einfach zu viel. Und der Fortschritt nimmt kein Ende.

    Versteht mich nicht falsch, ich finde Fortschritt gut. Verbesserungen, Optimierungen und Erneuerungen sind durchaus erstrebenswert und im Grunde möchte auch ich jeden Unsinn mal ausprobiert und mitgemacht haben, aber zunehmend habe ich das Gefühl, dass dabei andere Dinge auf der Strecke bleiben die mir wichtig sind. Kaum einer macht sich heute noch die Mühe einen persönlichen Brief zu schreiben, geschweige denn auf so etwas banales wie Groß-, Klein- oder überhaupt irgendeine Art von Rechtschreibung zu achten. Das Schriftbild der digitalen Welt folgt einem völlig autonomen Weg, der sich irgendwo im Nichts verliert. Des weiteren sorgt das Social Network zwar dafür, dass jeder irgendwie mit jedem verbunden ist und man bei Bedarf sehen kann, was die Anderen gerade machen, aber ich habe das Gefühl als ob es die Menschen dadurch eher entfremdet als zusammen bringt. Warum zum Telefon greifen und jemanden anrufen, wenn man doch nur sein Social-Profil aufklicken muss und dann nachlesen kann, was es gerade aktuelles gibt. Stattdessen piepst, blinkt und singt das Telefon ausschliesslich um auf Tweets, E-Mails oder Chatnachrichten aufmerksam zu machen. Jeder der etwas von mir will hämmert ein bis zwei Zeilen in sein Telefon oder Computer, drückt auf absenden und zack – schon bin ich informiert. Doch ich kann das Piepen, Blinken und Singen schon länger nicht mehr ertragen. Dabei fing alles ganz harmlos an.

    Vor ein paar Monaten meldete ich mich bei StudiVZ ab (einen Facebook-Account hatte ich ohnehin nie), weil ich keine Lust mehr auf 150 virtuelle “Freunde” hatte, die ich mal irgendwann, irgendwo getroffen habe und für die meine Ablehnung ihrer Freundschaftsanfrage scheinbar eine Aufforderung darstellte, immer und immer wieder anzufragen. Dann beendete ich meine Mitgliedschaft bei Miso, weil ich es niemandem mehr zumuten wollte, meine abendlichen Mädchenserienorgien zu ertragen. Letzte Woche habe ich meinen Gowalla-Account lahm gelegt, weil es im Grunde völlig uninteressant ist, wo ich gerade meine Frühstücksbrötchen kaufe oder meine weißen Beine in die Sonne strecke. Selbst meine Tweets bestanden in letzter Zeit nur noch aus Verlinkungen zum Blog oder Retweets. Am Ende war ich selbst von meinem eigentlich geliebten Twitter so genervt, dass ich der Hälfte aller bisher gefolgten Personen entfolgt bin, weil ich ihre Tweets nicht mehr ertragen konnte.

    Und letztes Wochenende war es dann also so weit und ich beschloß irgendwie komplett auszusteigen. Also zumindest ein bißchen. Ich schwöre jetzt nicht dem Internet ab und verfluche das Social Network, aber ich habe mein Smartphone verkauft und nutze ab nun wieder das gute, alte und treue Nokia 6210. Kein Farbdisplay, kein Internet, keine Kamera, kein Schnickschnack, nur telefonieren und SMS schreiben, genau wie “früher”. Kein Twitter, keine Check-Inns, keine Navigation. Back to the roots meine Lieben. Natürlich werde ich auch einige Dinge vermissen – mal schnell eine Bahnverbindung raussuchen, wieviele Besucher hatte mein Blog gestern eigentlich und wie wird morgen das Wetter? – aber früher ging es auch ohne Smartphone und ich habe ja noch einen Laptop, mit dem ich solche Dinge klären kann. Und weil ich mich gerade in einer derartig nostalgischen Phase befand, kaufte ich mir auch gleich noch ein Festnetztelefon mit Schnur. Es ist quietschbunt und man muss beim telefonieren sitzen bleiben anstatt nebenbei noch Hausarbeit oder anderen Krempel erledigen zu können. Das hat mir gefehlt, reden und dabei nichts tun. Das verlernt man viel schneller als man denkt.

    Ein paar Menschen habe ich schon vor diesem Blogeintrag von meinem Vorhaben erzählt und dafür hauptsächlich ungläubige Blicke geerntet: “Du willst auf dein Smartphone verzichten?”, “Man kann dich nur noch per SMS oder mit einem Anruf erreichen?”, “Du kannst dich doch dem Fortschritt nicht entziehen!”, “Dann musst du aber auch aufs Internet und deine Spielkonsole verzichten, das wäre nur konsequent… “. Himmel, ich geh doch nicht unter die Einsiedler! Auf keinen Fall möchte ich komplett auf das Internet oder meine geliebte Konsole oder allgemein die Möglichkeit ein Handy zu benutzen verzichten, aber ich möchte meine Zeit einfach etwas weniger in der digitalen Welt verbringen. Und macht euch keine Sorgen, sicher finde ich auch das irgendwann wieder doof und mache vielleicht wieder das Gegenteil oder etwas ganz anderes, aber für den Moment finde ich meine Entscheidung sehr gut. Natürlich hätte ich mich auch einfach nur ein bißchen einschränken können, aber wenn man die Möglichkeit hat immer und überall Daten und Informationen abzurufen, dann tut man es auch. Ich zumindest. Es ist die Macht der Gewohntheit. Bevor ich mit meinem Mobiltelefon twittern oder im Internet surfen konnte, habe ich unterwegs ständig Bücher gelesen. Egal wie dick das Buch war, es war meist viel zu schnell vorbei. Damit habe ich irgendwann aufgehört, weil ich stattdessen immer mein Handy aus der Tasche geholt habe. Aber ich möchte wieder zurück zu meiner Buchtradition, statt nur aus Gewohnheit mit meinem Handy herumzuspielen.

    Vielleicht werde ich auch alt, ich weiß es nicht, aber manchmal wünsche ich mir einfach ein bißchen von “früher” zurück. Damit meine ich nicht diesen Ostalgie-DDR-Quatsch oder dieses Retro-ist-wieder-in-Zeug, sondern einfach ein paar der unpraktischen Technikdinge, die ich so innig geliebt habe. Zum Beispiel meinen Pager, per SMS chatten (heute billig, früher unglaublich teuer, aber trotzdem gern ausgelebt), nach Hause kommen und den Anrufbeantworter abhören (mit einem Knopfdrück und nicht, indem man die Mailbox anruft), meinen geliebten Walkman (er war aus transparentgrünem Plastik und hat mich überall hin begleitet) oder Lieblingsserien im TV auf VHS mitschneiden. Die 90er hatten für mich durchaus einen gewissen Charme. Heute wird immer alles optimiert damit das Leben schneller und praktischer ist und das ist natürlich auch gut so, aber noch vor ein paar Jahren hat man sich für manchen Sachen einfach mehr Zeit genommen, eben weil es nicht schneller ging. Und ich für meinen Teil habe diese Zeit sehr genossen. Doch heute muss alles einfach schneller, größer (oder kleiner – je nach dem) und besser sein, da ist für meine Art der Nostalgie einfach keinen Platz mehr und manchmal macht mich das wirklich traurig.

    Für mich gibt es also viele Gründe mal ein bißchen Abstand von dem rasanten Lebenstil meiner Generation zu nehmen. Nicht mehr ununterbrochen vernetzt und über alle Channels erreichbar zu sein. Sicherlich sind meine Ansichten teilweise etwas verschroben und altmodisch, übertrieben und eigensinnig, aber so bin ich. Ich werde damit nicht die Welt verändern oder einen neuen Trend auslösen, aber das möchte ich auch gar nicht. Ich mache das nur für mich, weil ich mich damit gut fühle. Dennoch wollte ich euch teilhaben lassen, denn mein Blog geht mir noch nicht auf die Nerven und das finde ich wirklich gut. Und im Grunde bin ich auch nur ein Junkie des Informationszeitalters. Zwar Einer, der gerade versucht sich der Medienflut ein Stück weit zu entziehen, aber dennoch ein Junkie :-)

    Und jetzt suche ich erstmal meinen alten Game Boy und zocke noch eine Runde Tetris, während ich eine Musikkassette mit meinem Walkman höre und in längst vergessenen Zeiten schwelge. Back to the roots eben. Ihr wisst jetzt Bescheid.


  2. Zerrissen

    April 4, 2011 by britpott

    Das Beste an der Vergangenheit ist, dass sie bereits vergangen ist. Aber was passiert, wenn die Vergangenheit nicht bereit ist loszulassen? Was ist, wenn dich die Vergangenheit immer wieder einholt, auch wenn du glaubst sie längst verarbeitet zu haben? Wenn sie so zäh an dir klebt, wie Kaugummi an einer Schuhsohle und dich unnachgiebig in deinen Träumen verfolgt, Nacht für Nacht? Dann liegst du stundenlang in der Dunkelheit wach und führst in deinem Kopf lange Monologe mit den Menschen aus deiner Vergangenheit.  Du sagst ihnen all die Dinge, die du ihnen bisher nicht sagen konntest und fragst sie alles, was du noch immer nicht verstanden hast. Vielleicht ist das auch der Grund warum sie dich verfolgen, weil du ihre Antworten nicht hören kannst.

    Im Laufe der Jahre kommen und gehen viele Menschen durch dein Leben. Einige wenige überstehen die Zeit und andere hinterlassen beim Abschied tiefe Narben. An manchen Narben bist du selber Schuld, bei manchen Narben warst du einfach zur falschen Zeit am falschen Ort und nicht alle Narben sind auf negative Erlebnisse zurück zu führen. Und obwohl diese Vergangenheitsmenschen weiterziehen und irgendwann einfach ganz verschwinden, bleiben ihre Spuren für alle Zeit gut lesbar zurück. Irgendwann beginnst du dann damit, dir deine Fragen selber zu beantworten, um vergangene Ereignisse besser zu verstehen. Aber im Grunde hast du keine Ahnung, bis zu dem Tag an dem du die Möglichkeit bekommst, jene Menschen wieder zu treffen und mit ihnen zu reden.

    Aber so einfach ist es am Ende meist doch nicht. Wie hoch ist schon die Wahrscheinlichkeit einen dieser Menschen wieder zu treffen? Und selbst wenn du eine aktuelle Telefonnummer herausfinden solltest, so verlässt dich doch der Mut, noch bevor du dein Telefon zur Hand genommen hast. Denn du weißt, du hast nur eine Chance. Nur einen Versuch um wieder einen Kontakt herzustellen. Und solltest du dich dennoch überwinden oder tatsächlich einen der für dich so wichtigen Vergangenheitsmenschen treffen, dann wollen sie wahrscheinlich gar nicht mit dir reden oder aber du redest mit ihnen und obwohl es sich für den Moment gut anfühlt bist du hinterher enttäuscht, weil ihre Antworten nur noch mehr Fragen aufgeworfen haben. Und dann liegst du nachts wieder in deinem Bett und die Vergangenheit macht sich ein Spaß daraus, aus den hintersten Ecken deines Gehirns immer und immer wieder diese Menschen hervor zu wühlen, die du so sorgsam in deinem Kopf versteckt hast, weil du die Narben und die Erinnerungen einfach nicht mehr ertragen kannst.

    Ich habe mich oft gefragt wie ich diesen Kreislauf durchbrechen kann, denn ganz offensichtlich habe ich meine Vergangenheit nicht sehr gut im Griff. Ich liebe meine Gegenwart, ich bin gespannt auf meine Zukunft, aber dennoch kann ich die Vergangenheit nicht ruhen lassen. Oder sie mich nicht? Ich weiß es nicht genau. Ich weiß nur, dass es eine handvoll Menschen gibt, die mich immer und immer wieder in meinen Träumen heimsuchen. Dann ist plötzlich alles wieder in Ordnung. Freundschaften sind gekittet, gebrochenes Vertrauen geheilt und über allem schwebt diese Unbeschwertheit, die man, wenn sie einmal verschwunden ist, niemals wieder so zusammen empfinden kann. Und dann wache ich mit diesem schalen Geschmack auf der mir signalisiert, dass diese handvoll Menschen, die unterwegs verloren gegangen sind, noch immer genau das sind – verloren. Weg. Unerreichbar. Dann ist es völlig egal wie schön die Gegenwart ist oder die Zukunft werden wird, dann ist da einfach nur diese tiefe Traurigkeit in mir und das Gefühl, falsche Entscheidungen getroffen, zu wenig gekämpft und zu viel verdrängt zu haben. Und dann liege ich in der folgenden Nacht wieder wach, führe Monologe ohne Antworten und frage mich, ob ich es irgendwann aus diesem Teufelskreis schaffen werde.

    Doch statt mich um meinen Schlaf zu bringen, möchte ich lieber das Telefon zu Hand nehmen und die Probleme und Missverständnisse aus der Vergangenheit klären. Oder, wenn es angebracht ist, möchte ich mich für meine Fehler entschuldigen, ihnen sagen, dass ich unreif und kindisch war aber, dass ich es damals einfach nicht besser wusste. Ich möchte ihnen sagen, dass es mir leid tut und, dass sie mir fehlen. Denn egal wie oft und lange ich wach liege, egal wieviele Narben ich mit mir herum trage, eines kann ich nicht, nämlich es bereuen, dass ich diese Menschen getroffen und in mein Leben gelassen habe. Nein, ganz im Gegenteil. Ich möchte sie wieder zurück in meinem Leben. Oder wenigstens die Möglichkeit haben, jederzeit mit ihnen zu reden, wenn mir danach ist und feststellen zu können, dass es ihnen gut geht. Denn auch wenn ich mir tagsüber viel Mühe gebe mich nicht in Erinnerungen zu verlieren, nachts habe ich darüber keine Kontrolle mehr und dann wird mir wieder schmerzlich bewusst, wieviel mir diese Menschen aus meiner Vergangenheit noch immer bedeuten. Auch wenn ich bis dahin vielleicht geglaubt hatte, dass ich längst über sie hinweg bin.

    Auch wenn sie davon keine Ahnung haben.


  3. Indiskret

    April 3, 2011 by britpott

    Ich habe letzte Woche von dir geträumt. Von uns. Wir waren wieder Freunde und es fühlte sich wirklich gut und richtig an. Doch dann bin ich aufgewacht und dieser Traum ließ mich einfach nicht mehr los. Also bin ich zu deiner Wohnung gefahren, nur um dann festzustellen, dass du umgezogen bist. Ich habe ein bißchen herum telefoniert um heraus zufinden, wo du jetzt wohnst und bin dann zu deiner neuen Adresse gefahren, doch du warst nicht da. Vielleicht sollte es nicht sein. Vielleicht war es auch gut so. Was hätte ich dir auch sagen sollen? Ich weiß ja noch  nicht einmal warum wir nicht mehr mit einander reden.

    Dass deine Schwester in den selben Jungen verliebt war wie ich, das wusste ich nicht. Und als es irgendwann heraus kam war es schon zu spät, denn wir wollten beide mit ihm zusammen sein und Keine wollte nachgeben. Am Ende hat er sich für sie entschieden, also warum hasst sie mich noch immer? Ich habe niemals etwas getan, dass die Beiden trennen würde und dennoch redet auch er nicht mehr mit mir. Irgendetwas ist da schief gelaufen und obwohl sie deine Schwester und er dein bester Freund ist, haben wir zwei da irgendwie drüber gestanden.

    Du warst einer der wenigen Menschen mit dem ich ehrlich reden konnte, ohne verurteilt zu werden. Das mochte ich so an dir. Du hattest immer eine helfende Hand, wenn ich sie dringend brauchte, hast keine Fragen gestellt, wenn ich sie nicht beantworten wollte und warst für jeden Spaß zu haben. Ich vermisse das alles sehr. Ich vermisse es auch mit dir und ihm auf dem Hof zu sitzen, ein Bier zu trinken und über Gott und die Welt zu philosophieren. Früher haben wir das häufig gemacht, spontan und völlig ungeplant, heute ist es leider nur noch eine schöne Erinnerung.

    Also was ist passiert? Eines Tages hast du dich einfach nicht mehr bei mir gemeldet und ich weiß nicht, ob es an mir lag, an ihr, an ihm oder an etwas völlig anderem? Ich habe überlegt, ob ich noch einmal bei dir vorbei fahren sollte, aber mittlerweile hat mich der Mut verlassen. Je länger ich darüber nachdenke, desto unsicherer bin ich mir, wie du wohl reagieren würdest, wenn ich einfach vor deiner Tür stände.

    Doch falls du eines Tages von mir träumen solltest, dann weißt du ja wo meine Tür ist. Du fehlst mir.


  4. Das war mein MÄRZ 2011

    April 3, 2011 by britpott

    01. Das machte mich glücklich: Besuch aus Hamburg

    02. Letzter Schreckmoment: Als die GEZ vor meiner Tür stand

    03. Entdeckung des Monats: Bei IKEA gibt es – trotz Umbau – wieder Hot Dogs

    04. Größter Streitpunkt: Sollte man sich mit den Ex-Freunden der Freundin treffen?

    05. Satz des Monats: “Ich schaue Twilight. Und jetzt spielen die Vampire Baseball. Schade habe ich gedacht. Bella hat es versaut. So ist das halt wenn man sich als Mensch in Vampireangelegenheiten einmischt.”

    06. Bücher auf meinem Nachttisch: Tom Ang – Fotografieren wie die Profis

    07. Gesehene Filme: -

    08. Meistgesehene Serie: Gilmore Girls (Staffel 2)

    09. Meistgespieltes Spiel: Plants vs. Zombies (Xbox 360)

    10. CD in der Endlosschleife: Britney – Femme Fatale

    11. Song in der Endlosschleife: Britney – Big Fat Bass

    12. Lieblingsessen des Monats: Gulab Jamun

    13. Reiseziel(e): -

    14. Wenn ich mal wieder Zeit habe: Werde ich ein paar ganz tolle Fotos machen.