#HausAmSee 08 – Tagebuch Woche 4,0

Dienstag:

Wenn man für längere Zeit im Urlaub ist, kann es unter Umständen vorkommen, dass einem der Sinn nach körperlicher Ertüchtigung steht. In meinem Fall heißt das Gartenarbeit, daher habe ich ein Blumenbeet angelegt. Nun ist mein Daumen weder besonders grün, noch verstehe ich viel von Pflanzen, aber allein das Beet vom Unkraut zu befreien, kam einer Woche Fitness gleich. Wir reden hier nämlich nicht von ein paar kleinen Disteln oder etwas Löwenzahn, wir reden von Unkraut, dessen Stiele so dick sind wie kleine Äste, mit Dornen daran und Wurzeln, die sich quer durch das Beet ziehen und sich teilweise nur mit einer Heckenschere stutzen lassen, bevor man sie mit dem großen Spaten ausgraben kann. Wir reden von fiesem, gemeinem, hartnäckigem Unkraut! Drei ganze Schubkarren buddel ich aus dem Beet und habe dabei erst die Hälfte geschafft. Der beste Zeitpunkt für eine Pause also. Bis morgen. Man soll es mit dem Sport schließlich nicht übertreiben.

Am Abend machen Mini, Small und ich eine Abschiedsbootstour mit der Lieblingsmama. Wir tuckern um die kleinen Inseln und an den Ufern entlang und etwa 500m vor unserem Steg verebbt der Motor. Das Benzin ist alle. Der Kanister zum nachfüllen? Steht natürlich AUF dem Steg.
„Kein Problem“, meint Small und schnappt sich die Ruder. Noch während er uns in die richtige Richtung dreht, ruft Mini aufgeregt von hinten: „Kissen über Bord!“ Das Sofakissen treibt mit beachtlicher Schnelligkeit in die entgegengesetzte Richtung vom Boot und droht bereits unterzugehen. Small ist noch immer mit den Rudern und der Richtung beschäftigt und obwohl er für seine fünf Jahre beachtlich gut rudert, würde er es nicht mehr zum Kissen schaffen, soviel ist klar. Und nun kommt mein Superhelden-Moment: In Windeseile ziehe ich meine Klamotten aus (darunter trage ich mein Superheldenkostüm aka Bikini) und springe elegant wie ein Pinguin Rettungsschwimmer ins Wasser, kraule zum Kissen und rette es vor dem beinahe unausweichlichem Wassertod. Triumphierend schwimme ich zurück zum Boot, in dem Small ganz beeindruckt von meiner Leistung jubelt und Mini erschrocken weint, weil ich einfach aus dem Boot gesprungen bin.
Die halbe Bucht steht mittlerweile unauffällig am Ufer herum und schaut sich unser kleines Abendspektakel an (es haben schließlich nicht alle einen Fernsehanschluß), also erspare ich mir die Peinlichkeit, umständlich zurück ins Boot zu klettern und schwimme stattdessen zurück zum Steg. Leider hatte ich vergessen, dass der durchschnittliche Superheld überdurchschnittlich sportlich ist, also das ganze Gegenteil von mir. Wenigstens gehe ich nicht unter. Soviel Stolz kann ich gerade noch aufbringen.

Mittwoch:

Mitten in der Nacht werde ich von einem lauten Rumpeln geweckt. Jemand versucht die Haustür zu öffnen! Habe ich überhaupt abgeschlossen? Oder nur die Türläden zugeklappt? Es ist wie immer stockdunkel und natürlich ist mein erster Gedanke: Einbrecher! Am hellichten Tag betrachtet totaler Quatsch, es gibt weder etwas wertvolles zu stehlen, noch befinden wir uns in der Großstadt: Beschaffungskriminalität im Wald gleich Null. Trotzdem liege ich ziemlich angespannt im Bett und lausche, denn natürlich ist ausgerechnet heute der NerdMann über Nacht abwesend. Draußen ist das Rumpeln in ein Rascheln übergegangen. Dann höre ich jemanden reden. Es ist die Lieblingsmama! Ich schleiche in die Küche und sehe, dass sie den gelben Sack mit dem Plastikmüll aus der Küche entfernt hat. Offensichtlich hat sich eine Maus darin versteckt, die in der Stille der Nacht unaufhörlich herum raschelt. Als ich mich wieder ins Bett lege, frage ich mich wie sie das geschafft hat, immerhin hängt der Plastiksack gut einen Meter über dem Boden, an einem Haken an der Wand, dennoch schlafe ich problemlos wieder ein.
Etwas später, es beginnt gerade hell zu werden, erwache ich erneut. Der Geruch von unausgewaschenen Jogurthbechern, Käsepapier und Wurstverpackungen, mit lebender Maus dazwischen, scheint den halben Wald unter das Schlafzimmerfenster gelockt zu haben. Draußen tippelt und tappst, raschelt und brummt es. Sonnenaufgangsbrunch oder wie? Ich bin mir nicht sicher, ob die Maus ihren Plan mit dem gelben Sack noch immer so gut findet.
Nach dem Aufstehen möchte ich mir ein Bild von der Schlacht am Buffet machen, doch der Plastiksack sieht heil aus. Ich trage ihn vorsichtig in den Schuppen zu den anderen Säcken. Beim Abstellen scheint die Maus zu erwachen, jedenfalls raschelt es wieder. Schnell schließe ich die Tür vom Schuppen, nur für den Fall, dass es vielleicht doch keine Maus ist, sondern eine Ente. Hier draußen kann man nie wissen.

Am Vormittag beende ich meinen Kampf gegen das Unkraut. Das Foto ist ziemlich desillusionierend, mein Beet sieht winzig aus. Tatsächlich ist es aber bestimmt drei bis vier Meter lang. Und der grüne Streifen im Hintergrund ist kein Unkraut, auch wenn es den Anschein macht. Ich habe Schwielen an den Händen und Muskelkater in den Beinen. Mein Bedarf an körperlicher Betätigung und im speziellen Sport ist ganz und gar erfüllt.

20150812_102403

Donnerstag:

Noch vier Tage bleiben uns im Paradies. Und wir zählen mit einem lachenden und einem weinenden Auge die Stunden.
Weinend, weil es einfach richtig klasse ist im Wald zu wohnen, einen See direkt vor der Tür zu haben und all diese kleinen Dinge zu erleben, die man in der Stadt niemals erlebt. Weil es unbeschreiblich toll ist, dass der Sommer dieses Jahr wirklich ein Sommer ist und uns mit durchgehend warmen Wetter verwöhnt. Weil es großartig ist einfach schlafen zu können, fernab von Autos, Straßenbahnen, Baulärm und lauten Hausbewohnern (all das erwartet uns nämlich, wenn wir wieder zu Hause sind). Weil gutes Essen nirgends besser schmeckt, als wenn man den ganzen Tag an der frischen Luft ist und weil wir wissen, dass die Zeit, die wir zusammen haben, schon sehr bald wieder voller Verpflichtungen und Termine sein wird.
Und das lachende Auge erinnert uns daran, dass man tatsächlich auch zu viel Urlaub haben kann. Denn egal wie toll es hier ist, irgendwann wird Urlaubszeit zu Alltag, tägliche Abläufe zu Routine und damit auch ein Stück weit langweilig. Es ist nicht so, dass wir nach Hause wollen, aber wir merken alle vier, dass es langsam an der Zeit ist. Besser kann ich es im Moment nicht beschreiben.

Das könnte dich auch interessieren:


One thought on “#HausAmSee 08 – Tagebuch Woche 4,0

  1. Pingback: #HausAmSee 09 – Tagebuch Woche 4,5 | britpott|blog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *