Die Sache mit den Mängeln

Es folgt der dritte Teil meiner Notizen aus Elizabeth Gilberts Buch Das Ja-Wort.

Die Leute verlieben sich immer in die perfekten Seiten des anderen. Wer würde das nicht tun? Jeder kann die schönsten Seiten eines anderen Menschen lieben. Aber das ist nicht der Trick bei der Sache. Der wirkliche Trick dabei ist: Kannst du auch die Mängel akzeptieren? Kannst du dir die Fehler deines Partners ehrlich ansehen und sagen: Ich komm damit klar, damit kann ich umgehen? Weil das Gute ja immer da sein wird und immer toll sein und funkeln wird, aber der Mist darunter dich zu grunde richten kann.
[…]
Es gibt kaum ein schöneres Geschenk, das wir einem Menschen machen können, als ihn ganz zu akzeptieren, ihn quasi trotz der Tatsache, dass er ist, wer er ist, zu lieben.  […] Von einem Menschen ganz wahrgenommen und dennoch geliebt zu werden ist daher ein Geschenk, das zuweilen ans Wunderbare grenzt.


Happy 1st Birthday

Happy birthday to you, happy birthday to you, happy birthday lieber britpott|blog, happy birthday to you!

Yeah! Heute vor einem Jahr ging der britpott|blog das erste Mal online und zur Feier des Tages gab es auch eine Megatorte mit ganz viel Schokolade und Creme. Geburtstage muss man schliesslich feiern :-)

Schön ist auch, dass sich über das letzte Jahr ein kleiner Kreis Stammleser gesammelt hat und ich häufig (wenn auch offline) positive Rückmeldungen über verschiedene Blogposts bekommen habe. Danke, danke, danke! Denn ich schreibe, weil ich daran wirklich Spaß habe. Ich hoffe, dass man das auch oft genug beim Lesen merkt :-)

Und jetzt ist es Zeit die Kerze auszublasen und sich etwas zu wünschen.

Alles Liebe,
eure britpott


Das Vasopressin-Rezeptor-Gen

Im zweiten Teil meiner Notizen aus Elizabeth Gilberts Buch Das Ja-Wort, geht es um das sogenannte Monogamie-Gen.

In der Entwicklungsforschung gibt es heutzutage eine Theorie, welche behauptet, es gebe zwei Sorten von Männern auf dieser Welt: Männer die geschaffen sind, Kinder zu zeugen, und andere, die dazu bestimmt sind, sie aufzuziehen. Erstere sind promiskuitiv, Letztere treu.

Es handelt sich um die berühmte Dads or Cads (Väter oder Frauenhelden) – Theorie. In evolutionswissenschaftlichen Kreisen betrachtet man dies nicht als moralische Ermessensentscheidung, sondern etwas, das tatsächlich bis auf die Ebene der DNA heruntergebrochen werden kann. Offensichtlich gibt es da diese kleine entscheidende chemische Variante bei den Männern unserer Spezies, die als Vasopressin-Rezeptor-Gen bezeichnet wird. Männer, die das Vasopressin-Rezeptor-Gen besitzen, tendieren dazu, vertrauenswürdige und verlässliche Sexualpartner zu sein, die jahrzehntelang bei einer Gattin bleiben, Kinder erziehen und stabile Haushalte führen. (Man könnte solche Burschen Harry Trumans nennen.) Männer hingegen, denen das Vasopressin-Rezeptor-Gen fehlt, neigen zu Flirts und Untreue und suchen stets anderweitig nach sexueller Abwechslung. (Man könnte sie als die John F. Kennedys bezeichnen.)

Unter Evolutionsbiologinnen kursiert der Witz, dass es nur einen Teil der männlichen Anatomie gibt, um dessen Größe eine potenzielle Partnerin sich Gedanken machen sollte: nämlich die Länge seines Vasopressin-Rezeptor-Gens. Die mit dürftigem Vasopressin-Rezeptor-Gen ausgestatteten John F. Kennedys dieser Welt kommen weit herum und verteilen ihren Samen über den gesamten Globus, wodurch der menschliche DNA-Code gut durchmischt bleibt, was der Art nützt, wenn auch nicht unbedingt den Frauen, die von diesen Männern geliebt und dann häufig verlassen werden. Die mit langem Gen ausgestatteten Harry Trumans sind dann letzten Endes häufig diejenigen, die den Nachwuchs der John F. Kennedys aufziehen.


Kugelmenschen

Gerade bin ich mit Elizabeth Gilberts Folgebuch zu Eat Pray Love fertig geworden. Währerend sie im ersten Teil noch auf der Suche nach sich selbst ist, geht es im besagten Folgebuch Das Ja-Wort um die Institution der Ehe. Normalerweise sind solche Bücher voller kluger Ratschläge und freudiger Bekundungen wie wahnsinnig toll und aufregend es ist, in den heiligen Bund der Ehe zu treten. Umso erfrischender ist es daher, dass Elizabeth durch eine Aneinanderkettung unglücklicher Zufälle gewissermassen gezwungen ist zu heiraten, obwohl sie der Ehe überhaupt nichts mehr abgewinnen kann. Ihre erste Ehe, wie sie selber schreibt, war unüberlegt und von Anfang an zum Scheitern verurteilt und nie hatte sie es in Erwägung gezogen jemals wieder zu heiraten, obwohl sie nach ihrer Scheidung eine wunderbare neue Beziehung mit einem wunderbaren neuen Mann einging. Da sie nun aber aus rechtlichen Gründen gezwungen ist den neuen Mann zu heiraten um ihn nicht zu verlieren (Stichwort: Heimatschutzministerium), versucht sie in Das Ja-Wort ihren ganz eigenen Frieden mit der Ehe zu schliessen. Dabei ist dieses Buch kein Roman, sondern eher ein Sachbuch, in dem Elizabeth ihre gesamten Recherchen zum Thema Ehe zusammengefasst hat. Dabei geht es unter anderem auch um Ehe und Geschichte, Ehe und Erwartung oder Ehe und Subversion.

Ein paar Textstellen fand ich so gut, dass ich sie  mir gleich notiert habe um sie auf meinem Blog zu teilen. Vielleicht ist ja auch der eine oder andere interessante Fakt für euch dabei, selbst wenn ihr weder verheiratet seit, noch das in nächster Zukunft vorhabt.

In der berühmtesten Abhandlung über das Begehren, die jemals verfasst wurde, dem Symposion, beschreibt Platon ein Trinkgelage, bei dem der Komödiendichter Aristophanes anhand eines Mythos erklärt, warum uns Menschen eine so tiefe Sehnsucht nach Verschmelzung erfüllt und warum unsere Vereinigungen zuweilen so unbefriedigend und sogar zerstörerisch sind.

Dereinst, erzählt Aristophanes, waren die Götter im Himmel und die Menschen herunten auf der Erde. Doch wir Menschen sahen damals nicht aus wie heute. Vielmehr hatte ein jeder von uns zwei Köpfe, vier Beine und auch vier Arme – war, in anderen Worten, die vollkommene Vereinigung zweier miteinander verbundener Menschen, welche nahtlos zu einem einzigen Wesen verschmolzen waren. Es gab uns in drei unterschiedlichen Geschlechtern: Frau-Männer, Mann-Männer und Frau-Frauen, je nachdem, welche Mischung jedem von uns am genehmsten war.

(Diese Menschen nannte man, nur nebenbei bemerkt, Kugelmenschen.)

Da so bei jedem von uns der ideale Partner bereits ein natürlicher Teil seiner selbst war, waren wir alle glücklich. Und so bewegten wir […] uns fast genauso über die Erde, wie die Planeten heute über den Himmel ziehen – träumerisch, geordnet, reibungslos. Es fehlte uns an nichts; unbefriedigte Bedürfnisse kannten wir nicht; wir brauchten niemanden. Es gab weder Konflikte noch Chaos. Wir waren vollkommen und unversehrt.

In unserer Vollkommenheit allerdings wurden wir allzu hochmütig. Und in unserem Hochmut vernachlässigten wir die Götter. Für dieses Vergehen bestrafte uns der mächtige Zeus, indem er all die doppelköpfigen, achtgliedrigen, wunschlos glücklichen Menschen in zwei Hälften zerschnitt – und damit ein Welt grausam geteilter einköpfiger, zweiarmiger, zweibeiniger und unglücklicher Kreaturen schuf. In jenem Augenblick der Massenamputation bürdete Zeus der Menschheit das schmerzhafteste aller menschlicher Leiden auf: das triste und beständige Gefühl, nicht ganz vollkommen zu sein. Und von da an sollten alle Menschen mit der Empfindung geboren werden, dass ihnen etwas fehlte – eine verlorene Hälfte, die wir fast mehr lieben als uns selbst – und dass sich dieser verlorene Teil irgendwo da draußen befand und in Form eines anderen Menschen durchs Universum trieb. Darüber hinaus kamen wir mit der Überzeugung auf die Welt, dass wir, wenn wir nur unablässig genug suchten, diese verschwundene Hälfte, diese andere Seele eines Tages womöglich finden könnten. Durch die Vereinigung mit dem anderen würden wir dann unsere ursprüngliche Einheit wiedererlangen und müssten nie wieder unter Einsamkeit leiden.

Das ist die ultimative Vision menschlicher Intimität: dass nämlich eins plus eins eines Tages auf irgendeine Weise wieder eins ergibt.

Doch Aristophanes warnte auch, dass dieser Traum der Vervollständigung durch Liebe ein Ding der Unmöglichkeit sei. Als Spezies sind wir einfach viel zu gebrochen, um jemals geheilt zu werden. Die ursprünglich einmal geteilten Hälften der achtgliedrigen Menschen seien viel zu weit verstreut, als dass irgendeiner von uns je seine fehlende Hälfte wiederfinden könne.  Die sexuelle Vereinigung kann war bewirken, dass sich ein Mensch für eine Weile vollkommen gesättigt fühlt (Aristophanes nahm an, dass Zeus dem Menschen das Geschenk des Orgasmus aus Mitleid gewährt hatte, vor allem, damit wir uns zeitweilig wieder ganz fühlen konnten und nicht aus Niedergeschlagenheit und Verzweiflung zu Grunde gingen), doch schliesslich und endlich werden wir alle auf die eine oder andere Weise alleine sein. Und so hält die Einsamkeit an, die uns dazu treibt, uns auf der Suche nach der vollständigen Vereinigung wieder und wieder mit den falschen Menschen zu paaren. Zuweilen glauben wir vielleicht sogar, dass wir unsere andere Hälfte gefunden haben, wahrscheinlicher aber ist, dass wir nur jemand anderen gefunden haben, der sich ebenfalls auf der Suche nach seiner Hälfte befindet – und gleichermassen verzweifelt glauben will, dass er in uns seine ideale Ergänzung gefunden hat.

So fängt Verliebtheit an.