#HausAmSee 02 – Tagebuch Woche 1,0

Dienstag:

Als es dämmert werde ich von lautem Geschnatter geweckt und das meine ich wörtlich. Ein paar Enten schreien so laut über den See, dass es mich wundert, dass sich noch keiner beschwert hat sie sollen leiser schnattern.

Außerdem tritt der worst case ein. Mini vergisst über Nacht, dass er eigentlich trocken ist und die unbedeutende Tatsache, dass wir keine Waschmaschine besitzen. Also stopfen wir sein gesamtes Bettzeug in den Kofferraum und fahren nach Berlin, ich hörte da gibt es Waschsalons. Das Glück scheint mit uns und wir finden recht schnell eine freie Waschmaschine. Während die Wäsche ihre Runden dreht, gehen wir ein Eis essen. Small und Mini interessieren fehlende Waschmöglichkeiten übrigens herzlich wenig und so landet die Hälfte des Eis‘ auf ihren Sachen und ein weiterer Teil auf der Bank vor der Eisdiele. Taschentücher habe ich natürlich auch keine dabei und bin gezwungen eine Drogerie aufzusuchen um Feuchttücher zu kaufen. Aber ich hätte es mir sparen können, denn die Jungs schmieren ihre Eisspuren an allem ab, was sie dort in die Hände kriegen. Beim Bezahlen tue ich einfach so, als gehören sie nicht zu mir, doch dann sprechen sie mich mit „Mama“ an und ich kann den Kassierer (der Filialleiter, ausgerechnet!) nur entschuldigend anlächeln. Nun ja.
Zurück im Waschsalon stopfe ich die nassen Klamotten in den Trockner und muss die Jungs weitere 30 Minuten in Schach halten. (Der NerdMann besorgt derweil einen neuen „Kasten mit Internet“.) Ich überlege sie auch noch schnell in eine Waschmaschine zu stopfen, immerhin kleben sie von oben bis unten (Mini hat sogar Eis am Hinterkopf), aber die anderen Leute gucken schon komisch. Also ziehe ich stattdessen die Wunderwaffe aller Mütter aus meiner Handtasche (zumindest zu meiner Zeit..) – einen GameBoy mit SuperMarioLand! Die Jungs sind beschäftigt und erfreuen den Rest der Kundschaft mit dem fröhlichen Sound von Pilzen, Sternen und Blumen (düm düdüdum, düdüdümdümdümdümdümdümdümdüm..).

Nachdem Wäsche, Kinder und meine Nerven wieder im Auto verstaut sind, freue ich mich, dass es nun wieder zurück in die Einöde geht und werde auch direkt für den nervigen Nachmittag entschädigt. Auf dem ungepflasterten Waldweg zu unserem Häuschen sehen wir plötzlich ein Reh. Es wechselt vor unseren Augen die Straßenseite und ist dabei viel größer als ich mir so ein Reh vorgestellt habe. Sein weiches Fell schimmert rotbraun in der Abendsonne und seine schwarzen Knopfaugen schauen kurz scheu in unsere Richtung. Ein wirklich schönes Tier. So etwas erlebt man eben nur im nirgendwo. Am Abend höre ich wieder das laute Geschnatter der Enten vom Morgen und laufe zum Steg um ein ernstes Wort mit ihnen zu reden. Aber ich komme gar nicht zu Wort, denn meine „Enten“ entpuppen sich als Haubentaucher. Zwei ausgewachsene und vier Jungtiere schwimmen an mir vorbei und machen dabei einen Krach, als streiteten sie sich darüber, welchen Film sie heute Abend ansehen wollen. Ich lasse sie ziehen, vorerst, denn ich muss an meinen Ausflug in den Waschsalon denken und bemitleide die Haubentauchereltern ein wenig dafür, dass sie ihre Brut nicht mal kurz mit einem GameBoy ruhig stellen können.

Mittwoch:

Trotz Einöde haben wir auch hier Nachbarn. Rechts wohnt ein älterer Herr, der stets zu sagen pflegt, „Man ist ja keine 90 mehr“, denn er ist bereits 93, aber fährt jeden Mittag mit seinem Boot zum Bäcker auf der anderen Seite des Sees und kauft sich dort eine Zeitung. Er ist beachtlich gut in Form. Linkerhand wird ebenso mehrgenerationsmäßig Urlaub gemacht wie bei uns und zur Zeit beherbergt das Grundstück unserer Nachbarn auch zwei kleine Hunde. Als wir am Nachmittag auf der Wiese sitzen kommt es daher zu einem spannenden Schauspiel. Wir bekommen Besuch von einer Schwanenfamilie.

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Der Schwan an sich ist bereits ein sehr eigensinniges Tier, aber mit seinen Kindern im Gepäck ist er wirklich ungenießbar. Die Hunde fangen also an mit bellen und können nur mit Mühe und Not am Halsband gepackt werden, bevor sie sich auf die fauchenden Schwäne stürzen, die ihre Junge verteidigen. Aber nicht, dass sich die Schwaneneltern irgendwie einschüchtern lassen. Nein, sie plustern sich auf und kommen immer näher. Ein Fauchen und Bellen fegt über den See, dann reißt sich einer der Hunde doch noch los und stürzt vor ans Ufer. Hätte ich mal ein Video gemacht, der totale Tier-Krimi direkt auf unserer Wiese. Der Hund entsinnt sich dennoch rechtzeitig, dass er kein Wasser mag und auch nicht schwimmen kann und belässt es beim wütenden Bellen, während die zickigen Schwäne von dannen schwimmen. Mal im Ernst. Kommen an, fauchen und wundern sich, wenn die Hunde anfangen ihr Herrchen zu beschützen.

Am späteren Abend steht dann noch das tägliche Waschprogramm an. Du erinnerst dich vielleicht, dass ich erzählt habe, dass es keine Dusche gibt. Wer sich waschen will geht bei Wind und Wetter in den See. Während ich mich also mit Himbeer-Limette in eine duftende Waldfee verwandle, kommt eine weitere Federfamilie auf uns zugeschwommen. Diesmal sind es fünf Enten. Am Anfang sind sie ein Stück entfernt, doch jedes Mal wenn ich mich umdrehe, verringert sich der Abstand. Ich fühle mich verfolgt. Bevor sie jedoch den Steg erreichen, sind wir sauber genug und treten den Rückzug an, man kann nie wissen. Am Ende sind diese Enten noch Teil einer Schwanenmafia.

Donnerstag:

Die letzte Nacht fiel ziemlich kurz aus, denn in der buchteigenen Klimazone war mal wieder Chaos. Ein Unwetter vom Feinsten. Erst erhellen unzählige Blitze den Himmel, ohne dass auch nur ein Donnern zu hören ist und plötzlich bricht die Hölle los. Es scheppert und knallt um unser kleines Häuschen, dass ich zwischenzeitlich Angst habe das Dach könnte wegfliegen. Heidewitzka. Irgendwann zwischen all dem Krach schlafe ich doch noch ein und am nächsten Morgen strahlt die Sonne vom Himmel, als wäre nichts gewesen. Wir holen den reparierten Außenmotor aus der Werkstatt und machen eine Bootstour über den See und den nächsten See und den übernächsten.

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Das Wasser spritzt unter dem Boot hervor und wirft kleine Perlen in die Luft, die in der Sonne glitzern. Es weht ein leichter Wind, der das Wasser in Abständen zu größeren Wellen auftürmt, so dass wir mit unserem kleinen Boot immer Mal wieder ordentlich durchgeschaukelt werden.

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Small und Mini jauchzen vor Freude und ich lasse die Seele baumeln (und wenn sie nicht hingucken esse ich heimlich Chips). Über uns fliegt ein Vogel, der einen Stock in seinen Krallen festhält. Ich frage mich gerade, ob er sich mit dem Gewicht nicht ein bißchen überschätzt, als seine Beute vor mir ins Wasser fällt. Der Vogel macht kehrt und fliegt zum Wald zurück. Als wir später in einen Kanal fahren, der See zwei mit See drei verbindet, treffen wir auf alte Freunde. Ich höre sie, noch bevor ich sie sehe: die Haubentaucherfamilie von Dienstag! Leider wollen sie kein Foto von sich machen lassen, daher gibt es nur ein Foto vom Kanal und die Vögel denkst du dir einfach ins Bild.

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2 thoughts on “#HausAmSee 02 – Tagebuch Woche 1,0

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