Heute auf dem Speiseplan: Hirnsuppe à la britpott

Am Anfang des Jahres hatte ich mir fest vorgenommen, jede Woche mindestens einen Blogpost zu schreiben. Ein Unterfangen, welches mir nicht im Ansatz gelungen ist und worüber ich wirklich traurig bin. Das Schreiben hat mir schon sehr gefehlt. Ich fand, dass dieses Jahr noch schneller vorüber ging, als ich es von anderen Jahren gewohnt bin. Für mich ist in diesem Jahr viel passiert und ich hatte zahlreiche Möglichkeiten um neue Eindrücke und Impulse zu sammeln. Bei vielen Dingen die ich erlebt habe dachte ich mir im Nachhinein, dass ich darüber unbedingt etwas schreiben müsste, doch genau so oft dachte ich auch, dass ich es letztendlich doch nicht publizieren würde, weil sich mit Sicherheit irgendwer beim Lesen auf den sprichwörtlichen Schlips getreten fühlt. Meist fängt es schon bei kleinen Dingen an, das beste Beispiel dafür ist Facebook. Man postet einen Status, weil man gerade etwas angefressen ist und sich Luft machen will und erstaunlicherweise fühlen sich 75% der Freunde davon persönlich angesprochen, obwohl keiner von ihnen gemeint ist. Ich stelle mir die Auswirkungen vor, die ein Blogpost mit kritischem Inhalt hätte. Das ist der Nachteil, wenn man zu viel persönliche Erlebnisse und Gedanken in seinen Blog packen möchte. Ich finde es schwierig Dinge zu beschreiben, die man denkt und Wahrheiten auszusprechen, die man fühlt, ohne dabei jemandem auf die Füße zu treten. Aus diesem Grund sind viele Blogpostgedanken einfach auf der Strecke geblieben. Ich möchte niemandem auf die Füße treten aber ich weiß, dass meine Meinung manchmal hart erscheint und ich weiß auch, wie sehr Worte verletzten können. Umso mehr, wenn sich die falschen Leute davon angesprochen fühlen. Und noch weniger als jemanden zu verletzen, möchte ich mich jedes Mal für meine Meinung rechtfertigen müssen. Wie anstrengend. Dabei suche ich doch nur ein nettes Plätzchen, an dem ich meinen Gedankenmüll gefahrlos abladen kann. Also eigentlich ganz harmlos. Und so kam es, dass ich am Ende meine Gedanken in diesem Jahr lieber für mich behalten habe. Eine Alternative, Menschen und Erlebnisse so zu beschreiben und reflektieren, dass sich bestenfalls keiner angesprochen fühlt den ich kenne, habe ich nämlich bisher noch nicht gefunden.

Es geht mir nämlich nicht darum diese Dinge, über die ich mir Gedanken mache, zu ändern. Ich habe es mir nicht zur Aufgaben gemacht irgendwen zu missionieren. Doch es gibt eben Gedanken, die mich beschäftigen und um sie, sagen wir mal, zu verarbeiten und los zu werden, müssen sie aus meinem Kopf raus. Und warum schreibe ich dann nicht ein hübsches, geheimes Tagebuch und verstecke es nach dem Eintragen unter meinem Kopfkissen? Weil ich dann weiß, dass meine Gedanken nur ich kenne und das befriedigt das Gedankenkarussell leider überhaupt nicht. Ich habe es ausprobiert!

Vielleicht klingt es merkwürdig, aber der brittpott|blog war für mich der Anfang von etwas ganz neuem. Nachdem ich ein Kind bekommen hatte, war dieser Blog das Erste was ich wieder nur für mich gemacht habe. Es war das erste Mal, dass ich etwas getan habe, bei dem es nur um mich ging. Bei dem ich nicht Mama war. Wer selber Kinder hat wird verstehen was ich meine. Wenn man ein Kind bekommt gibt es viele Momente, in denen man sich denkt: Nun bin ich Mutter, habe ein Kind, trage Verantwortung, aber bin ich das wirklich? Kann ich das alles leisten? Wer bin ich eigentlich noch? Und was mache ich hier überhaupt? Als ich vor 3 Jahren anfing unter dem Alias „britpott“ zu schreiben, war das das erste Mal, dass ich mich intensiv damit auseinander gesetzt habe, welche Fähigkeiten und Interessen mir liegen. Ich wollte nicht einfach nur einen standardisierten Blog im Internet, auf dem ich sinn- und herzloses Zeug schrieb, sondern habe mir immer viele Gedanken über meine geschriebenen Worte, aber auch um Dinge wie Design und Layout gemacht. Dank meiner vielen Extrawünsche bot es sich außerdem an, im selben Atemzug auch meine Fähigkeiten (sagen wir mal zusammengefasst) am Computer, außerordentlich zu verbessern. Für eine Mama, die unwissentlich in eine Sinnkrise gerutsct war und nicht wusste was und wohin sie wollte, gar nicht mal so schlecht. Mein Blog stand dabei also nur am Anfang einer langen Kette von Veränderungen und Möglichkeiten.

Lange Rede, kurzer Sinn. Ich möchte nochmal betonen, dass es mir wirklich weh tat dieses Jahr (fast) gar nichts geschrieben zu haben. Manch einer wird sich denken, warum ich mich so anstelle, ist doch nur ein oller Blog, doch für mich hat er eben einen sehr ideellen Wert. Er repräsentiert einen Prozess, der sich unbewusst in meinem Leben abgespielt hat und es noch immer tut. Er steht für die Möglichkeiten, die ich habe und erinnert mich an die Fähigkeiten, die ich mir bereits aneignen oder ausbauen konnte. Anfangs haben nur wenige Leute meinen Blog regelmäßig gelesen, später wurden es mehr und irgendwann fingen meine Leser sogar an mir davon zu erzählen, wenn sie einen Blogpost gelesen hatten und ihn richtig gut fanden. Was will man mehr! Vielleicht klingt es blöd, aber wenn man sein erstes Kind bekommt, fühlt man sich eine Weile von der Außenwelt abgeschnitten, vor allem wenn die meisten Freunde noch keine Kinder haben. Man hat kaum gemeinsame Themen oder auch nur Zeit um sich zu treffen und muss sich erst wieder eine gemeinsame Grundlage schaffen und sehen, wie man sich mit den neuen Bedingungen im Freundeskreis positioniert. Und vor allem muss man für sich selber herausfinden, wie man mit der neuen Lebenssituation umgeht. Es gibt kein Handbuch darüber, wie du dich fühlen wirst, wenn du ein Kind bekommst, du weißt es erst wenn es soweit ist. Ich habe vorher nicht gewusst wie ich mich fühlen und was ich denken werde und auch symbolisch für diese Zeit steht der britpott|blog. Wenn es Zeiten gab, in denen ich überhaupt keine Lust / Energie / etc. hatte, um die Dinge zu tun, die ich tun musste, in Zeiten, in denen ich daran zweifelte, ob ich mich richtig entschieden hatte, Zeiten in denen ich mich fragte, ob es jemals wieder anders werden würde, wenn ich nicht mehr wusste, ob ich auch nur einen Schritt weiter gehen kann, dann habe ich das alles für eine kurze Zeit von mir geschoben und stattdessen an diesem Blog gearbeitet.

Vielleicht wirkt mein Blogpost heute etwas theatralisch, aber ich wollte unbedingt erklären, warum mein Herzblut an diesem Blog hängt und warum es mir so wichtig ist, den gequirlten Mist aus meinem Kopf in das große, weite Netz zu schütten. So ein Kopf ist ein verdammt kleiner Ort, wenn man so viele Gedanken gesammelt hat wie ich. Ich weiß nicht ob ich es nächstes Jahr besser hinbekomme. Aber ich werde mein Bestes geben und sollte ich scheitern, wird mir vermutlich eines Tages, ohne Vorwarnung, der Kopf platzen.