Ich wurde im Sternzeichen Wassermann geboren und Wassermännern sagt man nach, dass sie einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn haben. Auf mich trifft das in jedem Fall völlig zu und so habe ich die halbe Nacht mal wieder damit vebracht, mich in einem inneren Dialog darüber zu streiten ob es denn fair ist, dass manche Menschen mit bestimmten Verhaltensweisen durchs Leben kommen, während anderen Menschen nur der Ansatz der gleichen Verhaltensweise schon in Verruf bringt.
Nehmen wir zB. mal folgende Geschichte. Da ist dieses Mädchen, dass sich in einen Jungen verliebt. Anfangs sieht es gar nicht danach aus, dass die Beiden überhaupt zusammen kommen, denn eigentlich ist sie schon mit jemand anderem zusammen. Doch nach dem sie ein paar Wochen zweigleisig gefahren ist – weil Entscheidungen treffen ja soo schwer ist – verabschiedet sie den ersten und nimmt den zweiten Jungen. Und dann ist sie erstmal glücklich. Genießt ihre Zeit mit ihm, wohnt in einer anderen Stadt, baut ihre Zukunft auf und vergißt völlig, dass es noch eine Welt außerhalb des Lebens mit diesem Jungen gibt. Und je länger die Beiden zusammen sind, desto mehr vernachlässigt sie Freundschaften und andere soziale Kontakte, hat kaum noch Zeit für irgendwen anders und beschränkt sich auf das für sie wesentliche in ihrem Leben. Eines Tages, man hat wirklich nicht damit gerechnet, trennt sich der Junge von dem Mädchen nach knapp sechs Jahren und sie stellt plötzlich fest, dass sie eigentlich kaum noch Freunde hat. Also überlegt sie, wen sie denn noch von früher kennt, meldet sich dort mal wieder und siehe da, wird auch noch mit offenen Armen empfangen. Vermutlich eine Mischung aus sie ist wieder Single, vielleicht geht da was und man hat sie noch nett in Erinnerung und überhaupt sind wir alles so nette Menschen. Da kann man es schon mal verzeihen, dass sich jemand fünf oder sechs Jahre kaum meldet, geschweige denn, sich jemals die Mühe gemacht hat aus ihrer Stadt in eine andere zu fahren um dort jemanden zu besuchen.
Ich frage mich nun also, warum darf dieses Mädchen das? Warum kann sie nach all den Jahren des Desinteresse plötzlich wieder auftauchen, muss sich nicht erklären und dabei wird so getan als wäre das völlig in Ordnung? Wenn sich andere Menschen so verhalten dann werden sie beschimpft, dass sie nicht verlässlich sind, dass man von ihnen enttäuscht ist und vorallem, dass sie schlechte Freunde sind. Aber dieses Mädchen, mit ihrer schweizer Einstellung, keine Stellung beziehen, so neutral wie möglich bleiben und bloß keine persönliche Tiefe zeigen, sie darf das.
Ja, es macht mich wütend, dass die einen Menschen versuchen alles richtig zu machen. Familie, Freunde und Beziehung unter einen Hut bekommen wollen um allen Parteien das Gefühl zu geben, dass sie ein wichtiger Bestandteil des eigenen Lebens sind (denn so ist es) und andere Menschen haben ihre Beziehungen, blenden alles drum herum aus und wenn es vorbei ist, dann merken sie wie völlig weltfremd ihre Einstellung bisher war und laufen in Panik los um zu sehen, was übrig geblieben ist. Aber nicht um daraus zu lernen, denn beim nächsten Partner werden sie es genau so machen. Und die Vernachlässigten werden es ihnen nachsehen. Weil man ja nett zu einander ist. Mal ehrlich, wie alt sind wir eigentlich? Ist es mit Mitte zwanzig etwa noch zu früh um die Konsequenzen für sein Handeln gegenüber anderen Menschen zu übernehmen??









