#HausAmSee 05 – Tagebuch Woche 2,5

Freitag:

Wie ist eigentlich so eine Nacht im Wald? Für zarte Nerven in jedem Fall nichts. Es ist zumeist stockdunkel und, abgesehen von leichtem Blätterrauschen, totenstill. Ab und an hört man einen Waldkauz leise schuhuhen oder entfernt einen Hund bellen. Häufig plätschert es im See, wenn sich ein Fisch versucht eine Mücke zu schnappen und manchmal wacht man nachts auf, weil man Dinge hört, die definitiv zu nahe sind.
Ich wache also mitten in der Nacht auf und höre dieses Geräusch. Vielleicht ein Scharren oder Kratzen. Eine Maus auf dem Dachboden? Oder draußen vor dem Fenster? Dann wandert das Geräusch, wird lauter und arbeitet direkt unter meinem Fenster. Erstaunlich, wie mir plötzlich sämtliche Horrorfilme einfallen, die ich je gesehen habe. Ich liege wie erstarrt im Bett und lausche, was das Geräusch draußen macht. Es hat auf jeden Fall Tatzen, also ist es schon mal kein Wildschwein (oder ein Mensch..). Können sich Füchse eigentlich wie Hunde auf die Hinterbeine stellen und eine Türklinke öffnen? Ich springe aus dem Bett und schließe schnell die Tür ab, bevor ich mich wieder ins Bett lege und mir das Kissen über die Ohren ziehe. Ich bin wahrhaft mutig.

Nach einer, den Umständen entsprechend, kurzen Nacht, steht wieder ein Belegungswechsel an. Die Lieblingsmama fährt nach Hause und der NerdMann kommt zurück. Und ganz heimlich, still und leise ist auch der Sommer wieder da. Ich vermute einen kausalen Zusammenhang, aber die Beweislage ist nicht eindeutig. Eindeutig ist allerdings, dass der NerdMann seine letzte Postkarte (gnhihi) überholt hat.

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Am Nachmittag steht Kindergeburtstag auf dem Programm und es ist zur Abwechslung mal ganz angenehm, eingeladen zu sein statt selber einzuladen. Während ich also friedlich meinen Kaffee trinke und leckere Muffins mümpfle,

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werden die Kinder mit Topfschlagen, Bonbonregen und schwimmenden Äpfeln beschäftigt. Das Highlight aber ist Würstchen schnappen, vor allem als ein Hund ins Spiel kommt. Der lässt sich nämlich überhaupt nicht an der Nase herumführen und schnappt erst zu, als schon keiner mehr damit rechnet und die Wurst direkt vor seiner Schnauze anhält. Cleveres Kerlchen.

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Samstag:

Guten Morgen Augenringe! Welch herrlicher Tag für ein gemeinsames Stelldichein. Die Nacht war so zerstückelt wie Hackfleisch in einer Bolognese – schlecht träumende Kinder, ein schnarchender NerdMann und zuviel warme Luft im Schlafzimmer. Es war wahrhaft großartig. Eigentlich hätte nur noch mein Freund von letzter Nacht gefehlt, doch unter dem Fenster war diesmal alles ruhig.

Den ganzen Tag Natur und im wesentlichen immer draußen sein, hat definitiv auch seine Nachteile. Seit der Sommer ein zweites Mal zu uns vorgedrungen ist, scheinen auch die Wespen große Pläne zu hegen und die bestehen darin, die Weltherrschaft an sich zu reissen ein Nest zu bauen, wo es herrlich nach Essen duftet – auf unserer Terrasse. Daher heißt unser neuer bester Freund Neptun 150. Es ist eine Blumenspritze, die 1,5l Wasser fasst und mittels pumpmechanik einiges an Wasser verteilen kann. Wenn sich beim Essen ungebetenen Gäste nähern, bekommen sie eine kräftige Ladung Wasser entgegen und fliegen davon. Muhaha.

Wenn wir nicht gerade unser Territorium gegen Wespen verteidigen, vertreiben wir uns die Zeit mit baden, auch wenn der See noch recht kühl ist. Am Abend gibt es ein kleines Lagerfeuer in der neuen Feuerschale. Ist sie nicht schön? (räusper). Dazu grillen wir Marshmallows und ich kann einen weiteren Punkt auf meiner Sommerliste abhaken.

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Sonntag:

Sonntag ist Schontag (oder so ähnlich). In der buchteigenen Klimazone gibt es nichts zu vermelden außer Sonne, Schweiß und einer Menge Faulenzerei. Dazu noch Baden und Bootstouren. So fühlt sich Sommer an.

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Montag:

Montag. Wie kann es schon wieder Montag sein? Und warum quillt der Wäschesack erneut über? Ich lasse meine Männer zurück und fahre allein nach Berlin. Was meine Fahrkünste angeht bin ich kein typisches Mädchen und fahre ganz gut, aber in der Hauptstadt war ich trotzdem noch nie allein. 11:09 Uhr passiere ich das Ortsschild und bin ziemlich stolz auf mich. Taylor Swift und ich singen lautstark um die Wette, während ich einen Tunnel nach dem anderen durchquere.
Und falls du einen schwarzen Octavia fährst und aus NOL kommst, dann hoffe ich du bist gut angekommen, dein Fahrstil ist nämlich zum fürchten! Die weißen Linien auf der Straße sind keine Berliner Street Art, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern begrenzen die Fahrspuren auf der Autobahn und die gelten für ALLE Autos. Nur mal so.

Bevor ich mich dem Wäscheberg im Kofferraum widme, gehe ich erstmal shoppen. Es heißt doch, „Erst das Vergnügen und dann der Spaß“, oder verwechsle ich da was? Ein waghalsiges Wendemanöver später, finde ich auch die Einfahrt zum Parkhaus und schon bin ich drin, im bunten Land des Konsums. In diesem Fall: Primark. (Grüße an Dolly!)
Als ich mit zwei vollgepackten Tüten wieder herauskomme, sind drei Stunden vergangen. Ich schaue recht ungläubig auf die Uhr, aber sie bleibt hartnäckig. Keine Ahnung, wann die drei Stunden vergangen sein sollen, ich war doch nur kurz gucken.. Doch nun geht es weiter, direkt zum Waschsalon.

Dinge, die ich im Waschsalon tun wollte:

  • Wäsche waschen
  • einen Blogpost schreiben (nämlich diesen hier)

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Dinge, die ich stattdessen im Waschsalon getan habe:

  • zwei Maschinen gewaschen
  • festgestellt, dass das Kleingeld nicht reicht
  • eine Bank gesucht, um Geld abzuheben
  • Geld abgehoben
  • einen 1€-Shop gefunden, um Scheine in Münzen zu tauschen
  • eine weitere Maschine angestellt
  • geschwitzt
  • Chinanudeln gegessen
  • die Wäsche auf drei Trockner verteilt, 30 Minuten eingestellt
  • Kaffee getrunken und Spritzkuchen gegessen
  • weiter geschwitzt
  • Wäsche zusammengelegt und weitere 15 Minuten auf den Trockner gewartet, weil noch nicht alles getrocknet war
  • mich gefragt, warum ich mir das bei 34° antue und.. geschwitzt
  • schrullige Omis und betrunkene Männer im Laden beobachtet
  • mit dem Ladeninhaber übers Wetter philosophiert (nüchtern)
  • meinen Laptop völlig umsonst durch die Gegend getragen
    (denn diesen Blogpost habe ich letztendlich Zuhause im Bett geschrieben)
  • 15,50€ ausgegeben und 2,5h gebraucht um alles zu waschen, trocknen, zusammenzulegen und wieder im Auto zu verstauen

Doch Ende gut, alles gut. Was war ich froh, als ich wieder im Wald ankam und direkt in den See hüpfen konnte. Hier lässt es sich wirklich aushalten. Halleluja!

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