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‘Freundschaft’ Category

  1. Zuverlässig Unzuverlässig

    Februar 4, 2012 by britpott

    Ich wurde im Sternzeichen Wassermann geboren und Wassermännern sagt man nach, dass sie einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn haben. Auf mich trifft das in jedem Fall völlig zu und so habe ich die halbe Nacht mal wieder damit vebracht, mich in einem inneren Dialog darüber zu streiten ob es denn fair ist, dass manche Menschen mit bestimmten Verhaltensweisen durchs Leben kommen, während anderen Menschen nur der Ansatz der gleichen Verhaltensweise schon in Verruf bringt.

    Nehmen wir zB. mal folgende Geschichte. Da ist dieses Mädchen, dass sich in einen Jungen verliebt. Anfangs sieht es gar nicht danach aus, dass die Beiden überhaupt zusammen kommen, denn eigentlich ist sie schon mit jemand anderem zusammen. Doch nach dem sie ein paar Wochen zweigleisig gefahren ist – weil Entscheidungen treffen ja soo schwer ist – verabschiedet sie den ersten und nimmt den zweiten Jungen. Und dann ist sie erstmal glücklich. Genießt ihre Zeit mit ihm, wohnt in einer anderen Stadt, baut ihre Zukunft auf und vergißt völlig, dass es noch eine Welt außerhalb des Lebens mit diesem Jungen gibt. Und je länger die Beiden zusammen sind, desto mehr vernachlässigt sie Freundschaften und andere soziale Kontakte, hat kaum noch Zeit für irgendwen anders und beschränkt sich auf das für sie wesentliche in ihrem Leben. Eines Tages, man hat wirklich nicht damit gerechnet, trennt sich der Junge von dem Mädchen nach knapp sechs Jahren und sie stellt plötzlich fest, dass sie eigentlich kaum noch Freunde hat. Also überlegt sie, wen sie denn noch von früher kennt, meldet sich dort mal wieder und siehe da, wird auch noch mit offenen Armen empfangen. Vermutlich eine Mischung aus sie ist wieder Single, vielleicht geht da was und man hat sie noch nett in Erinnerung und überhaupt sind wir alles so nette Menschen. Da kann man es schon mal verzeihen, dass sich jemand fünf oder sechs Jahre kaum meldet, geschweige denn, sich jemals die Mühe gemacht hat aus ihrer Stadt in eine andere zu fahren um dort jemanden zu besuchen.

    Ich frage mich nun also, warum darf dieses Mädchen das? Warum kann sie nach all den Jahren des Desinteresse plötzlich wieder auftauchen, muss sich nicht erklären und dabei wird so getan als wäre das völlig in Ordnung? Wenn sich andere Menschen so verhalten dann werden sie beschimpft, dass sie nicht verlässlich sind, dass man von ihnen enttäuscht ist und vorallem, dass sie schlechte Freunde sind. Aber dieses Mädchen, mit ihrer schweizer Einstellung, keine Stellung beziehen, so neutral wie möglich bleiben und bloß keine persönliche Tiefe zeigen, sie darf das.

    Ja, es macht mich wütend, dass die einen Menschen versuchen alles richtig zu machen. Familie, Freunde und Beziehung unter einen Hut bekommen wollen um allen Parteien das Gefühl zu geben, dass sie ein wichtiger Bestandteil des eigenen Lebens sind (denn so ist es) und andere Menschen haben ihre Beziehungen, blenden alles drum herum aus und wenn es vorbei ist, dann merken sie wie völlig weltfremd ihre Einstellung bisher war und laufen in Panik los um zu sehen, was übrig geblieben ist. Aber nicht um daraus zu lernen, denn beim nächsten Partner werden sie es genau so machen. Und die Vernachlässigten werden es ihnen nachsehen. Weil man ja nett zu einander ist. Mal ehrlich, wie alt sind wir eigentlich? Ist es mit Mitte zwanzig etwa noch zu früh um die Konsequenzen für sein Handeln gegenüber anderen Menschen zu übernehmen??


  2. I’ll Be There For You

    Oktober 24, 2011 by britpott

    Freunde finden ist schwer. Freundschaften pflegen noch viel schwerer.

    Immer wieder habe ich das Gefühl, dass das Wort “Freund” von (zu) vielen Menschen für jede Person verwendet wird, die man von irgendwoher kennt, die sich aber weder ins Feld Familie noch Arbeit einordnen lässt. Dabei wird häufig vergessen, was das Wort “Freund” überhaupt bedeutet.

    Manchmal bin ich enttäuscht von meinen Freunde, weil ich immer mal wieder das Gefühl habe, gar keine wirklichen Freunde zu haben. Doch dann muss ich meist feststellen, dass meine Ansprüche an eine Freundschaft ungewöhnlich hoch zu sein scheinen.

    Freundschaften sind im Grunde auch nur Beziehungen. Und bei Beziehungen ist es oft der Fall, dass der Eine mehr gibt als der Andere. Dass Einer mehr liebt, mehr investiert, mehr Wert darauf legt mit dem Anderen zusammen zu sein. Und offensichtlich bin in den meisten Fällen ich dieser Jemand. Ich gebe mir gern Mühe für die Menschen, die mir viel bedeuten. Ich mache es nicht, weil ich etwas zurück bekommen möchte, sondern weil es mir ein gutes Gefühl gibt, wenn ich dem Anderen zeigen kann, dass ich an ihn gedacht habe. Sei es mit einer Karte, einem selbstgebastelten Geschenk oder einem leckeren selbstgebackenen Blech Muffins. Doch dann gibt es auch diese Zeiten, in denen ich mich frage, warum ich mir all diese Mühe gebe, weil ich nicht das Gefühl habe auf Gegenseitigkeit zu stoßen. In einer Partnerschaft ist das natürlich etwas anderes. Man weiß, dass der Andere einen ebenso liebt und dass es manchmal Phasen gibt, in denen die Liebe eine Durststrecke durchmacht und am Ende trennt man sich oder findet wieder zusammen. Aber wie ist das in einer Freundschaft? Ich kenne bisher niemanden der den Mut aufbringt zu sagen: “Unsere Freundschaft ist lange tot, lass uns aufhören so zu tun als wären wir noch Freunde, dann kann jeder von uns entspannt seinen eigenen Weg gehen”. Stattdessen wird sich einfach nicht mehr gemeldet, Treffen abgesagt oder Termine vorgeschoben. Doch es gibt nun mal Freundschaften, in denen man sich auseinander lebt und nicht mehr zusammen findet. Warum kann man dann nicht, um der alten Zeiten Willen, ehrlich zueinander sein? Liegt es daran, dass eine Partnerschaft (meist) monogam ist, Freundschaften hingegen der Polygamie folgen?

    Polygamie ist ein gutes Stichwort. Ich halte es immer für besser, mehr als einen guten Freund zu haben. Es soll ja Paare geben die sich selbst genug sind und niemanden sonst in ihrem Leben brauchen. Paare, bei denen der Partner nicht nur der heiße Lakenwender, sondern auch der beste Freund, Shoppingpartner und der-gleiche-Hobby-haber ist. Aber ich persönlich finde das furchtbar. Mit wem soll man über seinen Partner reden, wenn man sonst keinen hat? Und wie lange kann man es mit nur einem Menschen aushalten? Die Vielfalt der Freunde, die verschiedenen Ansichten, Herkünfte und Hintergründe machen doch Freundschaft erst richtig spannend. Aber eben auch anstrengend. Nicht jeder Mensch den man gern hat ist automatisch auch ein enger Vertrauter. Deswegen weiß ich bei einigen meiner Freunde oft nicht woran ich bin und damit kann ich, ehrlich gesagt, nicht besonders gut umgehen. Ich möchte wissen welchen Stellenwert ich bei jemanden habe, der sich in meinem Herz eingenistet hat und ab und an möchte ich auch an diesen Stellenwert erinnert werden. Das ist sicher sehr egoistisch von mir, aber wenn man genauer darüber nachdenkt auch menschlich. Keiner wird gern in seinen Gefühlen verletzt und ich denke eine Freundschaft die zerbricht, hinterlässt oft schmerzhaftere Narben als eine gescheiterte Partnerschaft.

    Doch Egoismus hin oder her, man schenkt ja bekanntlich nicht um Geschenke zurück zubekommen, sondern um eine Freude zu machen und aus diesem Grund werde ich wohl auch weiterhin gern zeigen, wen ich in mein Herz geschlossen habe, auch wenn das Echo undeutlich erklingen mag oder es mir einfach nur zu leise ist. Manchmal eignet man sich über die Jahre merkwürdige Verhaltensweisen an, die es irgendwie schwerer machen mit der Welt und ihren gesellschaftlichen Konventionen klar zu kommen, aber vielleicht sind meine Verhaltensweisen auch nur ein Schutzmechanismus, der mich unbewusst davor warnen will die selben Fehler mehrmals zu begehen. Und am Ende nützt all das Jammern nicht, denn ohne Freundschaften, so schwer sie in all ihrer Komplexität manchmal auch zu sein scheinen, wäre das Leben doch überhaupt nichts wert.


  3. Corners Of My Mind

    Mai 6, 2011 by britpott

    Montag, 15.04 Uhr. Auf dem Weg von meiner Haustür zur Haltestelle überfällt mich eine bisher unbekannte Energie aus Selbstbewusstsein und Übermut. Ich hole mein Handy aus der Tasche und wähle seine Nummer. Es klingelt. Tuuut. Ich hole tief Luft. Tuuut. Was soll ich überhaupt sagen, wenn er tatsächlich abnimmt? Tuuut. Das Telefon rutscht mir fast aus der Hand, weil meine Hände schweißnass sind. Tuuut. Ich habe keine Ahnung, ob das überhaupt seine aktuelle Nummer ist. Tuuut. Seine Mailbox meldet sich. Ich lege auf, aber die Nummer stimmt schon mal, sehr gut. Eine Restportion Übermut packe ich mir noch für später ein, dann steige ich in meine Bahn.

    Eine Stunde später, versuche ich es erneut. Nach dem zweiten Klingeln geht er ran. “Wollen wir mal wieder einen Kaffee trinken gehen?”, höre ich mich fragen. “Klar, können wir machen” antwortet er. Daraufhin muss ich mich erstmal setzen. Meine Hände zittern und meine Beine fühlen sich an wie Wackelpudding. Aber ich lasse mir nichts anmerken und rede einfach locker weiter, als ob es ganz alltäglich wäre, dass ich ihn anrufe und Kaffee trinken will. Wir verabreden uns für Donnerstag, dann legt er auf. Und während mein Kopfradio die Rocky-Hymne abspielt, gehe ich in die Knie wie ein Fußballspieler der so eben das entscheidende Tor geschossen hat, reiße meine Arme hoch und rufe euphorisch “yyeeessss”! Satz, Punkt, Sieg, denke ich noch und dabei ist es mir völlig egal, dass die Leute auf der anderen Straßenseite schon komisch zu mir herüber schauen.

    Und dann ist Donnerstag. Die Nacht vorher habe ich schlecht geschlafen und tagsüber konnte ich vor Nervosität kaum etwas essen. Auf dem Weg zum Treffpunkt verpasse ich erstmal meine Bahn und komme auch direkt zu spät, obwohl das überhaupt nicht meine Art ist. Auf den letzten Metern fangen meine Beine wieder an zu zittern und meine Hände werden nass. Ich denke mir, cool bleiben Puppe, denn cool bleiben kannst du echt gut. Und dann sehe ich ihn. Schon von weitem habe ich ihn erkannt, denn ich würde ihn immer und überall sofort wieder erkennen, egal wie viel Zeit vergangen ist. Während wir uns in ein Café setzen, normalisiert sich dann auch mein Puls langsam wieder und wir fangen an zu reden. Über dies und das, Job, Familie, Beziehungen, Musik. Und es fühlt sich wirklich gut an. Irgendwie vertraut, obwohl das eigentlich Unsinn ist, denn wir haben seit fast sechs Jahren nicht mehr wirklich miteinander geredet. Noch vor ein paar Wochen habe ich mich völlig zerrissen gefühlt und er war einer der Gründe dafür und nun saß ich ihm gegenüber. Nie hätte ich gedacht, dass ich ihn einfach anrufen und treffen kann.  Also, denke ich, jetzt oder nie, trau dich, deswegen bist du doch hier und dann fange ich an zu erzählen.

    “Ich habe einen Blog im Internet”, sage ich. “Ich schreibe über persönliche Dinge und am Anfang habe ich über Musik gebloggt. Über Lieblingssongs aus Filmen, meiner Kindeit oder einen bestimmten Genre und so. An einem Tag im Januar hatte ich das Thema Ein Song der dich an eine bestimmte Person erinnert. Ich habe dir diesen Artikel mitgebracht und möchte, dass du ihn liest. Jetzt.” Er sieht ein wenig irritiert, aber neugierig aus. Ich gebe ihm zwei Seiten Papier, die ich für ihn ausgedruckt habe und er beginnt zu lesen. Seine Miene lässt keinen seiner Gedankengänge erahnen und ich kann nicht länger hinschauen. Daraufhin beginnt mein Magen mit Überschallgeschwindigkeit Achterbahn zu fahren und mir wird furchtbar schlecht. Ich bin mir nicht sicher ob ich gleich brechen oder einfach in Ohnmacht fallen muss, aber ich hoffe inständig auf letzteres, weil das nur halb so peinlich wäre. Doch dann denke ich, wenn du jetzt umkippst, dann wird er nicht zu Ende lesen können, also reiß dich zusammen und bei diesem Gedanken muss ich sogar ein wenig Lächeln. Und dann, nach gefühlt unendlich vielen Minuten, schaut er auf.

    Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung mehr, was er genau gesagt hat. Ich glaube etwas wie “Das ist wirklich gut geschrieben” oder “Ein echt schöner Text”. Ich bin nur froh, dass er noch immer da sitzt und nicht einfach aufgestanden und gegangen ist. Er sieht ein bißchen gerührt aus, aber vielleicht bilde ich mir das im Nachhinein auch nur ein. Und dann sagt er: “Ich fühle mich geehrt, dass mir so eine große Rolle zu Teil wird”. Oder hat er statt “Rolle” “Ehre” gesagt? Mist. Ich kann mich wirklich nicht mehr erinnern. Statt dessen packe ich die Mädchen-Klischee-Kiste aus und fange an zu weinen. Ich bin einfach nur so erleichtert endlich alles “gesagt” zu haben, was mir seit Jahren auf dem Herzen liegt, dass ich die Tränen nicht zurückhalten kann. Typisch, unnötig, peinlich, aber egal. Ich habe ihn so sehr vermisst und hatte Angst, dass es wieder nur zum Small Talk kommt oder schlimmer noch, er mir erklärt, dass ich ihn in Ruhe lassen soll und er mich ohnehin total doof findet. Irgendwie ist das ziemlich lächerlich und von weitem betrachtet halte ich mich auch für ein bißchen bescheuert, aber das ist ok. Als er mich dann noch fragt, ob er den Artikel behalten darf,  freue ich mich und bin auch ein bißchen stolz, dass er ihm anscheinend gut gefallen hat.

    Es war schon ganz schön fies von mir, ihn einfach mit meiner Sicht der Dinge zu überrumpeln, aber ich musste unbedingt wissen, ob es für ihn und mich überhaupt noch eine Chance auf so etwas wie Freundschaft gibt. Ich weiß, man kann eine zerstörte Freundschaft nicht einfach wieder zusammenkleben, als wäre sie nur eine kaputte Vase, aber vielleicht kann man sich eine neue Basis schaffen?! Das fände ich wirklich schön, auch wenn ich nicht weiß, was genau er darüber denkt. Doch als wir uns nach zwei Stunden verabschieden, wollen wir uns auf jeden Fall wieder treffen oder, wenn die Zeit dafür zu knapp ist, telefonieren. Und das ist mehr, als ich mir bisher erhofft hatte.


  4. Zerrissen

    April 4, 2011 by britpott

    Das Beste an der Vergangenheit ist, dass sie bereits vergangen ist. Aber was passiert, wenn die Vergangenheit nicht bereit ist loszulassen? Was ist, wenn dich die Vergangenheit immer wieder einholt, auch wenn du glaubst sie längst verarbeitet zu haben? Wenn sie so zäh an dir klebt, wie Kaugummi an einer Schuhsohle und dich unnachgiebig in deinen Träumen verfolgt, Nacht für Nacht? Dann liegst du stundenlang in der Dunkelheit wach und führst in deinem Kopf lange Monologe mit den Menschen aus deiner Vergangenheit.  Du sagst ihnen all die Dinge, die du ihnen bisher nicht sagen konntest und fragst sie alles, was du noch immer nicht verstanden hast. Vielleicht ist das auch der Grund warum sie dich verfolgen, weil du ihre Antworten nicht hören kannst.

    Im Laufe der Jahre kommen und gehen viele Menschen durch dein Leben. Einige wenige überstehen die Zeit und andere hinterlassen beim Abschied tiefe Narben. An manchen Narben bist du selber Schuld, bei manchen Narben warst du einfach zur falschen Zeit am falschen Ort und nicht alle Narben sind auf negative Erlebnisse zurück zu führen. Und obwohl diese Vergangenheitsmenschen weiterziehen und irgendwann einfach ganz verschwinden, bleiben ihre Spuren für alle Zeit gut lesbar zurück. Irgendwann beginnst du dann damit, dir deine Fragen selber zu beantworten, um vergangene Ereignisse besser zu verstehen. Aber im Grunde hast du keine Ahnung, bis zu dem Tag an dem du die Möglichkeit bekommst, jene Menschen wieder zu treffen und mit ihnen zu reden.

    Aber so einfach ist es am Ende meist doch nicht. Wie hoch ist schon die Wahrscheinlichkeit einen dieser Menschen wieder zu treffen? Und selbst wenn du eine aktuelle Telefonnummer herausfinden solltest, so verlässt dich doch der Mut, noch bevor du dein Telefon zur Hand genommen hast. Denn du weißt, du hast nur eine Chance. Nur einen Versuch um wieder einen Kontakt herzustellen. Und solltest du dich dennoch überwinden oder tatsächlich einen der für dich so wichtigen Vergangenheitsmenschen treffen, dann wollen sie wahrscheinlich gar nicht mit dir reden oder aber du redest mit ihnen und obwohl es sich für den Moment gut anfühlt bist du hinterher enttäuscht, weil ihre Antworten nur noch mehr Fragen aufgeworfen haben. Und dann liegst du nachts wieder in deinem Bett und die Vergangenheit macht sich ein Spaß daraus, aus den hintersten Ecken deines Gehirns immer und immer wieder diese Menschen hervor zu wühlen, die du so sorgsam in deinem Kopf versteckt hast, weil du die Narben und die Erinnerungen einfach nicht mehr ertragen kannst.

    Ich habe mich oft gefragt wie ich diesen Kreislauf durchbrechen kann, denn ganz offensichtlich habe ich meine Vergangenheit nicht sehr gut im Griff. Ich liebe meine Gegenwart, ich bin gespannt auf meine Zukunft, aber dennoch kann ich die Vergangenheit nicht ruhen lassen. Oder sie mich nicht? Ich weiß es nicht genau. Ich weiß nur, dass es eine handvoll Menschen gibt, die mich immer und immer wieder in meinen Träumen heimsuchen. Dann ist plötzlich alles wieder in Ordnung. Freundschaften sind gekittet, gebrochenes Vertrauen geheilt und über allem schwebt diese Unbeschwertheit, die man, wenn sie einmal verschwunden ist, niemals wieder so zusammen empfinden kann. Und dann wache ich mit diesem schalen Geschmack auf der mir signalisiert, dass diese handvoll Menschen, die unterwegs verloren gegangen sind, noch immer genau das sind – verloren. Weg. Unerreichbar. Dann ist es völlig egal wie schön die Gegenwart ist oder die Zukunft werden wird, dann ist da einfach nur diese tiefe Traurigkeit in mir und das Gefühl, falsche Entscheidungen getroffen, zu wenig gekämpft und zu viel verdrängt zu haben. Und dann liege ich in der folgenden Nacht wieder wach, führe Monologe ohne Antworten und frage mich, ob ich es irgendwann aus diesem Teufelskreis schaffen werde.

    Doch statt mich um meinen Schlaf zu bringen, möchte ich lieber das Telefon zu Hand nehmen und die Probleme und Missverständnisse aus der Vergangenheit klären. Oder, wenn es angebracht ist, möchte ich mich für meine Fehler entschuldigen, ihnen sagen, dass ich unreif und kindisch war aber, dass ich es damals einfach nicht besser wusste. Ich möchte ihnen sagen, dass es mir leid tut und, dass sie mir fehlen. Denn egal wie oft und lange ich wach liege, egal wieviele Narben ich mit mir herum trage, eines kann ich nicht, nämlich es bereuen, dass ich diese Menschen getroffen und in mein Leben gelassen habe. Nein, ganz im Gegenteil. Ich möchte sie wieder zurück in meinem Leben. Oder wenigstens die Möglichkeit haben, jederzeit mit ihnen zu reden, wenn mir danach ist und feststellen zu können, dass es ihnen gut geht. Denn auch wenn ich mir tagsüber viel Mühe gebe mich nicht in Erinnerungen zu verlieren, nachts habe ich darüber keine Kontrolle mehr und dann wird mir wieder schmerzlich bewusst, wieviel mir diese Menschen aus meiner Vergangenheit noch immer bedeuten. Auch wenn ich bis dahin vielleicht geglaubt hatte, dass ich längst über sie hinweg bin.

    Auch wenn sie davon keine Ahnung haben.


  5. Indiskret

    April 3, 2011 by britpott

    Ich habe letzte Woche von dir geträumt. Von uns. Wir waren wieder Freunde und es fühlte sich wirklich gut und richtig an. Doch dann bin ich aufgewacht und dieser Traum ließ mich einfach nicht mehr los. Also bin ich zu deiner Wohnung gefahren, nur um dann festzustellen, dass du umgezogen bist. Ich habe ein bißchen herum telefoniert um heraus zufinden, wo du jetzt wohnst und bin dann zu deiner neuen Adresse gefahren, doch du warst nicht da. Vielleicht sollte es nicht sein. Vielleicht war es auch gut so. Was hätte ich dir auch sagen sollen? Ich weiß ja noch  nicht einmal warum wir nicht mehr mit einander reden.

    Dass deine Schwester in den selben Jungen verliebt war wie ich, das wusste ich nicht. Und als es irgendwann heraus kam war es schon zu spät, denn wir wollten beide mit ihm zusammen sein und Keine wollte nachgeben. Am Ende hat er sich für sie entschieden, also warum hasst sie mich noch immer? Ich habe niemals etwas getan, dass die Beiden trennen würde und dennoch redet auch er nicht mehr mit mir. Irgendetwas ist da schief gelaufen und obwohl sie deine Schwester und er dein bester Freund ist, haben wir zwei da irgendwie drüber gestanden.

    Du warst einer der wenigen Menschen mit dem ich ehrlich reden konnte, ohne verurteilt zu werden. Das mochte ich so an dir. Du hattest immer eine helfende Hand, wenn ich sie dringend brauchte, hast keine Fragen gestellt, wenn ich sie nicht beantworten wollte und warst für jeden Spaß zu haben. Ich vermisse das alles sehr. Ich vermisse es auch mit dir und ihm auf dem Hof zu sitzen, ein Bier zu trinken und über Gott und die Welt zu philosophieren. Früher haben wir das häufig gemacht, spontan und völlig ungeplant, heute ist es leider nur noch eine schöne Erinnerung.

    Also was ist passiert? Eines Tages hast du dich einfach nicht mehr bei mir gemeldet und ich weiß nicht, ob es an mir lag, an ihr, an ihm oder an etwas völlig anderem? Ich habe überlegt, ob ich noch einmal bei dir vorbei fahren sollte, aber mittlerweile hat mich der Mut verlassen. Je länger ich darüber nachdenke, desto unsicherer bin ich mir, wie du wohl reagieren würdest, wenn ich einfach vor deiner Tür stände.

    Doch falls du eines Tages von mir träumen solltest, dann weißt du ja wo meine Tür ist. Du fehlst mir.


  6. You´ve Got A Friend

    Dezember 31, 2010 by britpott

    In diesem Jahr habe ich einiges über Freundschaft gelernt. Es ist schwer neue Freunde zu finden. Doch noch schwerer ist es, sich von alten Freunden zu trennen. Selbst dann, wenn man endlich begriffen hat, dass diese sogenannten “Freunde” einem nicht gut tun. Ich habe fast 15 Jahre gebraucht um zu verstehen, dass ich kein schlechterer Mensch als meine “Freunde”, sondern einfach nur anders bin als sie.

    Diese Erkenntnis hat mich viel Kraft gekostet und so habe ich es erst dieses Jahr geschafft den Kontakt zu eben diesen “Freunden” abzubrechen. Zu oft habe ich mir ihre Kritik zu Herzen genommen, obwohl sie nicht gerechtfertigt war. Zu oft habe ich ihretwegen an mir gezweifelt und mich gefragt, was ich nun wieder falsch gemacht habe. Zu oft habe ich versucht ein ehrliches Gespräch zu führen und wurde mit Sätzen wie Nimm dich selber nicht so wichtig oder Du bist eben einfach anders als wir abgespeist. Das verstehe ich nicht unter Freundschaft.

    In einer Freundschaft sollte man die Freiheit haben, sagen zu dürfen was man denkt. Man sollte auf die Loyalität und Unterstützung seiner Freunde in schweren Zeiten bauen können. Und man sollte das Privileg haben, mit ihnen in guten Zeiten feiern und in schlechten kämpfen zu können. Alles das konnte ich mit meinen “Freunden” schon lange nicht mehr. Vielleicht noch nie, das kann ich heute nicht mehr objektiv beurteilen. In jedem Fall hat mir das letzte Jahr endlich die Augen über diese Freundschaften geöffnet. Anfangs war ich mir nicht sicher, ob meine Entscheidung den Kontakt abzubrechen die richtige ist, aber die Reaktionen meiner “Freunde” auf meinen Kontaktabbruch haben mich in meinem Entschluss bestärkt. Und obwohl es immer weh tut wenn Menschen, die mich so lange begleitet haben, aus meinem Leben gehen, war diese Entscheidung längst überfällig. Und jeder kennt ja das schöne Sprichwort: Wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.

    Und in der anderen Tür standen plötzlich neue Menschen. Ein paar kannte ich von früher, die anderen lernte ich neu kennen. Und endlich habe ich das Gefühl, sagen zu dürfen was ich denke ohne Angst haben zu müssen, dass ich nicht ernst genommen werde oder aus versehen einen Streit provoziere. Endlich darf ich meine Meinung sagen und bekomme auch ehrliche, konstruktive Antworten statt Höflichkeitslügen, überforderten Blicken oder Schweigen. Und wenn ich mal wieder eine neue “Schnapsidee” auspacke, dann rollt keiner mehr mit den Augen sondern fragt mich, wie er mir dabei helfen kann.

    Zwar soll man in der Gegenwart leben anstatt in der Vergangenheit zu hängen, aber manchmal wünsche ich mir ich könnte wenigstens ein paar Jahre zurückgewinnen und diese Zeit mit den richtigen Freunden verbringen. Vielleicht hätte ich mich dann weniger allein gefühlt und sicher hätte ich von ihnen die Unterstützung bekommen, die mir so oft gefehlt hat.

    Doch zurück zur Gegenwart. Die Menschen die uns etwas bedeuten, denen wir vertrauen und deren Freundschaft wir wirklich schätzen, denen sagen wir viel zu selten, was sie uns bedeuten. Und auch die Menschen die erst neu in unserem Leben sind, aber bei denen man einfach merkt wie gut sie einem tun, auch diesen Menschen zeigt man viel zu selten, wie sehr man sie schätzt. Und ich hoffe, dass ich meine Wertschätzung im neuen Jahr genau diesen Menschen öfter zeigen kann und werde.