#HausAmSee 07 – Tagebuch Woche 3,5

Freitag:

Beim Frühstück schauen wir „Wald-TV“. Zwei Eichhörnchen streiten sich lautstark und springen dabei von Baum zu Baum. Zwischendrin trennen sie sich immer mal wieder und auf den Krach der Zankerei folgt bedächtige Ruhe, nur unterbrochen vom Geräusch fallender Nussschalen und knabbernder Futteraufnahme. Ab und an schaut ein buschiger Schwanz oder ein weißer Bauch aus dem Geäst, dann geht ihr Streit von vorne los.

Auch wir müssen uns für weitere Futteraufnahmen vorbereiten und so fahren die Lieblingsmama und ich, nach dem Frühstück, zur nächstgelegenen Kaufhalle. Es ist schon jetzt unangenehm warm und als wir den Laden betreten, bringt auch das nur geringe Abkühlung. Doch an der Kasse wird es dann richtig „heiß“. Drei von vier Kassen sind besetzt (das gibt eine ungefähre Vorstellung davon, wie voll es ist). Plötzlich wird es hinter mir laut. Ein offensichtlich betrunkener Mann, etwa Ende 30, oberkörperfrei und stark durchtrainiert, taumelt durch die wartende Kundenschlange und stolpert dabei gegen einen anderen Mann, dieser so hoch wie breit. Der schubst ihn weg und einen Wimpernschlag später brennt die Luft und riecht nach Schlägerei. Der Filialleiter, so jung, dass er vermutlich gerade erst aus der Uni gefallen ist und körperlich beiden Männern weit unterlegen, versucht den Streit zu schlichten. Der Betrunkene verlässt unter viel Getöse und Geschrei den Laden.. nur um direkt wieder durch den Eingang hineinzukommen. Der arme Filialleiter, jetzt mit Telefon am Ohr (vermutlich Polizei), läuft dem Betrunkenen hinterher, der nun zurück im Kassenbereich ist und sich erneut versucht zu prügeln. Den Ladys wirft er dabei Kusshände zu und strahlt ein Siegerlächeln. Völlig verrückt. Der Filialleiter holt den verwirrten Mann endlich ein und will ihn am Arm nach draußen befördert, doch jetzt ist der Spaß vorbei und der Betrunkene verpasst dem Filialleiter einen Hieb, mitten ins Gesicht. Der gesamte Kassenbereich buht lautstark und die Kassiererinnen rufen, einer der starken Männer solle doch endlich dazwischen gehen. Tatsächlich stehen einige Schränke in Sichtweite, aber keiner traut sich. Letztendlich fassen sich ein paar ältere Damen ein Herz und verscheuchen den Betrunkenen, wie im Film, mit ihren Handtaschen. Draußen wartet auch schon die Polizei und nimmt den Unruhestifter in Empfang.
Das ganze Spektakel geht etwa zehn Minuten, während denen die Kassiererin unserer Kasse versucht, ein Päckchen Äpfel zu stornieren. Doch der ganze Trubel und die angespannte Stimmung lassen sie Fehler machen und nun hängt die Kasse. Ein Neustart dauert weitere fünf Minuten, bei dem sie mir erzählt, dass der Betrunkene bekannt, aber sonst immer höflich und friedlich ist und noch nie eine Schlägerei anzetteln wollte. Nach dem Neustart ist der Scanner kaputt. Ich packe also alle meine Lebensmittel wieder in den Wagen und versuche mich in die gegenüberliegende Schlange zu drängeln. Immerhin das funktioniert mit Erfolg. Nach gefühlten 30 Warteminuten verlassen wir endlich die Kaufhalle. Auch die Temperatur fühlt sich wie 30°. Jetzt schon.

Am Abend erzählt uns der Nachrichtenmann, was wir ohnehin schon dachten: Heute war der wärmste Tag des Jahres. Selbst bei uns am See war absolute Windstille und schwitzige 39° im Schatten. Es ist also (sonnen-)klar, wie wir unseren Tag verlebt haben.

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Samstag:

Heute machen wir eine Fahrt mit dem Dampfer, über vier der insgesamt sieben zusammenhängenden Seen.

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Mit dem Motorboot sind wir bisher immer nur bis zum dritten See gekommen, aber das ist lange nicht so komfortabel und vor allem nicht so leise, wie mit dem Dampfer. Ich trinke einen Eistee, den man wie normalen Tee mit einem Teebeutel, aber kaltem Wasser aufgießt. Kannte ich bisher nicht, finde ich aber gut.
Small und Mini finden die Fahrt total klasse, den es gibt sooo viel zu sehen. Dank der Hitze sind die Seen voller Boote und die Ufer voller Menschen, die baden, winken und lauthals Spaß haben. Sommer eben <3

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Sonntag:

Als wir am Vormittag einen kleinen Ausflug machen wollen, hat das Auto einen Platten. Normalerweise würde man sich über solch einen Vorfall furchtbar ärgern, aber wir haben Urlaub, also schwamm drüber. Wir fahren mit dem Auto der Lieblingsmama und erreichen ohne weitere Zwischenfälle unser Ziel: Schloss Königs Wusterhausen

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Mit Kultur und Gedöns brauchen wir den Kindern natürlich nicht kommen, glücklicherweise entdecken wir hinter dem Schloss einen ganz tollen Wasserspielplatz, der nicht nur Small und Mini in Verzückung versetzt.
Der Autoreifen hat übrigens ein defektes Ventil, obwohl ich es nicht ausschließe würde, dass ein paar gewisse Enten nachgeholfen haben..

Manchmal sitze ich am Ufer und beobachte diese Enten, wie sie wichtigtuerisch durch die Bucht schwimmen und sich dabei aufplustern. Das ist dann auch der Platz, von dem aus ich über meine Wald- und Seeabenteuer berichte. Traumhaft, nicht wahr?

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Und dies mein Ausblick:

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Und warum ist das Wasser braun? Ich befinde mich, wie du weißt, an einem See und dessen Boden ist natürlich voller Schlick, Sand und kompostierten Waldabfällen. Durch die Boote und den Wind, bleibt der See immer in Bewegung und der Boden wird aufgewirbelt. Daher wirkt das Wasser braun. Es ist also nicht dreckig oder giftig ;-)

Montag:

Heute gab es die große Eskalation auf dem Wasser! ZWEI Schwanenfamilien, mit je voller Federstärke (also zwei große und fünf kleine Schwäne), sind sich in der Bucht begegnet. Sie haben gefaucht und sich aufgeplustert wie schwimmende Kissen. Ich habe kurz überlegt, die Situation mit ein wenig Gangster Rap musikalisch zu untermalen, aber ich wollte ihre Aufmerksamkeit lieber nicht auf mich lenken. The battle of the Swans. Episch!

Mal abgesehen von diversen Tieren, schreibe ich immer darüber, wie ruhig und leer es am See und im Wald ist. Heute wurde ich allerdings eines besseren belehrt. Ich wollte nur kurz zum Briefkasten und eine Karte einstecken (ja, Briefkasten ham wa hier, total fortschrittlich ey), doch ich habe für einen Weg von etwa drei Minuten, 20 Minuten gebraucht. Auf den paar Metern bin ich so ziemlich jedem Nachbarn in die Arme gelaufen, der gerade da war und musste mich höflich unterhalten. Zum Briefkasten habe ich es am Ende gar nicht geschafft, aber Small konnte die Karte für mich einstecken. Puh.

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