#HausAmSee 03 – Tagebuch Woche 1,5

Freitag:

Auch an diesem Morgen werde ich von streitendem Federvieh geweckt. Diesmal zanken sich zwei Kohlmeisen im Efeu vor dem Schlafzimmerfenster. Vielleicht hat er vergessen die Wurmreste runterzubringen oder sie hat dem Vogel von nebenan schöne Augen gemacht. Ich weiß es nicht, aber es geht heiß her im Efeu.

„Heiß her“ geht es übrigens auch im Wäscheschrank, denn obwohl wir Dienstag extra im Waschsalon waren, stapeln sich heute schon wieder Minis dreckige Hosen.. Ich frage ihn, ob er mich ärgern will und er antwortet mit „ja“. Super Sache. Also wasche ich alles mit der Hand, schließlich habe ich keine Wahl (und ich fürchte er weiß das). Auf dem Weg zur Wäscheleine hinterm Haus springen mir unzählige Grashüpfer um die Füße. Ihr chaotisches Gehopse sieht lustig aus, wie kleine Erbsen, die gerade runter fallen.

Am Abend beschließt der NerdMann, dass heute ein idealer Tag zum Grillen ist. Das Wetter ist so unglaublich sommerlich, dass wir vom vielen Baden bereits Schwimmhäute bekommen. Zitat: „An so einem Tag gehört es sich einfach, etwas gegrilltes zu essen!“ Ich esse Fisch und hake damit einen weiteren Punkt auf meiner Sommerliste ab.

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Samstag:

Man sollte nicht glauben, dass hier in der Einöde nichts los ist. Samstags, zum Beispiel, veranstaltet der örtliche Schrottplatz regelmäßig einen Flohmarkt. Dort sucht man sich dann etwas aus, dieses etwas wird gewogen und dann zahlt man, je nach Material, einen Kilopreis für seinen Fund. Na, klingt das nicht nach Spaß? Small und der NerdMann sind jedenfalls hin und weg von ihrem Fund und kommen mit einer Feuerschale zurück. Das Teil sieht aus, als würde es gleich zusammen brechen, aber es wiegt 25kg und ich kann es keinen Meter bewegen. Der NerdMann holt erstmal den Papierkorb und verbrennt dessen Inhalt, „weil es geht“. Männer.

Apropos. Am Nachmittag wollen meine Männer Abenteuer erleben und deshalb gehen wir Geocachen. Das ist wie Schatzsuche, nur für Nerds und mit „viel digital“. Die Straße zum ersten Cache (Schatz) ist als solche kaum zu erkennen und wir brauchen für 5 km fast eine halbe Stunde mit dem Auto. „Der Cache ist am Baum“ ist übrigens keine besonders detaillierte Beschreibung des Fundortes, wenn man sich in einem Wald befindet.

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Wir suchen und suchen und finden – nichts. Egal, weiter. Der zweite Cache ist auf einem kleinen Berg und diesmal bin ich der Grund, dass wir nichts finden. Es ist so warm und der Julisturm hat uns mittlerweile auch erreicht. Er pustet eine Menge fönwarme Luft durch die Gegend und deswegen bin ich gegen laufen und für Eis essen. Immerhin das Eis ist ein echter Erfolg. Ich kann mich kaum entscheiden und wähle schließlich Cheesecake und Ricotta-Feige.

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Am Abend nimmt der Sturm noch zu und fegt dermaßen heftig ums Haus, dass diesmal wirklich fast das Vordach dran glauben muss. Ein Getöse in der Bucht, dagegen klingen Kohlmeisen und Haubentaucher wie ein Stummfilm.

Sonntag:

Es ist kalt – nur 14 Grad beim Aufstehen und der Wind pfeift noch immer. Ich verkrieche mich in die Küche bis die Sonne raus kommt. Als ich beim Abtrocknen aus dem Küchenfenster schaue, entdecke ich auf dem Weg vom Tor zum Haus eine Bachstelze. Die Bachstelze an sich ist schwarz-weiß-grau und hat einen langen Federschwanz, der ihr beim Laufen neckisch übers Gras wippt (ja, man nennt das Wippschwanz, gnihihi). Meine Bachstelze sieht zudem aus, als ob sie einen schicken Irokesenhaarschnitt auf dem Kopf trägt. Sich ihrer Auffälligkeit völlig bewusst sieht sich die Bach-punk-stelze immer wieder um, als wolle sie sicher gehen, dass ihr Auftritt auch entsprechend gewürdigt wird. Applaus ist sie aber nicht gewohnt, denn als ich Beifall klatsche fliegt sie davon.

Am Abend gibt es dann noch einen Belegungswechsel. Die Lieblingsmama kommt, der NerdMann geht. Er ist nämlich zu gut für diese Welt und muss mal wieder ein paar andere Nerdseelen retten, bevor er seinen wohlverdienten Urlaub mit uns fortsetzen kann.

Montag:

Der Montag ist anstrengend (schon wieder), denn das klapprige Vordach wird heute ausgetauscht. Dafür haben wir die Handwerker im vorm Haus und die sägen und hämmern und zeigen, wie viel Krach sie machen können. Unser Extrazimmer „Terrasse“ ist durch die Bauarbeiten nicht benutzbar und das Wetter ist montagsmäßig sowieso nicht zu gebrauchen. Ich habe echt schlechte Laune. Wenigstens tragen mir die netten Dach-Jungs die Feuerschale des NerdMann in den Schuppen, bevor sich die Asche über der ganzen Wiese verteilt. Sie lachen dabei, als ob sie nichts wiegen würde. Ich bin so ein Mädchen.

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2 thoughts on “#HausAmSee 03 – Tagebuch Woche 1,5

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