Ich wurde letztens gefragt, ob ich es weiterempfehlen kann jung Mutter zu werden. Ob es zu schaffen ist Kind und Job unter einen Hut zu bekommen und ob man am Ende überhaupt genug Geld hätte.
Zuerst war ich über diese Frage ein wenig verwundert, weil ich mir darüber nie Gedanken gemacht hatte, aber ich wollte der Fragerin mehr als ein bloßes “ja/nein” zurückschreiben und deswegen habe ich in den letzten Tagen darüber nachgedacht.
Ich glaube, dass es zwei Arten von Menschen gibt: Familien- und Karrieremenschen. Irgendwann in seinem Leben kommt man an den Punkt an dem man sich entscheiden muss, welcher dieser Menschen man sein will. Man kann nur dann die Karriereleiter weit nach oben klettern, wenn man seinen Kinderwunsch hinten anstellt und man kann nur ein ausgefülltes Familienleben haben, wenn man seine Jobansprüche weiter unten ansiedelt. Natürlich gibt es immer wieder Menschen, die beides wollen und auch beides versuchen, doch diese sogenannte Work-Life-Balance gelingt nur den allerwenigsten. Wer einen erfolgreichen, wirklich gut bezahlten Beruf ausüben will, der investiert viel Zeit dafür, Zeit die man nicht für seine Kinder haben kann. Und für wen seine Kinder die oberste Priorität darstellen, der hat einfach nicht genug Zeit um sich einen Platz am oberen Ende der Karriereleiter zu sichern.
Ja, ihr könnt jetzt auf mich schimpfen, dass meine Weltanschauung schwarz-weiß ist, aber denkt mal darüber nach. Erfolgreiche, gut verdienente Menschen haben einfach weniger Zeit für ihre Kinder, als diese, die “nur” arbeiten wollen ohne es auf einen Chefposten abgesehen zu haben. Und damit kommen wir zurück zu den zwei Arten von Menschen: Familien- und Karrieremenschen.
Wenn man mit Anfang, Mitte Zwanzig das erste Mal darüber nachdenkt ob, wann und wieviele Kinder man mal haben möchte, gibt es im Grunde nur zwei Antworten. Die eine Hälfte der Menschen möchte sich erst einmal etablieren und einen guten Job finden und die andere Hälfte arbeitet, weil das zum Leben dazu gehört, hoffentlich auch in einem Job, der ihnen wirklich Spaß macht, aber eigentlich möchten sie nicht bis “nach der Karriere” mit dem Kinder kriegen warten. Und das führt natürlich unweigerlich zum Thema Geld. Ich habe mich mit vielen Menschen unterhalten, die erst mit 30 und später Kinder bekommen haben (oder bekommen wollen). Ich habe sie gefragt warum sie so lange warten und die häufigste Antwort ist Geld:
Ohne Geld kann man einem Kind doch nichts bieten!
Ich möchte erstmal etwas zur Seite legen, damit meine Kinder in einem Haus mit Garten aufwachsen können.
oder auch
Ich möchte meinen Lebensstandart für ein Kind (noch) nicht einschränken.
Wen ich ein Kind bekomme und nicht arbeiten gehen kann, dann würde ich weniger verdienen und dafür bin ich noch nicht bereit.
Und nun wage ich eine etwas heikle Aussage, aber sie gehört nunmal hier her und beantwortet im Grunde auch die Eingangsfrage. Wer seine Kinder am Geld misst sollte mit seinem Kinderwunsch vielleicht wirklich noch etwas warten. Jeder muss selber wissen wie wichtig ihm ein gefülltes Bankkonto ist. Meines ist hauptsächlich leer, aber das stört mich nicht, denn es hat bisher immer für die wichtigen Dinge gereicht. Natürlich kommen dabei manche Dinge wie Urlaubsreisen oder exzessives Shopping zu kurz, aber ich habe mich für meine Kinder entschieden und deshalb bin ich nicht traurig über das was ich nicht haben kann, sondern glücklich über das, was ich dafür bekommen habe! Ich werde niemals einen Chefsessel erklimmen, danach steht mit auch gar nicht der Sinn und ich hoffe, dass meine Kinder, wenn sie größer sind, es zu schätzen wissen, dass sie statt viel Taschengeld viel Zeit mit ihren Eltern verbringen durften. Wenn man eine Balance zwischen Arbeits- und Freizeit finden möchte, lässt es sich nun mal nicht vermeiden einen “normalen” Job mit einem durchschnittlichen Gehalt auszuüben, was am Ende eben auch zu einem durchschnittlichen Jahreseinkommen führt. Und sollte man dennoch mehr für sein Leben wollen, sollte man doch noch eine größere Karriere anstreben, dann hat man dafür immer noch Zeit wenn die Kinder aus dem Haus sind, denn junge Eltern sind auch jünger wieder unter sich ;-)
Was mich letztendlich zum letzten Teil der Frage führt und den habe ich mir von mehreren älteren Eltern bestätigen lassen. Rein vom körperlichen Standpunkt her steckt man den nächtlichen Schlafmangel leichter weg, je jünger man ist. Außerdem halten die Kraftreserven länger und laden sich auch schneller wieder auf. Mal ganz davon abgesehen, dass die Fruchtbarkeit ab 25 rapide abnimmt :D Manche der Ü30-Eltern haben mir auch erzählt, dass mit zunehmendem Alter die Ängste ums eigene Kind größer werden und man mehr zur “Gluckenmutter” neigt als jüngere Mütter. Vielleicht ist das aber auch bloß eine Charakterfrage?!
Aus persönlicher Erfahrung möchte ich dir, liebe Fragerin, jedenfalls noch sagen, dass jung Eltern sein auch bedeutet anders Eltern zu sein. Man wird mit unter komisch angesehen und teilweise auch abgestempelt, es wird viel geredet und einige Menschen wenden sich plötzlich von dir ab. Man merkt wer seine wahre Freunde sind, man wächst über sich hinaus, man lernt neue Stärken an sich kennen, von denen man gar nicht wusste, dass man sie überhaupt besitzt und ist eher bereit negative Eigenschaften abzulegen. Aber man zweifelt auch oft an sich und fragt sich in Abständen ob es das wirklich wert war, so früh Verantwortung für einen solch kleinen und hilflosen Menschen zu übernehmen, doch ich beantworte mir diese Frage immer wieder mit ja, weil man, auch wenn es kitschig und abgedroschen klingt, so viel mehr zurück bekommt, als man jemals investieren könnte!







