#Usedom 09 – Zinnowitz

Ich glaube, dass mir Zinnowitz von allen kleinen Städtchen auf Usedom am besten gefällt. Vermutlich liegt es daran, dass ich schon seit vielen Jahren regelmäßig auf einen Besuch hier vorbeikomme. Doch dessen ungeachtet ist es auch wirklich schön hier. Die Strandpromenade ist unheimlich charmant mit ihren pompösen Häusern der Bäderarchitektur,

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es gibt hervorragend schmeckende Fischbrötchen (am südlichen Ende, Richtung Zempin) und einen Kinderspielplatz, auf dem man sogar Autoscooter fahren kann (nördlich der Seebrücke, Richtung Trassenheide). Außerdem lieben meine Jungs das Lift-Café, weil es einen großen Teich beherbergt, in dem viele Koi-Fische herum schwimmen.

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Die Seebrücke von Zinnowitz, mit ihrer Tauchglocke, gibt immer ein gutes Motiv ab ..

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.. und es gibt einige Geschäfte, die es sich zu besuchen lohnt, statt immer die gleichen Touristen-Urlaubs-Buden. Mein liebster ist, ganz klar, die Buchhandlung (gegenüber vom Lift-Café). Dieses Jahr war ich eigentlich auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk, doch stattdessen hat mich gleich ein Buch zu sich gerufen und liebevoll, „Nimm mich mit, du wirst es nicht bereuen!“ gerufen. (Habe ich tatsächlich nicht!)

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Mini suchte sich übrigens ein Pixie-Buch von Ritter Rost raus, über das ich herzlich lachen musste.

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Ritter Rost und Bö, Pixie-Serie 222




#Usedom 06 – U-Boot Juliett U-461

Der nächste Morgen begrüßt uns mit einer dicken Wolkendecke und kaltem Wind. Von der Wärme des Vortages ist nichts mehr zu spüren, also ziehen wir uns dick an und fahren nach Peenemünde. Vom nördlichsten Zipfel Usedoms, der auch als Museumsinsel bekannt ist, habe ich bereits letztes Jahr berichtet. Damals waren wir im spannenden Physik-Museum Phänomenta, doch dieses Jahr wollen wir uns das U-Boot Museum ansehen.

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Der Eintritt fällt mit 6€ pro Person zwar ziemlich happig aus, aber Kinder (bis 6 Jahre) kommen dafür kostenlos rein. „Rein“, das bedeutet, dass man über eine lange Stahlleiter ins Innere des Bootes klettert. Und ich würde mal behaupten, das Bootsinnere fühlt sich noch enger an, als man es sich ohnehin schon vorstellt. Zur besseren Veranschaulichung ist das Boot außerdem mit lebensgroßen Puppen bestückt und es werden typische Geräusche abgespielt (Stimmengemurmel, Kochgeräusche, usw.). Alles in allem wirklich gut gemacht.

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Vielleicht zu gut, denn Small und Mini bekommen regelrecht Panik und klammern sich an meine Beine, was an sich schwierig ist, weil die Gänge durch das U-Boot kaum Platz für einen Menschen hergeben.

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Im Detail bedeutet das, wir befinden uns in der ausgedienten Juliett U-461, die 1961 gebaut wurde, 4100t wiegt, 86m lang und knapp 10m breit ist. Sie fasst eine Besatzungsstärke von 80 Mann und ich frage mich, wie schnell die sich wohl auf die Nerven gegangen sind, denn die Rückzugsräume sind winzig, in manchen kann man nicht mal aufrecht stehen und die Türen sind wegen der Sauerstoffdurchfuhr oberhalb lediglich vergittert. Privatsphäre? Fehlanzeige. Dazu kommt, dass es nur drei Toiletten und eine Dusche (wenn man das überhaupt so nennen kann) gibt.

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Eigentlich besteht der Innenraum des U-Bootes, mal abgesehen von den Schlafkabinen ausschließlich aus Rädern, Rohren, Schläuchen und Luken mit Hebeln dran.

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Licht ist natürlich auch kaum vorhanden. Die Gewissheit, dass dieses U-Boot bis zu 300m tief getaucht ist, lässt einen im wahrsten Sinne des Wortes nach Luft schnappen. 86m Länge können verdammt lang sein, wenn man das Gefühl hat eingesperrt zu sein. Auch die Luken, durch die man sich bewegen muss, um vom einen Ende des U-Bootes zum anderen zu gelangen, sind klein. Ein ausgewachsener Mann bekam mit Sicherheit ordentliche Rückenschmerzen, wenn er die Gänge mehrmals am Tag wechseln musste.

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Und so war ich am Ende doch ganz froh, als eine weitere Stahlleiter uns zurück ans Tageslicht brachte, denn ich kann mir nur schwer vorstellen, wie es sein muss, derart eingesperrt für mehrere Wochen unter Wasser zu leben.

Alles in allem ist das Museum wirklich spannend und sein Geld durchaus wert, aber für kleinere Kinder unter Umständen doch etwas zu gruselig.


#Usedom 05 – Freiwillige Feuerwehr

Auch in diesem Jahr eröffnen wir die Sommer-Urlaubs-Saison mit einem Trip ans Meer. Im Gepäck habe ich Small, Mini & die Lieblingsmama. Und ich bin jedes Mal wieder erstaunt, wie viel am Ende doch noch in unseren kleinen Seat Ibiza reinpasst. Gut, die Wettervorhersage ist auf unserer Seite und so kann ich Regensachen und Skianzüge Zuhause lassen, dennoch sind alle Ecken im Auto gut gefüllt und wir machen uns auf den Weg nach Usedom, für mich einer der schönsten Flecken überhaupt.

Als wir ankommen ist es ziemlich schwül, aber warm, also kurze Hosen an und ab auf Nahrungssuche. Auf dem Fest der Freiwilligen Feuerwehr von Koserow werden wir schließlich fündig – es gibt Bratwurst, Steaks und Fischbrötchen in bester Kleinstadtmanier. Der DJ macht den umsitzenden gute Laune und versucht unentwegt zum Tanzen zu animieren, aus den Boxen dröhnt Cora „Komm wir fahren nach Amsterdam, es war klar, daß ich dich nicht halten kann…“ und der Eine oder Andere sitzt augenscheinlich schon etwas länger am Tisch.

Das wirkliche Highlight aber ist, dass man mit dem Einsatzwagen der Feuerwehr mitfahren kann (an dieser Stelle ganz viele Grüße an meinen Feuerwehr-Bruder!!). Small sitzt sogar vorn neben dem Fahrer und ich mit Mini hinten drin. Das ist definitiv nichts für Menschen mit Platz- oder Berührungsängsten, denn in der kleinen Kabine ist es sehr eng und stickig.
Kaum sind wir losgefahren, fängt es an wie aus Eimern zu schütten, während wir mit Sirene und hundert Sachen über die Landstraße jagen. Der Junge neben mir erzählt seinem Kumpel, dass er gerade zum fünften Mal fährt, aber jetzt erstmal eine kurze Pause braucht. Er ist ein bißchen weiß um die Nasenspitze.

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Als wir Aussteigen schüttet es noch immer und wir versuchen uns unter einen Baum zustellen. Im Film sieht das immer so romantisch aus.. im richtigen Leben wird man trotzdem nass. Mini und Small juchzen vor Freude und tanzen wie Rumpelstielzschen um den Baum herum, dann beruhigt sich das Wetter wieder und die Sonne kommt zurück. Also geht es weiter zum nächsten Highlight: Wasser marsch mit einem echten Feuerwehrschlauch. Meine Jungs sind völlig aus dem Häuschen. Eine weitere Fahrt mit dem Einsatzwagen und sie sind sich sicher: „Wir wollen auf jeden Fall Feuerwehrmann werden!“ (Muss wohl in der Familie liegen..)

Am Ende des Tages machen wir noch einen Abstecher ans Meer, „um die Möwen zu begrüßen“.

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Die Möwen scheinen schon zu schlafen, jedenfalls sehen wir keine einzige, aber das Meer rauscht friedlich in der Abenddämmerung und flüstert uns ein leises Willkommen.

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#Wortreich – Letztendlich sind wir dem Universum egal (David Levithan)

Das habe ich schon zu oft erlebt. Diese völlig unangebrachte Unterwürfigkeit. Diese Unterdrückung der Furcht, mit dem Falschen zusammen zu sein – aus Furcht davor, sonst allein sein zu müssen. Die Hoffnung gefärbt von Zweifel, der Zweifel gefärbt von Hoffnung.

Die Beständigkeit der Liebe betrachten die Menschen als ebenso selbstverständlich wie die Beständigkeit ihres Körpers. Ihnen ist nicht klar, dass die Liebe von der permanenten Gegenwart lebt. Ist das gegeben, hat man ein zusätzliches Fundament im Leben. Wenn man das aber nicht haben kann, bleibt einem immer nur das eine Fundament.

»Es gibt vieles, was dich an einer Beziehung festhalten lässt«, sage ich. »Die Furcht vorm Alleinsein. Die Angst, das Leben über den Haufen zu werfen, in dem du dich eingerichtet hast. Der Entschluss, dich mit etwas zu begnügen, das okay ist, weil du nicht weißt, ob es noch besser werden kann. Oder vielleicht auch gegen alle Vernunft zu glauben, dass es schon noch besser werden wird, obwohl du weißt, dass er sich nicht ändern wird.«

Ich rüste mich für die Baptistenvariante und versuche, mir ins Gedächtnis zu rufen, was sie von anderen Gottesdiensten unterscheidet, an denen ich schon teilgenommen habe.
Das waren im Lauf der Jahre wahrhaftig nicht wenige. Und jeder einzelne davon bestärkt mich nur weiter in meinem Eindruck, wonach all die verschiedenen Religionen sehr viel mehr gemeinsam haben, als sie gern zugeben möchten. Die Überzeugungen sind fast immer die gleichen; nur die Geschichte, die jeweils dahintersteht, ist eine andere. Jeder will an eine höhere Macht glauben. Jeder will Teil einer Gemeinschaft sein, die größer ist als der Einzelne. Die Gläubigen suchen nach einem Ansporn, um sich auf die Seite des Guten zu schlagen, das ihrer Meinung nach auf Erden herrschen soll. Sie möchten ihren Glauben und ihre Zugehörigkeit durch Rituale und unbedingte Ergebenheit unter Beweis stellen können. Sie wollen an das Ungeheuerliche rühren.
Erst in den Feinheiten wird es kompliziert und kontrovers – wenn die Mehrheit sich schwertut anzuerkennen, dass wir achtundneunzig Prozent miteinander gemeinsam haben, ganz gleich, welcher Religion, Rasse oder Geschlecht wir angehören und woher wir kommen. Ja, zwischen Männern und Frauen gibt es biologische Unterschiede, aber prozentual betrachtet ist da gar nicht mal so viel anders. Die Unterscheidung nach Rassen ist ein rein gesellschaftliches Konstrukt und nicht von Natur aus gegeben. Und was die Religion angeht – ob man nun an Gott glaubt, an Jahwe, Allah oder sonst was, letztlich geht es doch um das Gleiche. Aus unerfindlichen Gründen konzentrieren wir uns gern auf die zwei Prozent, in denen wir uns unterscheiden, und daraus resultieren die meisten Konflikte in der Welt.

Manche meinen, psychische Erkrankungen hätten mit Stimmungen zu tun, mit Fragen der Persönlichkeit. Sie glauben, Depression sei lediglich eine Form von Traurigkeit, und Zwangsneurotiker seien einfach irgendwie verkrampft. Sie glauben, die Seele sei krank und nicht etwa der Körper. Es sei etwas, so meinen sie, worüber man bis zu einem gewissen Grad selbst entscheidet.
Ich weiß, wie falsch das ist. […]
Ja, die Gefühle selbst waren ungreifbar, formlos, aber ihr Ursprung war chemischer und biologischer Natur. Diesen Kreislauf kann man nur schwer durchbrechen. Der Körper arbeitet gegen dich. Und das steigert deine Verzweiflung nur umso mehr. Was wiederum das Ungleichgewicht noch krasser macht. Man braucht enorme Stärke, um das auszuhalten.

An diesem unserem Nachmittag will ich versuchen, Rhiannon die Erfüllung spüren zu lassen, die man ganz mit sich allein haben kann. Kein träges Rumfaulenzen auf der Couch, kein Wegdösen in ewig gleichen, öden Mathestunden. Kein Herumgeistern in einem schlafenden Haus um Mitternacht, kein trauriges Zurückbleiben in einem Zimmer, dessen Tür krachend ins Schloss gefallen ist. Dieses Alleinsein hat mit all jenen Formen nichts zu tun. Dieses Alleinsein besteht um seiner selbst willen. Du spürst den Körper, benutzt ihn aber nicht, um dein Hirn auszuschalten. Deine Bewegungen haben ein Ziel, aber keine Eile. Du sprichst nicht mit deinem Nebenmann, sondern mit allen Elementen. Schwitzt und plagst dich und kletterst und siehst zu, dass du nicht ausrutschst, nicht fällst, dich nicht verirrst und dich doch ein gutes Stück verlierst.
Und am Ende das Innehalten. Auf dem Gipfel, der Ausblick. Das Ringen mit der letzten, steilen Steigung, den letzten Windungen des Pfads, und dann ist man auf einmal über alles erhaben. Nicht, dass der Ausblick besonders spektakulär wäre. Wir stehen schließlich nicht auf dem Mount Everest. Aber trotzdem, da sind wir nun, auf dem höchsten Punkt weit und breit, abgesehen von den Wolken, dem Himmel, der trägen Sonne.

Was auch immer geschieht, sie ist diejenige, der ich davon erzählen möchte. Das elementarste Anzeichen dafür, dass es sich um Liebe handelt.

Ich wollte, dass die Liebe alles überwindet. Doch das kann sie nicht. Sie kann nichts aus sich heraus tun. Es liegt an uns, in ihrem Namen alles zu überwinden.

Wobei ein Teil dessen, was ihn als Person so überzeugend macht, seine Beständigkeit ist – die Fähigkeit, tagaus und tagein für andere da zu sein. Seine Freunde verlassen sich auf ihn, und er verlässt sich auf sie – das simple Gleichgewicht, das im Leben so vielem zugrunde liegt.

Jeder Mensch steckt voller Möglichkeiten. Hoffnungslose Romantiker empfinden das am stärksten so, doch auch andere leben davon, in jedem Menschen seine Möglichkeiten zu sehen. Und je mehr ich von Alexander zu sehen bekomme, gespiegelt in den Reaktionen seiner Umwelt, desto mehr wird er zu einer Möglichkeit. Sie gründet auf den Dingen, die mir am wichtigsten sind. Herzensgüte. Kreativität. Verbundenheit mit der Welt. Verbundenheit mit den Menschen um ihn herum, und mit ihren Möglichkeiten.

Die Uhr tickt immer. Manchmal hört man es nicht, und manchmal schon.

Wenn man ins Universum starrt, ist sein Mittelpunkt nur Kälte. Und Leere. Letztendlich sind wir dem Universum egal. Dem Universum und der Zeit.
Deswegen dürfen wir einander nicht egal sein.

* Was ist Wortreich?


#FilmFreitag – The Spectacular Now: Perfekt ist jetzt

tsn2013Titel: The Spectacular Now: Perfekt ist jetzt
Originaltitel: The Spectacular Now
Hauptcast u.a. : Miles Teller (Sutter Keely), Shailene Woodley (Aimee Finicky), Kyle Chandler (Tommy)
Genre: Comedy, Drama, Romance, Coming-of-Age
Erscheinungsjahr: 2013
Spielzeit: 95 Minuten

Handlungsübersicht: Nachdem ihm seine Freundin wegen offensichtlicher Perspektivlosigkeit den Laufpass erteilte, lässt High-School-Senior, Womanizer und Party Animal Sutter sich volllaufen, nur um am nächsten Tag mit schwerem Schädel im Vorgarten von Aimee zu erwachen. Aimee ist schön, aber schüchtern, und hatte noch nie einen festen Freund. Sutter findet die Aufgabe reizvoll, macht dem Mauerblümchen gekonnt den Hof und erobert im Nu ihr Herz. Wohlmeinende Beobachter fürchten, er werde es ihr einfach nur brechen, und liegen nicht ganz falsch damit. (Amazon.de)

Fazit: Wann hast du das letzte Mal einen Film gesehen, der der Realität schon ziemlich nah kommt? Ein Film, der es überhaupt nicht nötig hat, sich mit Effekten oder anderem Firlefanz wichtig zu machen? Ein Film, bei dem man manchmal wegsehen möchte, weil man das Gefühl hat, man dringe in die Privatsphäre der Protagonisten ein, die so ehrlich und verletzlich spielen, als wäre nichts hiervon Fiktion? The Spectacular Now ist wirklich ein großartiger Film über das Erwachsenwerden, die erste Liebe und das Leben zweier Menschen, welches kein bißchen überzogen oder aufgebauscht dargestellt wird. So könnte es tatsächlich stattgefunden haben und das macht den Reiz des Filmes aus. Das und die bezaubernde Shailene Woodley.

Mein Rating: 8/10
Empfehlung für: alle, die noch einmal zum ersten Mal verliebt sein wollen.


#Wortreich – Das also ist mein Leben (Stephen Chbosky)

Das also ist mein Leben. Und ich will, dass Du weißt, ich bin glücklich und traurig zugleich und versuche noch immer herauszufinden, wie das eigentlich sein kann.

»Hat dir denn irgendwer jemals erklärt, wie das so läuft, Charlie?«
»Ich glaube nicht.«
»Also, es gibt da ein paar Regeln, an die du dich hältst. Nicht, weil du’s willst, sondern weil du’s musst. Kapiert?«
Ich nickte.
»Okay. Also, Mädchen zum Beispiel machen ihre Mütter und Magazine und alles Mögliche nach, um zu wissen, wie sie sich Männern gegenüber verhalten sollen.«
Ich dachte an die Mütter und an die Magazine und an »alles Mögliche«, und der Gedanke machte mich nervös, vor allem wenn »alles Mögliche« auch Fernsehen mit einschloss.
»Ich meine, es ist nicht so wie in den Filmen, wo die Mädchen auf irgendwelche Arschlöcher stehen. So einfach ist es nicht. Sie wollen jemanden, der den Dingen Sinn verleiht.«
»Sinn?«
»Genau. Weißt du, Mädchen mögen es, wenn Jungs eine Herausforderung sind. Das gibt ihnen so eine Art Richtung vor. Was würde etwa eine Mutter machen, wenn sie kein Theater veranstalten und einen nicht zum Aufräumen verdonnern könnte? Und was würdest du machen, wenn sie kein Theater veranstalten und dich nicht zum Aufräumen verdonnern würde? Jeder braucht eine Mutter. Und eine Mutter weiß das. Und das verleiht ihr einen Sinn. Kapiert?«
»Ja«, sagte ich, obwohl ich es nicht kapierte. Ich kapierte aber genug, um »Ja« zu sagen, ohne zu lügen.
»Es ist einfach so: Manche Mädchen glauben, dass sie die Jungs ändern könnten. Und das Komische ist, wenn sie es wirklich schaffen würden, würde es sie langweilen. Sie hätten keine Herausforderung mehr. Du musst den Mädchen einfach etwas Zeit lassen, ihre Rolle zu finden, das ist alles. Ein paar haben den Dreh gleich raus. Andere später. Manche auch nie. Ich würde mir darüber nicht zu sehr den Kopf zerbrechen.«
Das tat ich aber. Und tue es, seit er mir das alles erzählt hat. Ich sehe Leute Händchen halten und denke darüber nach, wie das alles funktioniert. Auf den Schulbällen sitze ich hinten und wippe mit dem Fuß und frage mich, wie viele Pärchen gerade zu »ihrem Lied« tanzen. Auf den Gängen sehe ich die Mädchen die Jacken ihrer Freunde tragen und denke über »Besitz« nach. Und ich frage mich, ob irgendwer dabei wirklich glücklich ist. Ich hoffe schon. Ich hoffe es wirklich.

»Denkst du immer so viel nach, Charlie?«
»Ist das schlimm?« Ich wollte wirklich nur, dass mir jemand die Wahrheit sagte.
»Nicht unbedingt. Manchmal denken Menschen aber so viel nach, um nicht am Leben teilnehmen zu müssen.«
»Ist das schlimm?«
»Ja.«

Wir nehmen die Liebe an, von der wir glauben, dass wir sie verdienen.

Normalerweise laufe ich zu Fuß von der Schule heim – es gibt mir das Gefühl, es wirklich verdient zu haben.

»Aber ich liebe ihn!« Ich hatte meine Schwester noch nie so weinen sehen.
»Nein, tust du nicht.«
»Ich hasse dich!«
»Nein, tust du nicht.« Mein Vater kann manchmal beängstigend ruhig sein.
»Er ist alles, was ich habe.«
»Sag das nie wieder über jemanden. Nicht mal über mich.« Das war meine Mutter, die das sagte.
[…]
»Ich hasse dich.«
Sie sagte es anders als zu Dad. Bei mir meinte sie es wirklich so.
»Ich hab dich lieb«, war alles, was mir als Antwort einfiel.
»Du bist echt gestört, weißt du das? Du warst immer schon gestört. Jeder sagt das.«
»Ich versuche ja, es nicht zu sein.«
Dann wandte ich mich ab und ging auf mein Zimmer und schloss die Tür und legte mir das Kissen auf den Kopf und ließ die Stille alles wieder dorthin räumen, wo es hingehörte.

Nicht jeder hat eine traurige Geschichte zu erzählen und selbst wenn, ist es noch keine Entschuldigung.

Lieber Freund, es tut mir leid, dass ich länger nicht geschrieben habe, aber ich habe versucht, »teilzunehmen«, wie Bill es genannt hat. Es ist komisch, manchmal lese ich ein Buch und glaube, ich bin die Menschen in diesem Buch. Und wenn ich Briefe schreibe, dann denke ich die nächsten zwei Tage darüber nach, was ich mit den Briefen gemeint habe. Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist. Auf jeden Fall versuche ich, teilzunehmen.

»Ich fühle mich grenzenlos«, sagte ich.
Und Sam und Patrick sahen mich an, als hätte ich gerade das Beste gesagt, was sie jemals gehört hatten. Weil der Song so großartig war und wir alle ganz genau zugehört hatten. Fünf Minuten unseres Lebens waren wirklich gelebt worden, und wir fühlten uns auf eine gute Art und Weise jung.

Jedenfalls, ich habe mir überlegt, dass ich vielleicht schreiben will, wenn ich erwachsen bin. Ich weiß nur noch nicht, was.

Ich weiß nicht, ob es besser ist, seine Kinder einfach gut zu behandeln und sie selbst entscheiden zu lassen, was sie mit ihrem Leben anfangen. Ich weiß nicht, ob es besser ist, sich mit seiner Tochter einfach gut zu verstehen, statt sie dazu zu zwingen, ein besseres Leben zu führen als man selbst. Ich weiß es nicht.

Ich glaube, es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich das Gefühl hatte, »gut« auszusehen. Weißt Du, was ich meine? Dieses wunderbare Gefühl, wenn man in den Spiegel schaut, und zum ersten Mal im Leben liegt das Haar so, wie es sein soll. Eigentlich sollten wir ja nicht so viel Wert auf Gewicht, auf Muskeln oder auf den Haarschnitt legen, aber wenn das alles einmal passt, ist es einfach schön.

Hast Du Dich je so gefühlt? Dass Du tausend Jahre lang schlafen willst. Oder gar nicht mehr existieren willst. Oder Dir einfach nicht bewusst sein willst, dass Du existierst …Vermutlich ist es ziemlich krank, sich das zu wünschen, aber wenn es mir so geht wie jetzt, dann wünsche ich es mir. Deshalb versuche ich ja, mir nicht den Kopf zu zerbrechen. Ich will nur, dass sich alles zu drehen aufhört.

Lieber Freund, es geht mir richtig gut. Ehrlich! Das muss ich mir für das nächste Mal merken, wenn ich wieder eine schlimme Woche habe. Kennst Du das? Es geht Dir sehr schlecht, und dann ist es plötzlich vorbei, und Du weißt nicht einmal, warum. Wenn es mir so gut geht, versuche ich, daran zu denken, dass irgendwann auch wieder eine schlimme Woche kommen wird, und mir so viel Gutes wie möglich zu merken – sodass ich mich während der schlimmen Woche daran erinnern und mir immer wieder sagen kann, dass es mir wieder besser gehen wird. Es funktioniert nicht jedes Mal, aber es ist wichtig, es immer wieder zu probieren.

Am Schluss verglich das Magazin den Sänger [Kurt Kobain] noch mit John Lennon. Ich habe das Sam erzählt, und sie hat sich richtig aufgeregt. Sie sagte, wenn überhaupt, könne man ihn mit Jim Morrison vergleichen, aber eigentlich könne man ihn mit niemandem vergleichen – er sei eben er selbst. Nach der Rocky Horror Picture Show waren wir alle im Big Boy, und das, worüber ich mit Sam gesprochen hatte, setzte eine riesige Diskussion in Gang.
Craig sagte, das Problem sei, dass jeder immer alles mit allem vergleiche, und das setze die Menschen herab, so wie in seinen Fotokursen.
Bob sagte, es läge an unseren Eltern – die würden sich an ihre Jugend klammern und darunter leiden, sich mit nichts mehr auszukennen.
Patrick sagte, es sei schwer, überhaupt irgendetwas Neues zu machen, weil alles irgendwann schon einmal gemacht wurde. Niemand könne heute mehr so groß rauskommen wie die Beatles, weil die Beatles einen »Kontext« geschaffen hätten. Die Beatles seien damals so groß rausgekommen, weil es niemanden gab, mit dem sie sich messen mussten – sie konnten machen, was sie wollten.
Sam sagte, dass heutzutage spätestens nach dem zweiten Album einer Band immer irgendwer einen Vergleich zu den Beatles zöge, und von da an hätte die Band es echt schwer, noch ihre eigene Stimme zu finden.
»Was sagst du dazu, Charlie?«
Ich wusste nicht mehr genau, wo ich es gehört oder gelesen hatte. Vielleicht in »Diesseits vom Paradies« von F. Scott Fitzgerald. Gegen Ende des Buches trifft der junge Mann, um den es geht, einen älteren Mann. Sie sind beide auf dem Weg zu einem großen Homecoming-Spiel und unterhalten sich miteinander. Der ältere Mann ist »arriviert«, der jüngere schon etwas »verlebt«.
Sie unterhalten sich also, und es wird klar, dass sich der Jüngere als eine Art Idealist sieht. Er spricht von seiner »rastlosen Generation« und so etwas. Er sagt: »Dies ist keine Zeit für Helden, denn niemand wird das mehr zulassen. « Das Buch spielt in den Zwanzigerjahren, was großartig ist, denn dieselbe Unterhaltung könnte auch heute im Big Boy stattfinden. Vermutlich ist das auch unseren Eltern schon so gegangen und unseren Großeltern – und nun passierte es eben mit uns.
Jedenfalls sagte ich, dass das Magazin diesen Sänger jetzt zum Helden macht, dass dafür irgendwann einmal aber irgendjemand etwas ausgraben wird, was ihn nicht mehr wie einen Menschen erscheinen lässt. Und ich fragte mich, wieso eigentlich, denn für mich war er einfach nur ein Mann, der Songs schrieb, die einer Menge Leute gefielen, und ich fand das völlig ausreichend. Vielleicht war das ja Unsinn, was ich sagte – aber alle am Tisch begannen, darüber zu reden. […] Es kam nicht unbedingt viel dabei heraus, aber es fühlte sich gut an, zusammenzusitzen und über unsere Rolle in alldem zu diskutieren. Ich dachte an Bill, der mir gesagt hatte, dass ich »teilnehmen« sollte. Ich bin ja auch zum Homecoming-Ball gegangen, aber das hier machte viel mehr Spaß. Besonders wenn man sich vorstellte, dass überall auf der Welt Menschen ähnliche Gespräche führten.

Ich weiß, dass ich mir das alles selbst zuzuschreiben habe. Ich weiß, dass ich es verdiene. Ich würde alles tun, um nicht so zu sein. Ich würde alles tun, um es wieder gut zumachen. […] Ich wünschte einfach nur, Gott oder meine Eltern oder Sam oder meine Schwester oder irgendwer würde mir sagen, was mit mir nicht stimmt. Mir sagen, wie ich mich verhalten soll, damit das alles Sinn ergibt. Damit das alles vorübergeht. Ich weiß, dass ich nicht so denken soll, weil es ja meine Verantwortung ist, und ich weiß, dass alles erst schlimmer wird, bevor es besser wird, weil das mein Psychiater gesagt hat – aber allmählich kann ich nicht mehr.

Sondern weil sich die Dinge eben ändern. Weil Freunde einen verlassen. Weil das Leben für niemanden eine Ausnahme macht.

Ich glaube, der Gedanke dahinter ist, dass jeder Mensch sich um sein eigenes Leben kümmern muss – erst dann kann er es mit anderen teilen. Vielleicht ist es das ja, was Menschen »teilnehmen« lässt, aber ich bin mir nicht sicher.

Es ist schon komisch, welchen Zeitpunkt sich die Leute manchmal aussuchen, nett zu einem zu sein.

Ich habe keine Ahnung, was mit mir nicht stimmt. Es ist, als ob ich nichts anderes tun könnte, als diesen Unsinn zu schreiben, damit ich nicht auseinanderbreche. […] Ich habe keine Ahnung, was ich jetzt machen soll. Ich weiß, dass manche Menschen es viel schwerer haben. Ich weiß das, aber es bricht trotzdem über mich herein, […] Ich gäbe alles, nicht daran zu denken. Ich weiß, dass ich wieder zu schnell denke und alles nur in meinem Kopf ist, so wie die Trance, es ist aber da, und es will nicht mehr weggehen.

Ein Mensch, dem es nichts ausmacht, Briefe von irgendeinem Jungen zu bekommen. Ein Mensch, der versteht, wieso das besser ist als ein Tagebuch – weil so Verbundenheit entsteht, und außerdem können Tagebücher gefunden werden.

Und so denke ich, dass wir aus ganz vielen Gründen sind, wer wir sind. Und vielleicht werden wir die meisten davon nie erfahren. Aber auch, wenn wir uns nicht aussuchen können, woher wir kommen, können wir doch immer noch wählen, wohin wir gehen. Wir können immer noch unsere Entscheidungen treffen. Und versuchen, glücklich mit ihnen zu sein.
Ich glaube, wenn ich jemals Kinder habe und sie einmal wegen etwas unglücklich sind, dann werde ich ihnen nicht erzählen, dass in China die Menschen verhungern oder etwas in der Art, denn das würde ja nichts daran ändern, dass sie unglücklich sind. Selbst, wenn andere es noch schwerer haben, ändert das doch nichts daran, dass man hat, was man eben hat – Gutes und Schlechtes. […] Vielleicht ist es gut, die Dinge aus der richtigen Perspektive zu sehen. Aber manchmal denke ich, die einzig richtige Perspektive ist die, einfach da zu sein. Wie Sam es gesagt hatte. Einfach zu fühlen. Und mit sich im Reinen zu sein.

Ich dachte an Patrick, der mich seinen Freund genannt hatte. Und ich dachte an Sam, die mir gesagt hatte, dass ich etwas »tun« sollte. Wirklich da sein. Und ich dachte, wie wunderbar es war, Freunde zu haben, und eine Familie. […] Und ich war wirklich da. Und das war genug, um mich grenzenlos zu fühlen.

* Was ist Wortreich?


#FilmFreitag – Elvis

el2005Titel: Elvis
Originaltitel: Elvis
Hauptcast u.a. : Jonathan Rhys Meyers (Elvis Presley), Randy Quaid (‚Colonel‘ Tom Parker), Robert Patrick (Vernon Presley), Rose McGowan (Ann-Margret)
Genre: Biography, Drama, Music
Erscheinungsjahr: 2005
Spielzeit: 173 Minuten

Handlungsübersicht: Die legendäre Elvis-Geschichte von seinem 18. bis zu seinem 33. Lebensjahr. Erstmalig wurde ein Spielfilm über Elvis mit Originalaufnahmen unterlegt!

Tupelo, Mississippi, 8. Januar 1935, 4:30 Uhr: Das sagenhafte Leben des größten Showstars aller Zeiten beginnt. Im Alter von 18 Jahren steht Elvis zum ersten Mal im Studio und nimmt auf eigene Kosten seine erste Platte auf. Sein makelloses Aussehen und die einzigartige Stimme verhelfen ihm zu einem kometenhaften Aufstieg. Im Hintergrund wird das Leben des „King“ von einem Kreis engster Vertrauter geformt: seinem Vater Vernon, seiner geliebten Mutter Gladys und seinem dominanten Manager „Colonel“ Tom Parker. Obwohl Elvis als unwiderstehliches Sex-Symbol ganze Legionen von Frauen in die Ohnmacht treibt, sind die Beziehungen zu seiner Schauspiel-Kollegin Ann-Margret und zu seiner Braut Priscilla überaus schwierig … (Amazon.de)

Fazit: Der 2-teilige Tv-Spielfilm über das Leben von Elvis hat mich wirklich gepackt. Die eine Sache ist es, etwas über das Leben eines anderen Menschen zu lesen, aber es zu sehen macht es manchmal noch intensiver. Es ist spannend Elvis bei seinen Höhen und Tiefen zuzusehen, der von Meyers hervorragend in Szene gesetzt wird, auch wenn man sich beim ersten Blick auf den Schauspieler nicht so recht vorstellen kann, wo da ein Mr. Presley „drin sein soll“.
Schade fand ich, dass trotz langer Spielzeit der Film weit vor Elvis‘ Ableben endet, man will einfach noch mehr wissen, und die Tatsache, dass mir an manchen Stellen zu wenig auf Elvis‘ Gründe für sein Handeln eingegangen wird. Ich dachte, „Warum tut er das jetzt?“, und bekam darauf keine befriedigende Antwort. Nichtsdestotrotz ist der Film wirklich gut gemacht und nicht völlig überladen mit Elvis Songs, wie man vielleicht denken könnte, alles war gut platziert und für einen kurzen Augenblick war man sich sicher: Elvis lebt!

Mein Rating: 7/10
Empfehlung für: Fans des King of Rock’nRoll und alle, die ihren Hüftschwung noch verbessern müssen.


#Wortreich – Das Schicksal ist ein mieser Verräter (John Green)

„Und ich, also, ich esse kein Fleisch.“
„Kein Problem. Wir machen ein paar vegetarische“, sagte sie.
„Findest du Tiere zu niedlich zum Essen?“, fragte Gus.
„Ich will die Zahl der Tode, für die ich verantwortlich bin, möglichst klein halten“, sagte ich.

Manchmal liest man ein Buch, und es erfüllt einen mit diesem seltsamen Missionstrieb, und du bist überzeugt, dass die kaputte Welt nur geheilt werden kann, wenn alle Menschen dieser Erde dieses eine Buch gelesen haben. Und dann gibt es Bücher wie Ein herrschaftliches Leiden, über die du mit niemandem reden willst, weil das Buch so besonders und kostbar und so persönlich für dich ist, dass darüber zu reden sich wie Verrat anfühlt. Es war keine wahnsinnig hohe Literatur oder so was; aber der Autor, Peter Van Houten, schien mich auf eine merkwürdige, unmögliche Art zu verstehen. Ein herrschaftliches Leiden war mein Buch, genau wie mein Körper mein Körper war und meine Gedanken meine Gedanken.

„Manchmal wissen die Leute nicht, was sie versprechen, wenn sie es versprechen“, sagte ich.
Isaac sah mich an. „Ja, klar. Aber man muss sein Versprechen trotzdem halten. Genau das ist doch Liebe. Liebe ist, das Versprechen trotzdem zu halten. Glaubst du nicht an wahre Liebe?“
Ich antwortete nicht. Ich hatte keine Antwort. Aber ich dachte, falls es wirklich wahre Liebe gab, war das eine ziemlich gute Definition dafür.

Du bist so vertieft darin, du zu sein, dass du keine Ahnung hast, wie absolut nie da gewesen du bist.

Während er las, verliebte ich mich in ihn, so wie man in den Schlaf gleitet: langsam zuerst und dann rettungslos.

„Warum isst man eigentlich immer nur Frühstückssachen zum Frühstück?“, fragte ich. „Ich meine, warum gibt es bei uns zum Beispiel nie Curry zum Frühstück?“ […] „Mal im Ernst: Wie kommt es, dass es Rührei immer nur zum Frühstück gibt? Schinken kann man jederzeit auf ein Brötchen legen. Aber sobald man ein Ei drauflegt, zack, ist es Frühstück.“
Mein Vater antwortete mit vollem Mund. „Wenn du zurückkommst, machen wir Frühstück zum Abendessen. Abgemacht?“
„Ich will kein Frühstück zum Abendessen“, antwortete ich und kreuzte das Besteck auf meinem fast vollen Teller. „Ich will Rührei zum Abendessen, ohne die lächerliche Annahme, dass eine Mahlzeit, in der ein Rührei vorkommt, Frühstück ist, selbst wenn es abends serviert wird.“
„Du musst wissen, wofür es sich zu kämpfen lohnt in dieser Welt“, sagte meine Mutter. „Aber wenn du dich wirklich für diese Sache starkmachen willst, stehen wir natürlich hinter dir.“
„Ziemlich weit hinter dir“, sagte Dad, und Mom lachte.
Trotzdem, auch wenn ich wusste, dass es albern war, hatte ich irgendwie Mitleid mit Rührei.
[…]
Als sich die Bänke vor dem Gate langsam füllten, sagte Augustus: „Ich hol mir einen Hamburger, bevor wir abfliegen. Kann ich euch was mitbringen?“
„Nein“, sagte ich. „Aber ich begrüße deine Weigerung, dich den gängigen Frühstückskonventionen zu beugen.“
Er legte den Kopf schief und sah mich verständnislos an.
„Hazel setzt sich gegen die Ghettoisierung von Rührei ein“, erklärte Mom.
„Es ist doch peinlich, dass wir alle blind durchs Leben gehen und einfach so akzeptieren, dass Rührei ausschließlich mit der Morgenmahlzeit assoziiert wird.“
„Darüber würde ich gern ausführlicher mit dir reden“, sagte Augustus. „Aber jetzt bin ich am Verhungern. Ich bin gleich wieder da.“
[…]
„Das mit den Eiern“, sagte er, „andererseits verleiht die Frühstückisierung den Eiern eine gewisse Heiligkeit, oder? Käse oder Speck kann man immer haben, auf Tacos, zum Frühstück, zum Abendessen, aber Rührei – Rührei hat viel mehr Bedeutung.“
„Lachhaft“, sagte ich. […] „Ich meine nur: Vielleicht wird Rührei ghettoisiert, aber immerhin bekommt es eine Sonderbehandlung. Rührei hat seinen Platz und seine Zeit, wie die Kirche.“
„Du liegst vollkommen falsch“, entgegnete ich. „Du lässt dich von den Kreuzstichgefühlsduseleien auf den Sofakissen deiner Eltern kaufen. Du argumentierst, dass das zerbrechliche Seltene nur schön ist, weil es zerbrechlich und selten ist. Aber das ist eine Lüge, und das weißt du auch.“
„Es ist ziemlich schwer, es dir recht zu machen“, sagte Augustus.
„Es mir recht zu machen ist mir nicht recht“, gab ich zurück.

Ich liebe dich, und es gehört nicht zu meiner Geschäftspolitik, mir einfache Freuden wie das Aussprechen von Wahrheiten zu versagen. Ich liebe dich, und ich weiß, dass Liebe nichts als ein Ruf in die Wüste ist und dass das Vergessen unvermeidbar ist und dass wir alle Verdammte sind und dass ein Tag kommt, wenn all unsere Werke zu Staub zerfallen, eine Zeit, wenn sich niemand daran erinnert, dass es einst Kreaturen gab, die in selbst gebauten Maschinen geflogen sind, und ich weiß, dass die Sonne die einzige Erde, die wir je haben, irgendwann verschlucken wird, und ich liebe dich.

Es gibt da so ein Schema, das sich die maslowsche Bedürfnispyramide nennt. Dieser Kerl namens Abraham Maslow wurde mit der Theorie berühmt, dass gewisse Bedürfnisse gestillt sein müssen, bevor man andere Bedürfnisse haben kann. Die Pyramide sieht so aus:

mbp
Maslows Bedürfnispyramide (1943)
Erst nachdem das Bedürfnis nach Essen und Trinken gestillt ist, landet man auf der nächsten Stufe und kann die nächsten Bedürfnisse haben, und dann wieder auf der nächsten und der nächsten. Aber das Wichtige ist, behauptet Maslow, bevor nicht die körperlichen Grundbedürfnisse gestillt sind, sei man überhaupt nicht in der Lage dazu, sich über Sicherheit oder soziale Bedürfnisse den Kopf zu zerbrechen, geschweige denn über Selbstverwirklichung, womit gemeint ist, Kunst zu schaffen oder sich Gedanken über Moral oder Quantenphysik und so weiter zu machen. Nach Maslow steckte ich auf der zweiten Stufe der Pyramide fest, und da mein Bedürfnis nach körperlicher Unversehrtheit nicht gestillt werden konnte, hätte ich überhaupt nicht in der Lage sein dürfen, nach Liebe und Respekt und Kunst oder so was zu streben, was natürlich vollkommener Blödsinn ist: Das Bedürfnis, Kunst zu schaffen oder über Philosophie nachzudenken, verschwindet nicht, wenn einem andere Bedürfnisse verweigert werden. Es wird durch das ungestillte Bedürfnis nur verklärt.

Während die Masse Mensch ihr Leben unhinterfragt dem stumpfsinnigen Konsum widmete…

Ich finde nicht, dass Resignation ehrlich ist. Ich weigere mich, das zu akzeptieren.

Ich dachte immer, wenn man mal erwachsen ist, wüsste man, was man glaubt, aber das ist nicht meine Erfahrung.

Du musst ihnen einfach das Gefühl der Selbstgerechtigkeit nehmen, indem du die Sache so rumdrehst, dass sie denken, sie würden was Verbotenes, wenn sie zusehen, wie ihr Wagen mit Eiern beworfen wird. Damit verwirrst du sie, und sie kriegen Angst und verkriechen sich kleinlaut in ihrem kleinen armseligen Leben.

Manchmal scheint es, als würde es das Universum darauf anlegen, von uns bemerkt zu werden. Das ist es, was ich glaube. Ich glaube, dass das Universum bemerkt werden will. Ich glaube, das Universum ist unwahrscheinlich parteiisch, was das Bewusstsein angeht. Ich glaube, dass es Intelligenz belohnt, weil es ihm schmeichelt, wenn seine Eleganz erkannt wird. Und wer bin ich, der mitten in der Geschichte lebt, dem Universum zu sagen, dass es – oder meine Wahrnehmung von ihm – vergänglich ist?
[…]
Dann saßen wir eine lange Zeit einfach nur schweigend da, was in Ordnung war, und ich dachte an den Tag vor langer, langer Zeit, ganz am Anfang, in Jesus’ buchstäblichem Herzen, als Gus uns sagte, dass er sich vor dem Vergessen fürchtete, und ich ihm sagte, dass er sich vor etwas Allumfassendem und Unausweichlichem fürchtete und dass das eigentliche Problem weder das Leiden noch das Vergessen war, sondern die elende Bedeutungslosigkeit, der vollkommen unmenschliche Nihilismus des Leidens. Ich dachte daran, was mein Vater gesagt hatte, dass das Universum bemerkt werden wolle. Dabei war es genau umgekehrt, wir wollen vom Universum bemerkt werden, wir wollen nicht, dass das Universum sich eine Bohne darum schert, wie es uns ergeht, nicht um die kollektive Idee eines fühlenden Lebens, sondern um jeden Einzelnen von uns als Individuum.
[…]
Ich konnte ihnen nicht sagen, was ich dachte, weil es mir kitschig vorkam, aber ich dachte daran, dass das Universum bemerkt werden wollte und dass ich ihm so viel Aufmerksamkeit schenken musste, wie ich konnte. Ich hatte das Gefühl, ich schuldete dem Universum etwas, und ich konnte es ihm nur durch Achtsamkeit zurückzahlen; und außerdem schuldete ich jedem etwas, der kein Mensch mehr sein durfte, und jedem, der noch kein Mensch war. Im Prinzip das, was mein Vater gesagt hatte.

Aber ich würde es nie wieder mit eigenen Augen sehen, und mir kam der Gedanke, dass die gefräßige menschliche Sehnsucht nie gestillt wird, wenn Träume wahr werden, weil sich immer sofort der Gedanke einstellt, es könnte alles noch besser und öfter passieren.

Wir können dem Universum genauso gut schaden wie helfen, und wahrscheinlich liegt keins von beiden in unserer Macht.

Jedenfalls sind die wahren Helden nicht die Leute, die Sachen tun; die wahren Helden sind die, die Dinge BEMERKEN, die AUFMERKSAM sind. Der Typ, der die Pockenimpfung erfunden hat, hat eigentlich nichts neu erfunden. Er hat nur bemerkt, dass Leute mit Kuhpocken keine echten Pocken bekamen.

Man kann sich nicht aussuchen, ob man verletzt wird auf dieser Welt, aber man kann ein bisschen mitbestimmen, von wem.

* Was ist Wortreich?