Vorschulschokofrösche

Es gibt keine Zufälle. Und so kommt es, dass heute der 01. September ist. Der Tag, an dem jedes Jahr pünktlich um 12:00 Uhr, ab Bahnhof King’s Cross, der Hogwarts Express seine Reise zur gleichnamigen Schule für Hexerei und Zauberei startet. Der 01. September markiert damit den ersten Schultag und ist stets der Auftakt für ein neues, spannendes Schuljahr.

Und weil es eben keine Zufälle gibt, betrete ich kurz nach halb 12 den Bahnsteig die uns zugeteilte Grundschule, um meinen kleinen Small für das kommende Schuljahr anzumelden. Es ist unfassbar, wie schnell unsere bisherige gemeinsame Zeit vergangen ist und ich kann mir in etwa vorstellen, wie schnell sein letztes Kindergartenjahr an uns vorüber flitzen wird. Denn obwohl ich ihn gerade erst für die Schule angemeldet habe und uns noch knapp elf Monate bis zum Schulanfang bleiben, stapeln sich bereits jetzt Termine und Pflichten, die es bis dahin zu erfüllen gilt. Im krassen Gegensatz dazu, ist dieser (für die Eltern sehr historische) Schritt ziemlich nüchtern und unspektakulär gehalten. Genau wie bei der Anmeldung zur Hochzeit auf dem Standesamt:  „Machen Sie mal hier ein Kreuz, dort ein Haken und da noch eine Unterschrift.“ Fertig. Da „tröstet“ es auch nicht, dass auf dem Informationsbrief für Eltern in fröhlich-fetten Buchstaben steht: „Endlich ist es soweit, ihr Sohn kommt in die Schule!“ Fehlt bloß noch, dass Konfetti aus dem Briefumschlag fällt.

Doch damit nicht genug. So ein Schulanfang reibt den armen Eltern ungewollt mehr als deutlich unter die Nase, dass das Kind unaufhaltsam größer wird und seine eigenen Wege gehen will. Ich dagegen fühle mich noch nicht (wieder) bereit für die Schule. Kindergarten ist easy, übersichtlich und macht uns allen Spaß, aber Schule? Da geht es nur noch um Hausaufgaben, Lernen und diesen einen Lehrer/Fach/Mitschüler, mit dem man überhaupt nicht klar kommt. Das ist kein Zuckerschlecken. Und immer muss man als Eltern immer den Schein waren und seinem Kind vermitteln, dass Schule ganz toll ist und einen auf das Leben vorbereitet, obwohl man es besser weiß. Und überhaupt, mein Kleiner ist doch noch so small. Schnief.

Doch es nützt alles nichts. Nun sind wir drin, im großen Hamsterrad namens Schule und es wird sich ewig drehen, bis wir hoffentlich ein Abitur in unsere Tasche stecken können. Auf diesen Schock diese Erkenntnis hin gönne ich mir, zur Feier des Tages, meinen letzten Schokofrosch (aus London) und kann beim Essen beinahe das Schnauben der Dampflok hören, die soeben King’s Cross verlässt und damit unser letztes schulfreies Jahr einläutet.

sfhp


Sozialstudie Ostereiersuche – Ellenbogen vorraus

Es ist geschafft: Die Osterfeiertage sind vorbei! Es war nicht so schlimm wie erwartet und gleichzeitig schlimmer als vorhergesehen. Das ist es, was ich das Feiertagssyndrom nenne.
Viele Menschen mit (mehr oder weniger hohen) Erwartungen treffen aufeinander und gestalten sich die paar Tage, die sie zusammen verbringen (wollen/müssen/können/dürfen), so nervig wie möglich. So oder so ähnlich. Aber das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen, sondern von meinem zweifelhaften Vergnügen, an einer öffentlichen Ostereiersuche für Kinder teilgenommen zu haben.
Was sich da wieder für Welten aufgetan haben, unglaublich.

Ich befinde mich mit Mini und Small in einem öffentlichen Park in Markkleeberg. Ein Stück Wiese wurde mittels Absperrband separiert und darauf Schokoeier im Gras verteilt. Der Veranstaltungsleiter kommt um die Suche zu eröffnen und alle Eltern machen ihre Kinder bereit zum Angriff.
Ich sage zu Mini und Small: „Jungs, zwei Hände, zwei Süßigkeiten für jeden, klar?“
„Warum nur zwei Sachen, Mama?“
„Du siehst doch die vielen anderen Kinder, die hier noch stehen und jeder möchte gern etwas einsammeln. Sonst gibt es am Ende vielleicht Kinder, die traurig sind, weil sie nichts mehr gefunden haben.“
„Und das wollen wir nicht, stimmt.“ (Das mit dem Teilen hat er schon gut raus :-D)
Hinter mir höre ich im selben Augenblick eine Vater seinen etwa 6-jährigen Sohn instruieren: „… und wenn es losgeht, dann rennst du auf die Wiese und sammelst alles ein, was du finden kannst. Notfalls machst du dir mit den Ellenbogen Platz…“ Und dann drückt er ihm noch eine Plastiktüte in die Hand.

Und noch bevor das Absperrband offiziell fällt, rennen etwa 100 Kinder schreiend auf die Wiese und stürzen sich wie ausgehungerte Hyänen auf die bunten Schokoeier im Gras.

image
(Das war schon fast am Ende der Suche, vorher war ich zu geschockt um abzudrücken.. Oo)

Ich schnappe mir Mini und laufe ebenfalls auf die Wiese, damit er überhaupt eine Chance hat. Irgendwie schaffen wir es uns jeder zwei Eier zu schnappen und retten uns dann wieder an den Rand der Wiese. Small hat mit seiner Omi ebenfalls zwei Eier einsammeln können. Während die Jungs glücklich ihre Schokolade mümpfeln, geht es auf der Wiese zunehmend aggressiver zu. Die größeren Kinder schubsen sich gegenseitig zur Seite und einige der Eltern feuern ihre Kinder dabei lautstark an.
Nach etwa 15 Minuten ist das ganze Spektakel vorbei und der 6-jährige von oben hält seinen prall gefüllten Beutel grinsend in die Kamera. Er könnte damit locker zwei komplette Schulklassen glücklich machen, aber er wird sie wohl allein essen, wie es mir scheint. Es ist ja nicht so, als ob man Schokolade auch einfach in der Kaufhalle kaufen könnte, selbst wenn man dafür bezahlen müsste. Der Rasen ist jedenfalls leergesucht und während manche Kinder glücklich ihre kleinen selbstgebastelten Papierkörbchen vor sich her tragen, in denen sich eine handvoll Schokoeier befindet, tragen andere Kinder beutelweise Schokolade zu ihren Eltern, die so stolz aussehen, als hätte ihr Kind so eben eine Medaille von Darwin persönlich erhalten. Und das machte mir wirklich Angst. Diese Kinder können nichts dafür, aber sie werden es auch nicht besser lernen.

Mini und Small haben davon zum Glück nichts (und auch keinen Ellenbogen) mitbekommen. Ich hätte auch nur schwer gewusst, wie ich ihnen diese Unterschiede erklären sollte.


Heute auf dem Speiseplan: Der Nachtisch

hh schrieb über meinen letzten Blogpost: „Schon theatralisch… aber jetzt will man ja wissen: was macht britpott 2014?“

Die letzten drei Monate habe ich damit verbracht darüber nachzudenken: Wie es hier weiter gehen soll und wo genau noch immer das Problem meiner Schreibblockade liegt. Ein paar Gedanken konnte ich sogar einfangen und zu der Liste von Dezember addieren.

Also warum habe ich (schon wieder) so lange (schon wieder) nichts geschrieben?

Häufig schreibe ich darüber, was ich fühle und denke und wenn ich meine Beiträge dann Wochen oder Monate später noch einmal lese, frage ich mich oft: So ein Quatsch, warum hast du das geschrieben? Das empfindest du doch gar nicht so! (Ja, häufig spreche ich mich auch in der wirren dritten Person an.) Jedenfalls bin ich dann vielfach gewillt, die betroffenen Artikel einfach zu löschen (was auch die schwindende Artikelanzahl erklärt..).

Ich musste erstmal lernen, dass die Empfindungen die ich habe, auch wenn sie sich wandeln (was wiederholt mit ausreichendem oder mangelndem Schlaf in Verbindung steht), dass diese Gefühle trotzdem gut sind. Denn es ist wichtig sich auch im Nachhinein an negative Gefühle und damit verbundene Situationen erinnern zu können, um überhaupt zu merken, dass sich a) etwas gebessert, verändert hat und man gar nicht so sehr auf der Stelle getreten ist, wie man es geglaubt hat und b) um zu lernen, dass auch Gefühle verschwinden, sich ändern und dass man einer Sache nicht immer gleich gegenüber stehen kann. Ich meine, Kinder werden größer, man selber wird älter und vielleicht hat man auf einmal auch wieder etwas mehr Zeit für sich und seine Gedanken. Wenn man später zurück blickt und etwas liest, von dem man weiß, dass es eine schwere Zeit war, man es aber geschafft hat weiter zu gehen und die Situation heute ganz anders sieht, dann gibt das vielleicht auch jemand anderem die nötige Kraft wirklich daran zu glauben, dass viele Dinge im Leben nur eine Phase sind. Ganz gleich ob es dabei um Liebeskummer, Trennungsschmerz, Sinnkrisen, Jobwechsel oder etwas völlig anderes geht.

Auch bin ich gerade dabei zu lernen, mir nicht zu viele Gedanken darüber zu machen, wie meine Blogposts beim Leser wohl ankommen. Was man darüber denken könnte, wie jemand anderes es wohl empfindet, was ich schreibe. Letztendlich schreibe ich die meisten Dinge doch nur für mich auf und wenn es jemand liest und gut findet, schön. Und wenn ich jemand motivieren, erreichen oder positiv beeinflussen kann, noch schöner. Aber wenn nicht, dann habe ich wenigstens ein Tagebuch, dass mich daran erinnert wie ich mal war, wie ich mich verändere und wie sich mein Leben wandelt. Und was gibt es spannenderes als das Leben dabei zu beobachten, wie es sich verändert.

Genug erklärt, ausreichend gerechtfertigt. Jetzt gehe ich einfach weiter.
Getreu dem Motto: yeah, but I was like, I don’t really care


Heute auf dem Speiseplan: Hirnsuppe à la britpott

Am Anfang des Jahres hatte ich mir fest vorgenommen, jede Woche mindestens einen Blogpost zu schreiben. Ein Unterfangen, welches mir nicht im Ansatz gelungen ist und worüber ich wirklich traurig bin. Das Schreiben hat mir schon sehr gefehlt. Ich fand, dass dieses Jahr noch schneller vorüber ging, als ich es von anderen Jahren gewohnt bin. Für mich ist in diesem Jahr viel passiert und ich hatte zahlreiche Möglichkeiten um neue Eindrücke und Impulse zu sammeln. Bei vielen Dingen die ich erlebt habe dachte ich mir im Nachhinein, dass ich darüber unbedingt etwas schreiben müsste, doch genau so oft dachte ich auch, dass ich es letztendlich doch nicht publizieren würde, weil sich mit Sicherheit irgendwer beim Lesen auf den sprichwörtlichen Schlips getreten fühlt. Meist fängt es schon bei kleinen Dingen an, das beste Beispiel dafür ist Facebook. Man postet einen Status, weil man gerade etwas angefressen ist und sich Luft machen will und erstaunlicherweise fühlen sich 75% der Freunde davon persönlich angesprochen, obwohl keiner von ihnen gemeint ist. Ich stelle mir die Auswirkungen vor, die ein Blogpost mit kritischem Inhalt hätte. Das ist der Nachteil, wenn man zu viel persönliche Erlebnisse und Gedanken in seinen Blog packen möchte. Ich finde es schwierig Dinge zu beschreiben, die man denkt und Wahrheiten auszusprechen, die man fühlt, ohne dabei jemandem auf die Füße zu treten. Aus diesem Grund sind viele Blogpostgedanken einfach auf der Strecke geblieben. Ich möchte niemandem auf die Füße treten aber ich weiß, dass meine Meinung manchmal hart erscheint und ich weiß auch, wie sehr Worte verletzten können. Umso mehr, wenn sich die falschen Leute davon angesprochen fühlen. Und noch weniger als jemanden zu verletzen, möchte ich mich jedes Mal für meine Meinung rechtfertigen müssen. Wie anstrengend. Dabei suche ich doch nur ein nettes Plätzchen, an dem ich meinen Gedankenmüll gefahrlos abladen kann. Also eigentlich ganz harmlos. Und so kam es, dass ich am Ende meine Gedanken in diesem Jahr lieber für mich behalten habe. Eine Alternative, Menschen und Erlebnisse so zu beschreiben und reflektieren, dass sich bestenfalls keiner angesprochen fühlt den ich kenne, habe ich nämlich bisher noch nicht gefunden.

Es geht mir nämlich nicht darum diese Dinge, über die ich mir Gedanken mache, zu ändern. Ich habe es mir nicht zur Aufgaben gemacht irgendwen zu missionieren. Doch es gibt eben Gedanken, die mich beschäftigen und um sie, sagen wir mal, zu verarbeiten und los zu werden, müssen sie aus meinem Kopf raus. Und warum schreibe ich dann nicht ein hübsches, geheimes Tagebuch und verstecke es nach dem Eintragen unter meinem Kopfkissen? Weil ich dann weiß, dass meine Gedanken nur ich kenne und das befriedigt das Gedankenkarussell leider überhaupt nicht. Ich habe es ausprobiert!

Vielleicht klingt es merkwürdig, aber der brittpott|blog war für mich der Anfang von etwas ganz neuem. Nachdem ich ein Kind bekommen hatte, war dieser Blog das Erste was ich wieder nur für mich gemacht habe. Es war das erste Mal, dass ich etwas getan habe, bei dem es nur um mich ging. Bei dem ich nicht Mama war. Wer selber Kinder hat wird verstehen was ich meine. Wenn man ein Kind bekommt gibt es viele Momente, in denen man sich denkt: Nun bin ich Mutter, habe ein Kind, trage Verantwortung, aber bin ich das wirklich? Kann ich das alles leisten? Wer bin ich eigentlich noch? Und was mache ich hier überhaupt? Als ich vor 3 Jahren anfing unter dem Alias „britpott“ zu schreiben, war das das erste Mal, dass ich mich intensiv damit auseinander gesetzt habe, welche Fähigkeiten und Interessen mir liegen. Ich wollte nicht einfach nur einen standardisierten Blog im Internet, auf dem ich sinn- und herzloses Zeug schrieb, sondern habe mir immer viele Gedanken über meine geschriebenen Worte, aber auch um Dinge wie Design und Layout gemacht. Dank meiner vielen Extrawünsche bot es sich außerdem an, im selben Atemzug auch meine Fähigkeiten (sagen wir mal zusammengefasst) am Computer, außerordentlich zu verbessern. Für eine Mama, die unwissentlich in eine Sinnkrise gerutsct war und nicht wusste was und wohin sie wollte, gar nicht mal so schlecht. Mein Blog stand dabei also nur am Anfang einer langen Kette von Veränderungen und Möglichkeiten.

Lange Rede, kurzer Sinn. Ich möchte nochmal betonen, dass es mir wirklich weh tat dieses Jahr (fast) gar nichts geschrieben zu haben. Manch einer wird sich denken, warum ich mich so anstelle, ist doch nur ein oller Blog, doch für mich hat er eben einen sehr ideellen Wert. Er repräsentiert einen Prozess, der sich unbewusst in meinem Leben abgespielt hat und es noch immer tut. Er steht für die Möglichkeiten, die ich habe und erinnert mich an die Fähigkeiten, die ich mir bereits aneignen oder ausbauen konnte. Anfangs haben nur wenige Leute meinen Blog regelmäßig gelesen, später wurden es mehr und irgendwann fingen meine Leser sogar an mir davon zu erzählen, wenn sie einen Blogpost gelesen hatten und ihn richtig gut fanden. Was will man mehr! Vielleicht klingt es blöd, aber wenn man sein erstes Kind bekommt, fühlt man sich eine Weile von der Außenwelt abgeschnitten, vor allem wenn die meisten Freunde noch keine Kinder haben. Man hat kaum gemeinsame Themen oder auch nur Zeit um sich zu treffen und muss sich erst wieder eine gemeinsame Grundlage schaffen und sehen, wie man sich mit den neuen Bedingungen im Freundeskreis positioniert. Und vor allem muss man für sich selber herausfinden, wie man mit der neuen Lebenssituation umgeht. Es gibt kein Handbuch darüber, wie du dich fühlen wirst, wenn du ein Kind bekommst, du weißt es erst wenn es soweit ist. Ich habe vorher nicht gewusst wie ich mich fühlen und was ich denken werde und auch symbolisch für diese Zeit steht der britpott|blog. Wenn es Zeiten gab, in denen ich überhaupt keine Lust / Energie / etc. hatte, um die Dinge zu tun, die ich tun musste, in Zeiten, in denen ich daran zweifelte, ob ich mich richtig entschieden hatte, Zeiten in denen ich mich fragte, ob es jemals wieder anders werden würde, wenn ich nicht mehr wusste, ob ich auch nur einen Schritt weiter gehen kann, dann habe ich das alles für eine kurze Zeit von mir geschoben und stattdessen an diesem Blog gearbeitet.

Vielleicht wirkt mein Blogpost heute etwas theatralisch, aber ich wollte unbedingt erklären, warum mein Herzblut an diesem Blog hängt und warum es mir so wichtig ist, den gequirlten Mist aus meinem Kopf in das große, weite Netz zu schütten. So ein Kopf ist ein verdammt kleiner Ort, wenn man so viele Gedanken gesammelt hat wie ich. Ich weiß nicht ob ich es nächstes Jahr besser hinbekomme. Aber ich werde mein Bestes geben und sollte ich scheitern, wird mir vermutlich eines Tages, ohne Vorwarnung, der Kopf platzen.


Vom Luxus der Selbstbestimmung

Soweit ich zurück denken kann war ich die meiste Zeit mit mir allein. Meine Eltern waren viel unterwegs und später auch getrennt, ich bin früh zu Hause ausgezogen und habe lange allein gewohnt. Ich kannte es nicht anders und fand es so immer völlig normal. Allein sein war für mich weder Strafe noch überhaupt ein negatives Erlebnis. Ich habe es geliebt nach Hause zu kommen, die Tür zu schließen und die Welt einfach aussperren zu können. Es hat mir nicht immer gut getan, denn manchmal sollte man einfach nicht allein sein, aber es hat mich auf jeden Fall gelehrt mich allein mit meinen Problemen zu beschäftigen, statt sie zu ignorieren oder sie von jemand anderem lösen zu lassen. Allein sein hat mich stark gemacht. Ich kann die Menschen nicht verstehen die nicht allein sein können, wovor haben sie Angst?

Gewiss könnte man jetzt denken, dass ich dadurch zum Einsiedler wurde, doch im Gegenteil. Ich liebe es Menschen um mich zu haben, ich gehe auf Leute zu die mich interessieren und knüpfe schnell neue Kontakte. Doch das alles funktioniert nur wenn ich zwischendurch auch immer wieder genug Zeit für mich und mit mir allein habe. Doch dann kommt der Tag an dem man sich hoffnungslos verliebt und aus dieser Liebe werden dann gemeinsame Kinder. Ab diesem Tag ist man nie wieder allein. Man trägt die Verantwortung für ein Leben das nicht sein Eigenes ist und trotzdem so viel mehr wert. Man beginnt die Dinge anders zu sehen, denn Kinder verändern einen, das ist unumstritten. Dennoch ist man bereits eine fertige Persönlichkeit bevor man Kinder in die Welt setzt. Man hat Wertvorstellungen, Launen, Angewohnheiten, Eigenarten und charakterliche Eigenschaften, die einen als Mensch ausmachen und das eigene Denken und Handeln stetig beeinflussen. Und selbstverständlich sind diese Eigenschaften nicht immer nur positiv. Jeder Mensch ist wie er ist und selbst wenn man bereit ist einiges davon aufzugeben oder sich abzugewöhnen, kann man nicht die Dinge abstellen die den eigenen Charakter wirklich ausmachen. Das wäre so, als würde man einen Teil von sich selbst verleugnen, nur weil er nicht so hell strahlt wie der Rest. Immerhin rede ich hier nicht von einer schlechten Eigenschaft wie an den Fingernägeln kauen oder zu häufigem fluchen, ich rede von Eigenschaften die die Persönlichkeit ausmachen. In meinem Fall rede ich von dem Bedürfnis nach Selbstbestimmung. Mir wurde diese Eigenschaft häufiger als Egoismus vorgeworfen, aber ich bin kein Egoist. Ich bin lediglich gut darin auf mich selbst aufzupassen und lasse mir nicht von dem Geschwätz der Leute meine Meinung bestimmen. Manchen Menschen ist dieser Charakterzug unangenehm, andere sind neidisch darauf. Und was der Mensch nicht haben kann oder nicht versteht, das verurteilt er ja prinzipiell.

Die Tatsache also, dass ich seit dem Tag der Geburt meiner Kinder nicht mehr selber bestimmen kann wie mein Tag/Woche/Monat/Leben abläuft, bringt mich bisweilen zur Verzweiflung. Plötzlich sind da diese kleinen Menschlein, die alles beeinflussen: wann ich schlafe, wann ich wach bin, wann (und oft auch was) ich esse, wann ich aus dem Haus komme, wann ich mich mit Freunden treffen kann oder wann ich Zeit habe um auch mal nichts zu tun. Um sich mit der totalen Fremdbestimmung besser zu fühlen, könnte man sich einreden noch immer die Kontrolle zu haben, aber letztendlich hat der Nachwuchs das Sagen. Das hat auch rein gar nichts mit antiautoritärer Erziehung oder ähnlichem zu tun. Es ist ein Fakt. Wenn dein Lieblingskind nicht schläft wirst du es auch nicht und das gilt nicht nur für das erste Jahr, wenn es noch ein Baby ist. Ist dir deine Verabredung auch noch so wichtig, wenn dein kleiner Liebling plötzlich krank wird, wirst du zu Hause bleiben und ihn pflegen. Wenn du das leckerste Essen überhaupt gekocht hast, aber dein Knirps gerade gar keine Lust hat am Tisch zu sitzen und zu essen, wirst auch du dein Essen nicht genießen können. So ist die Realität. Und nur wer schon mal versucht hat zu schlafen und dabei jede verdammte Stunde geweckt wurde (und das in sehr vielen Nächten nacheinander), der weiß den Luxus der Selbstbestimmung wirklich zu schätzen. Schlafen zu können wenn man müde ist, Essen zu dürfen wenn man Hunger hat und nicht immer alles stehen und liegen lassen zu müssen, wenn der kleine Liebling schlechte Laune hat, ist für eine Mami in den ersten paar Jahren von unbeschreiblichem Luxus.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden, ich liebe meine Kinder und ich liebe es Mama zu sein, aber es zeigt mir auch meine Grenzen auf. Ich bin zB. kein sehr geduldiger Mensch, wie auch, ich musste doch nie mit jemandem geduldig sein und bin es auch mit mir selber nicht. Es fällt mir auch schwer immer gebraucht zu werden. Natürlich ist es schön wenn man DIE Bezugsperson ist, aber manchmal wünscht man sich einfach mal nicht reagieren zu müssen, mal nicht gemeint zu sein, mal nicht gebraucht zu werden. Ich beanspruche regelmäßige Auszeiten ganz für mich allein. Zeit in der alles kann, nichts muss. Zeit in der ich einfach meinen Gedanken nachhängen und mich in meine eigene Welt zurück ziehen darf, ohne gestört zu werden. Zeit in der mich niemand braucht. Kommt diese Zeit zu kurz, fühlt sich mein Inneres an als hätten sich all meine Gedanken und Gefühle zu einem riesigen Knäuel verknotet, welches jederzeit explodieren kann. Niemals sonst bin ich so gereizt und mürrisch. Denn geht mir die Welt jetzt auf die Nerven, kann ich nicht mehr einfach die Tür schließen und das Problem mit mir selber klären.

Die Fremdbestimmung durch die eigenen Kinder gehört zum Eltern sein dazu, doch jeder kommt irgendwann an den Punkt an dem es auch mal zu viel wird. 24/7 Eltern sein? Das kann keiner leisten ohne sich kaputt zu machen. Ist einem der Luxus der Selbstbestimmung nämlich erstmal abhanden gekommen, fällt es vielen Eltern schwer damit umzugehen. Plötzlich wird einem bewusst wie wertvoll die eigene Zeit eigentlich ist. Und während man dann versucht jede Minute voll auszuschöpfen, durchlebt man hunderte von verschiedenen Gefühlen. Man redet sich ein entspannt zu sein, selbst wenn man diese Entspannung Wochen im Voraus planen muss. Man jammert und schimpft. Manchmal weint man vor Erschöpfung oder muss vor Wut laut aufschreien. Manchmal ist man so verzweifelt, dass man einfach alles hin schmeißen möchte. Dann liegt man nachts wach und wünscht sich an einen anderen Ort. Man wünscht sich einfach aufstehen und weggehen zu können. Sein Leben wieder ganz für sich allein zu haben. Für niemanden außer sich selbst Verantwortung zu tragen, sich vor niemandem außer sich selbst rechtfertigen zu müssen. Man schämt sich für seine Ungeduld, dafür sich schwach zu fühlen und für die vielen unschönen Gedanken, die im eigenen Kopf herumspuken. Man will weder Nähe noch Aufmerksamkeit spenden und hat es satt, ständig die Wünsche von jemand anderem zu erfüllen. Und Kinder wollen ja im Grunde immer irgendetwas. Ihre Wünsche steigen exponentiell mit ihrem Alter.

Doch kurz bevor man den Punkt erreicht, an dem man wirklich alles hinschmeißen würde, fädelt sich einer dieser kleinen vollkommenen Momente, so wunderschön wie eine Perle, auf die Schnurr des Lebens und plötzlich weiß man wieder warum sich jeder Tag lohnt. Man erinnert sich daran, warum man diesen Weg gegangen ist und warum man niemals woanders hingehen würde. Man versteht warum es mit Kindern oft auch anstrengend sein muss. Diese Momente gehören zur Prüfung des Lebens und lassen einen Menschen innerlich wachsen. Außerdem ist es doch oft schon wer genug mit sich selber auszukommen, wie kann man da erwarten, dass es, mit mehr Menschen auf die man Rücksicht nehmen muss, leichter werden kann? Und man versteht, dass man im Hier und Jetzt leben muss, denn diese Zeit mit seinen Kindern bekommt man nie wieder und man wird sie sich mit Sicherheit zurück sehnen, auch wenn man dies im Augenblick noch nicht glauben kann. Vielleicht sollte man sich das einfach häufiger vor Augen halten, wenn man mal wieder seiner Selbstbestimmung hinterher trauert. Sie kommt wieder. Versprochen.


Mutige Mütter

Es gibt in den unendlichen Weiten des Internets eine ganze Menge Blogs in denen Eltern darüber schreiben wie es ist Eltern zu sein. Mütter und Väter die aus ihrem Alltag erzählen und aus dem Nähkästchen plaudern. Ich lese diese Blogs oft mit einer Mischung aus Bewunderung und Abneigung. Bewunderung, wie jemand so ehrlich all seine privaten Gedanken über seine Kinder aufschreiben und veröffentlichen kann, ohne Angst davor falsch verstanden oder hart kritisiert zu werden. Abneigung, weil ich manchmal Dinge lese von denen ich denke, dass man so etwas nicht über seine Kinder denken sollte und wenn doch, es dann wenigstens nicht jedem erzählen muss. Oder?

Irgendwie stecken doch alle Mütter in diesem Teufelskreis fest, nach außen hin perfekt zu wirken oder zumindest so, als ob sie alles unter Kontrolle haben. Brauchen wir da nicht gerade mutige Mütter? Mütter die bereit sind zu erzählen wie es wirklich ist Mutter zu sein, um Denen, die da noch Mütter werden, Ängste und falsche Erwartungen zu nehmen. Und Denen, die auch Mütter sind zu zeigen, dass sie nicht allein sind. Um zu zeigen, dass Mütter auch nur Menschen sind. Und fehlbar. Oft reden nicht einmal Mütter untereinander darüber wovor sie Angst haben, was sie nervt, was nicht funktioniert oder warum sie auch mal verzweifelt sind. Aber in der Realität gibt es keine perfekte, immer entspannte Mutter, die 24/7 mit Begeisterung alle ihre Aufgaben (Haushalt, Kindererziehung, eventuell noch Karriere/Job) meistern kann.

Ich möchte kein „Mama-Blog“ sein, aber ich kann auch nicht abstreiten, dass sich viele meiner Gedanken darum drehen. Und wenn ich schon die Möglichkeit habe auf dieser Plattform – meinen Blog – meine Gedanken zu sammeln und zu ordnen, dann möchte ich in Abständen auch eine mutige Mami sein und einen Beitrag zur, sagen wir mal, „Aufklärung und Motivierung“ leisten. Denn ist es nicht so, dass wenn man sich schlecht fühlt und die Welt hinterfragt, man dann immer auch das Gefühl hat man wäre mit diesen Gedanken ganz allein auf der Welt? Ich jedenfalls denke das häufig. Und wenn es auch nur einem anderen Menschen da draußen so ähnlich geht wie mir und er durch meine Worte etwas Kraft schöpfen kann, dann lohnt sich für mich jedes einzelne Wort, dass ich schreibe.


Eine Viertel-Liebeserklärung

“Happy Birthday to you, Happy Birthday to you, Happy Birthday lieber leipzig-leben.de Blog, Happy Birthday to you!”

Zum 1-jährigen bestehen ihres Blogs leipzig-leben.de veranstaltet Adelina eine Blog-Parade in der sie die Leipziger Blogger fragt, welcher Ort in Leipzig denn unser Lieblingsort ist. Klar, dass ich dazu auch etwas schreiben wollte. (Vielen Dank für die Einladung Adelina! ♥)

Mein Lieblingsort in Leipzig ist gleich ein ganzer Stadtteil: Schleußig.

Ich liebe es die Könneritzstraße entlang zu laufen, denn hier ist immer etwas los. Oft hangele ich mich von Bäcker zu Bäcker und futtere mich durch deren Kuchenangebot. Ich liebe das Keks-Eis vom Eis an der Kö oder das Mango-Ingwer-Eis vom Bioeisladen Tonis. Ich liebe es, dass die gesamte Könneritzstraße immer voller Kinderlachen (und ab und zu auch voller Kinderschreie) ist. Manchmal spaziere ich nur hier entlang um die vielen Menschen bei Ihrem Treiben zu beobachten. Ich liebe es wenn die Schüler der International School Schulschluss haben und sich auf der Straße in ihren Heimatsprachen unterhalten.

2013-01-14_schleussig_01

Ich liebe die Auswahl an Imbissangeboten und die vielen kleinen individuellen Läden.

2013-01-14_schleussig_02

Ich liebe es, dass ich all die Geschäfte die ich im Alltag brauche schnell zu Fuß erreichen kann (Kaufhallen, Postamt, Sparkasse, Ärzte, etc.). Ich liebe es, dass ich drei Spielplätze zur Auswahl habe, die ich ebenfalls alle recht schnell zu Fuß erreichen kann. Ich liebe es, dass hier genug Busse und Bahnen fahren, wenn man doch mal etwas weiter wegfahren muss.

Und sollte mir das Gewimmel der Hauptstraße einmal auf die Nerven gehen, dann laufe ich nur eine Parallelstraße weiter und bin direkt im Clara-Zetkin-Park. Ich liebe den kleinen Parkweg, der an den Hinterhäusern der Könneritzstraße vorbei geht. Ich spaziere ihn oft entlang und staune immer wieder wie schön die Häuser saniert wurden und stelle mir vor, wer wohl hinter den liebevoll dekorierten Fenstern wohnt. Ich liebe es, dass die meisten Seitenstraßen schlecht gepflastert sind, denn dadurch sind die Autofahrer gezwungen langsam und vorsichtig zu fahren. Ich liebe die alten Fabrikgebäude, die hier vermehrt noch stehen und heute als Wohn- und Geschäftshäuser genutzt werden.

2013-01-14_schleussig_03

Einer der schönsten Plätze in Schleußig ist auf jeden Fall eine Mauer mit einem Fenster darin, durch das man auf den Kanal schauen kann. Die Wohnhäuser hinter der Mauer haben einen eigenen Zugang zum Wasser und so schwimmen in diesem Arm des Kanals viele kleine Ruderboote.

2013-01-14_schleussig_04

Auch die Entenbrücke, die Schleußig mit Plagwitz verbindet ist immer wieder ein Highlight, besonders nachmittags wenn sich hier Scharen von Kindern versammeln und gemeinsam Enten und Nutrias füttern.

2013-01-14_schleussig_05

Ich habe viele Jahre in Großzschocher, Knauthain und im Waldstraßenviertel gewohnt, aber niemals habe ich mich so dazugehörig, so wohl, wie in Schleußig gefühlt. Dabei war es nicht einfach hier her zu ziehen, da die Ansprüche der Vermieter an Mietinteressenten auffällig gestiegen sind. Doch nach zehn Monaten auf der Suche nach der „perfekten Wohnung“ sind wir endlich fündig geworden und angekommen. Die Menschen hier sind so freundlich, hilfsbereit und aufgeschlossen, dass wir uns sofort zu Hause gefühlt haben. Hier wir das Wort HausGEMEINSCHAFT wirklich gelebt, wie ich es noch nie irgendwo anders erlebt habe. Und da in Schleußig vor allem Familien und Studenten wohnen beschwert sich auch niemand über spielende und manchmal eben auch laute Kinder. Ich glaube, dass es als junge Familie keinen besseren Stadtteil in Leipzig zum leben gibt als Schleußig. Und mit diesem Gefühl scheine ich nicht allein zu sein.

Am zufriedensten sind die Bürger im Zentrum-Nordwest und im Waldstraßenviertel (91 Prozent). Knapp dahinter folgen Knautkleeberg-Knauthain (80) und Schleußig (79).

(Kommunale Bürgerumfrage 2011)


Bertolli Trattoria Tour im Da Luca

Wer sich jetzt fragt, was denn bitte eine Bertolli Trattoria Tour ist, dem sei gesagt: Noch vor ein paar Wochen habe ich mich dasselbe gefragt. Doch da ich es jetzt weiß und sogar ein Teil davon war, werde ich euch nun darüber erzählen :-)

BERTOLLI?

Als Francessco Bertolli 1865 in seiner Heimatstadt Lucca in der Toskana anfing sein selbsthergestelltes Olivenöl in Flaschen abzufüllen und zu verkaufen, legte er damit den Grundstein für das Bertolliimperium. Zehn Jahre später begann er sein Olivenöl an italiensche US-Immigranten zu exportieren, die sich in der neuen Welt ein Stück kulinarische Heimat bewahren wollten. Heute exportiert das Unternehmen sein Olivenöl in über 40 Länder und hat seine Produktpalette um einige italiensche Klassiker wie Pastasoße, Nudeln, Dressing oder Antipasti erweitert.

TRATTORIA?

Die original italienische Trattoria ist ein kleines Speiselokal, welches besonders für den ländlichen Teil Italiens typisch ist. Im Gegensatz zu einem Restaurant unterscheidet sich die Trattoria vor allem durch ihre familiäre Atmosphäre und die einfachen, aber mit viel Leidenschaft zubereiteten Speisen. Meist werden lokale und regionale Spezialitäten oder alte Familiengerichte zubereitet. Häufig kommt es auch vor, dass es keine Speisekarten sondern nur ein oder zwei Tagesgerichte gibt, die von den Familienmitgliedern noch selbst serviert werden. Trattorien in Italien dienen als Treffpunkt für alle Generation zum gemeinsamen Essen und Genießen, deshalb ist es nicht untypisch, dass man als Gast zusammen mit den Familien an großen Tafeln isst.

TOUR?

Um diese traditionellen Perlen authentischer italienischer Kochkunst zu finden und die neu gewonnenen Inspirationen zu teilen, sandte Bertolli bereits 2010 Gastronomiekenner Alfredo Taracchini Antonaros und Food Photographin Claudia Castaldi auf eine kulinarische Reise quer durch Italien und veröffentlichte die entdeckten Rezepte für jedermann in dem Buch „Trattoria-Tour: Eine kulinarische Reise durch Italiens Lieblingslokale“.

2012-09-11_bertollitrattoriatour_00

Um für original italienischen Genuss nicht jedes Mal nach Bella Italia reisen zu müssen, rief Bertolli im August diesen Jahres zur Trattoria Tour durch Deutschland auf. Über Facebook und Qype schlug die Internetgemeinde Trattorien in Deutschland vor, die es als Geheimtipp zu entdecken gab. Aus allen Vorschlägen wurden zehn Trattorien ausgewählt und auf Herz und Nieren geprüft. Oder eher auf Pizza und Pasta. Dafür schlemmten sich Peggy Schatz von multikulinarisches und Italienkenner Marco Aurelio durch Speise- und Weinkarten quer in Deutschland. Und weil allein essen bekanntlich dick macht ließen sie sich in jeder Stadt von einem anderen Schlemmerteam unterstützen.

Für ihren Tourstopp in Halle/Saale lud Bertolli mich ein, Peggy und Marco auf ihrer Reise zu begleiten. Weiterhin gaben sich Lars und Tim von Radio Sputnik, Sabrina von Radio Brocken, Facebook-Gewinnerin Ulrike und der Herr Necro von nEcrOs Blog die Ehre.

DA LUCA?

Es war ein lauer Sommerabend im Herzen von Halle, als wir uns auf einer kleinen Terrasse vor der italienschen Trattoria DA LUCA, mitten in der der Flanier- und Kneipenmeile „Kleine Ulrichstraße“ trafen. Wir stießen mit einem Gläschen Prosecco auf einen spannenden Abend an und noch vor dem Eintreffen des Antipasti-Vorspeisenteller war das Eis gebrochen und alle im Gespräch vertieft.

  2012-09-11_bertollitrattoriatour_02

Und obwohl wir uns vorher noch nie gesehen hatten, waren wir eine herrlich ungezwungene und fröhliche Runde. Es fühlte sich fast so an, als ob „La Dolce Vita“ direkt aus der Trattoria zu uns heraus auf die Terrasse strömte.

Doch als es dann an die Auswahl der Hauptspeise ging wurde es kniffelig. Die ursprüngliche Trattoria, wie eingangs erwähnt, bietet nur eine kleine Auswahl an Gerichten, doch in Deutschland ist von diesem Konzept nichts mehr zu erkennen. Was bleibt ist die Zubereitung der Gerichte mit frischen und sorgfältig gewählten Zutaten nach authentisch italienischen Rezepten. Und davon gab es eine ganze Menge. Während alle eifrig die Speisekarte studierten erzählte Lars, dass er für gewöhnlich einfach eine Nummer aus der Karte wählt und sich dann überraschen lässt, was serviert wird. („Was machst du wenn es der Kinderteller ist?“ „Ich bestelle so oft nach bis ich satt bin.“) Ich beschloss mir das im Hinterkopf zu behalten, konnte mich an diesem Abend dann aber doch für Bandnudeln mit Lachs in Spinat-Sahne-Soße entscheiden. Lars wählte spontan den Schwertfisch von der Tageskarte und durchbracht damit sein gängiges Muster ;-)

 

Weiterhin wurde Rumpsteak mit Steinpilzen auf Pasta, Lachssteak in Weißweinsoße mit Rucola und Nudeln, Schweinefilet mit Tomate-Mozzarella und Rosmarinkartoffeln und Dorade bestellt. Letztere wurde sogar vor unseren Augen fachmännisch vom Oberkellner filetiert. Mein Essen war wirklich lecker aber so sahnig, dass ich nach der Hälfte aufgeben musste und mir den Rest einpacken lies. Für ein Dessert reichte meine Zeit leider nicht mehr (der Babysitter..), aber ich habe gehört, dass auch die Nachspeise äußerst köstlich war.

Was kann ich euch noch über das DA LUCA erzählen? Die Kellner hier sind auf ihre italiensche Art sehr freundlich und die Preise für die Größe der Portionen angemessen. Das Leben am Sommerabend in der Kleinen Ulrichstraße pulsiert und trägt damit auf jeden Fall zum italienschen Lebensgefühl bei. Auch wenn es die original italiensche Trattoria in Deutschland nicht in der Fom gibt, wie sie Alfredo Taracchini Antonaros und Claudia Castaldi auf ihrer Italienreise besucht haben, so kann man doch wenigstens mit gutem Gewissen in Deutschlands Trattorien authentisch italienisch essen gehen und das DA LUCA gehört dazu. Ich hätte mir noch ein bisschen italiensche Musik auf der Terrasse gewünscht, aber das ist natürlich nicht jedermanns Sache :-)

Zu guter letzt möchte ich mich noch bei Bertolli für die Einladung und das Schnupperpaket und bei Peggy und Marco für den tollen Abend bedanken. Danke auch an den Rest des Schlemmerteams. Es versetzt mich immer wieder in Staunen, wie man einen derart entspannten, interessanten und lustigen Abend mit Menschen verbringen kann, die man bis dahin überhaupt nicht kannte. Ich fühlte mich äußerst gut unterhalten und am Ende auch bestens gesättigt. Vielen Dank dafür!


Alle guten Dinge sind (auf keinen Fall) drei!

Liebe britpott,

für den Fall, dass der Sand der Zeit dir eines Tages deine Gehirnwindungen verkrümelt und du dir denkst, „Ein drittes Kind wäre toll…“, hier ein gut gemeinter Rat: LASS ES! Ich meine es ernst! Kinder wollen ist toll. Kinder machen ist noch toller. Und Kinder haben ist unbestritten das Größte. Aber Kinder kriegen?

Zur besseren Erinnerung habe ich hier ein paar gängige Schwangerschaftsklischees auf deine Kompatibilität überprüft.

01 Schwangere sind schön

Du nicht. Während manche Frauen in ihrer Schwangerschaft zu wahren Schönheitsgöttinnen mit rosig-zarter Haut, dickem, glänzenden Haar und strahlenden Augen mutieren, hat es dich eher zurück in Richtung Pubertät verschlagen. Mit kleinen Pickelchen an den unmöglichsten Stellen, mit Augenringen und einer nicht existenten Frisur. Deine Finger sind aufgequollen, die Füße waren an manchen Tagen nicht mehr als solche zu erkennen und von der fehlenden Gesichtsfarbe will ich mal gar nicht anfangen (denn nein, „blass“ ist keine Farbe meine Liebe).

02 Schwangere haben ständig Hunger

Oh ja. Und natürlich ausschließlich auf Lebensmittel die sich gerade nicht im Haus befinden. Und selbstverständlich immer an den Tagen, an denen alle Läden geschlossen sind. Zwar möchte ich positiv verzeichnen, dass weder saure Gurken mit Nutella noch andere fragwürdige Gelüste auf dem Speiseplan standen, aber der anstrengende Akt der andauernden Nahrungsbeschaffung war dennoch eine unnatürlich häufige Freizeitbeschäftigung. Zumeist endete diese Beschäftigung dann außerdem in kleinen Fressattacken mit anschließenden Bauchschmerzen oder einem leeren Geldbeutel. Beides ist nicht wirklich wünschenswert.

03 Schwangere sind Heulsusen

Nein, viel schlimmer, sie sind Nervensusen. Du warst eine Nervensuse! Erinnerst du dich, ja? JA? Der schnelle Wechsel zwischen „Jippie!“ und „Boah, nerv’ mich nicht!“ hinterlässt noch heute bei allen Beteiligten den Nachgeschmack einer schlechten Karussellfahrt. Nie wusste man welche Laune einem heute entgegenschlagen würde, wenn man deine Nummer wählte oder an deiner Tür klingelte. Und das Beste, die Momente in denen du dich selber genervt hast. Ein wahres Schauspiel und eine göttliche Darbietung an menschlicher Launenhaftigkeit. Es wundert mich, dass dabei keiner zu Schaden gekommen ist. Außer der Schimpfwortsprachschatz.

04 Schwangere haben Nestbau

Eine weitere teure Freizeitbeschäftigung. Unglaublich was man alles UNBEDINGT noch horten kaufen muss. Und ganz egal wie viel man eichhörnchenhaft in seine Wohnung trägt, man hat doch immer das Gefühl noch etwas vergessen zu haben.

05 Schwangere sind leidlich

Und das sehr. Gern rufe ich dir an dieser Stelle noch einmal deine beliebtesten Schwangerschaftsleiden ins Gedächtnis, die sich über einen Zeitraum von acht (aber gefühlt eher zwanzig) Monaten hinzogen:
a) Übelkeit in den ersten sechs Wochen. Wobei wir hier nicht nur vom gelegentlichen morgendlichem Kuscheln mit der Klobrille sprechen, sondern mehr von einer Langzeitbeziehung mit dem gesamten Badezimmer.
b) Harndrang. Herrlich diese permanente Suche nach einer Toilette. Auch die nächtlichen Wanderungen (trotz anhaltendem Durst) sind was für wahre Kenner. Da stört es auch nicht, dass man demzufolge nie mehr als zwei bis drei Stunden am Stück schlafen kann.
c) Erkältungen und andere virale Nettigkeiten. Lassen sich nur mit „Abwarten und viel Trinken“ bekämpfen (das dann gern über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen).
d) Müdigkeit. Immer, ständig, anhaltend, unbesiegbar, in den unpassendsten Situationen.
e) Rückenschmerzen. Ein tolles Gefühl, wenn man nicht mehr weiß wie man Liegen, Stehen oder Gehen soll.
f) Sodbrennen. Der ewige Kampf zwischen lecker und danach bereuen, weil es immer und immer wieder aufstößt. Yeah!
g) And last but not least, „liebevolle“ Kindsbewegungen. Beim ersten Tritt ist alles noch ganz neu und aufregend, doch ab einem bestimmten Punkt fühlt es sich so an, als ob das Baby schon mal probehalber versucht durch den Bauchnabel heraus zukommen.

06 Am Ende steht der Kreißsaal

Wenn du bisher all meine Warnungen ignoriert hast und ich dich bis zu diesem Punkt nicht von deiner Meinung abbringen konnte, dann steht dir ja nur noch die Geburt bevor. Du erinnerst dich doch noch an die Geburt(en)? Höhö. Jemand hat mal auf die Frage, „Wie ist das denn so, ein Kind zu bekommen?“, geantwortet: „Das muss man schon mal erlebt haben“. Und wenn man es dann erlebt hat, dann versteht man auch was mit dieser Antwort gemeint ist ;-) Aber du weißt bereits was gemeint ist und zwei Kinder sind wahrlich mehr als der aktuelle deutsche Durchschnitt (1,3 Kinder pro Familie). Du hast deinen Dienst an der Menschheit also getan. Ein drittes Kind würde nur die Statistik total verwirren. Und letztendlich hat man auch nur zwei Hände :-)

Ich hoffe meine liebevolle Aufarbeitung deiner Schwangerschaft erfüllt nun ihren Sinn? Die Endprodukte, das ist keine Frage, sind natürlich jedes Zieperlein und Wehwehchen absolut wert gewesen, aber hier geht es auch nicht um das Ziel, sondern allein um den Weg dorthin und den möchtest du auf keinen Fall noch einmal beschreiten, denk daran!

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.
Alles Liebe,
deine britpott

PS an alle Ladys, die noch Mamis werden wollen:
Fühlt euch nicht vergrault. Bei euch wird mit Sicherheit alles anders. So ist es immer. Jeder trägt sein eigenes Päckchen (im wahrsten Sinne des Wortes – hehe) und jeder fühlt sich anders damit. Und denkt immer daran, Kinder wollen ist toll, Kinder machen ist toller und Kinder haben das Größte. Der Rest ist nur ein kurze Phase. Versprochen.


Wo darf ich unterschreiben?

Ich bin in meinem Leben wirklich oft umgezogen und noch nie hatte ich ein Problem damit eine neue Wohnung anzumieten. Doch jetzt, das erste Mal da ich aus Notwendigkeit und nicht aus purer Lust an Veränderung umziehen werde, eröffnet sich mir ein ganz neuer Horizont an Ignoranz, Verlogen- und Voreingenommenheit. An dieser Stelle würde ich mich gern für meine Wortwahl entschuldigen, aber ich bin immernoch zu empört und aufgebracht über das, was gerade passiert.

In etwa vier Monaten wird es in unserer Familie noch einmal Nachwuchs geben (jippie!). Uns war schnell klar, dass der Grundriss unserer aktuellen Wohnung dafür mehr als unpraktisch ist und wir deswegen vorher noch umziehen müssen. Eine gemütliche 3-Raum-Wohnung im schönen Schleußig soll es nun werden: Familienfreundliche Umgebung, Parks, Spielplätze, Stadtnähe, aber vor allem die Nähe zu unseren Freunden und Familien waren dafür ausschlaggebende Kriterien . Dass es schwer werden würde in Schleußig eine Wohnung zu finden wussten wir natürlich vorher, aber dass man die Ignoranz der Immobilienindustrie hier so dreist aufs Butterbrot geschmiert bekommt war uns bis heute morgen nicht bewusst.

Die erste Wohnung, die wir Anfang Februar anmieten wollten, stand bereits leer, doch man sicherte uns zu, dass eine spätere Anmietung im April kein Problem sei. Wir erbrachten alle nötigen Unterlagen und warteten tagelang auf einen Rückruf wegen der Vertragsunterzeichnung, doch es gab keinen Rückruf. Nach mehreren Nachfragen unserseits hieß es dann, man habe „spontan“ einen anderen Mieter gefunden der eher einziehen könne als wir. Von einer Reservierung der Wohnung wollte plötzlich keiner mehr etwas wissen. Pech gehabt, dachten wir uns und suchten weiter.

Die zweite Wohnung die für uns von Interesse war, begrüßte uns mit einem gewissen „Großstadtflair“, da zur Besichtigung letztes Wochenende etwa zehn Mietinteressenten gleichzeitig eingeladen wurden. Doch der Grundgriss gefiel uns so gut, dass wir beschlossen uns einen Vorteil zu verschaffen, indem wir bereits vor der Besichtigung alle notwendigen Unterlagen anforderten. Unser Plan war es, sollte uns die Wohnung auch „in natura“ gut gefallen, gleich nach der Besichtigung alle wichtigen Dokumente dabei zu haben, um die Wohnung direkt anmieten zu können. Gedacht, getan. Man wollte sich daraufhin ein paar Tage später bei uns melden. Auch hier warteten wir vergeblich auf einen Rückruf. Auf unser Nachfragen beim zuständigen Makler wusste der mit unserem Namen erst einmal überhaupt nichts anzufangen und konnte sich auch nur schwer an uns erinnern. Nachdem wir ihn ins Bild gesetzt hatten, vertröstete er uns auf Ende der Woche. Gestern riefen wir erneut an und wurden dann weiter auf „Mitte nächste Woche“, also etwas um den 14. März, vertröstet. Umso verwirrter waren wir natürlich, als heute morgen eine E-Mail von einem großen Immobilienportal im Posteingang landete, welches uns stets über neue Wohnungen in Schleußig auf dem Laufenden hält. Eine neue Wohnung wurde uns vorgeschlagen und siehe da, es ist exakt dieselbe Wohnung, wegen der wir gestern noch auf nächste Woche vertröstet wurden. Dieselben Bilder, derselbe Text, gleicher Ansprechpartner.

„So ist das im Kapitalismus“, sagt mein Liebster. „Reg dich nicht auf“, sagt er. Aber ich rege mich auf. Hier und Jetzt! Ich verstehe diese Ignoranz gegenüber potentiellen Mietern, ach was schreibe ich da, gegenüber anderen Menschen im Allgemeinen einfach nicht. Wo ist das Problem? Ist es wirklich zu viel verlangt, dass man ehrlich gesagt bekommt, dass man als Mieter nicht in Betracht gezogen wird? – Natürlich ist es zu viel verlangt, denn der brave Mietinteressent mit all seinen fein ausgefüllten Unterlagen würde ja gar nicht verstehen warum er ungeeignet ist. Und natürlich kann man ihm auch nicht sagen, dass er aufgrund seines aktuellen Hartz-IV-Bescheides sofort in die Kategorie „asozial“ einsortiert wurde. Und wer möchte schon einen „Hartzer“ in seinem Haus wohnen haben? Die stinken, schlagen ihre Kinder, haben kläffende Hunde, gucken den ganzen Tag nur Fernsehen, lassen ihre Wohnungen verrotten und natürlich zahlen sie ihre Miete nicht ordnungsgemäß. Und zwar alle. Jeder einzelne Bürger dieses Landes mit solch einem Bescheid ist auch solch ein Mensch. Schublade auf, Mensch rein, Schublade zu. Ist doch ganz einfach. Ihr denkt ich übertreibe? Ich habe auch so einen Schein und ich kenne die Vorurteile, die Blicke, das Gerede.

Wer sich im Pool der Hartz-IV-Empfänger befindet ist automatisch ein Schmarotzer, ein Drückeberger, ein Faulenzer. Und wisst ihr was noch viel schlimmer ist? Ein Hartz-IV-Empfänger der schwanger ist! Denn die kriegen natürlich nur Kinder um noch mehr Geld vom Staat zu kassieren. Keine dieser Mütter hat irgendwelche Ambitionen irgendwann wieder arbeiten zu gehen und eigenes Geld zu verdienen, mich selbstverständlich eingeschlossen. Das Leben ist auch viel schöner und einfacher wenn man sich für jede notwendige Anschaffung, jeden 50€-Schein Geburtstagsgeld oder jeden 15€-eBay-Geldeingang rechtfertigen muss. Wenn man betteln muss um umziehen zu dürfen und zweimal im Jahr alle Kontoauszüge, Kindergeldbescheide, Gehalts- und Versicherungsscheine, ja sogar Handyrechnungen vorzeigen muss. Wenn man sich jedes Mal behandeln lassen muss als wäre man ein Staatsbetrüger, nur weil ein kleiner Prozentsatz der Hartz-IV-Empfänger dies tatsächlich macht. Das ist ein Leben, von dem man träumt, das seht ihr doch genau so, nicht wahr? Folglich ist jeder der monatlich einen Hartz-IV-Geldbetrag bekommt zufrieden damit und alle anderen Menschen dürfen mit diesem und anderen Klischees weiterhin ihre Schubladen füllen.

Und das daraus resultierende Hauptproblem bei der Wohnungssuche? Es spielt keine Rolle wie viel Geld du im Monat zur Verfügung hast, wichtig ist nur von wem du es bekommst. Wer sich eine Wohnung mit einem Bescheid des Staates, ganz egal ob Bafög, Hartz-IV, Wohn- oder Schulgeld, anmieten möchte wird immer Schwierigkeiten haben. Was zählt sind „richtige“ Lohnabrechnungen. Dabei bekommt niemand pünktlicher sein Geld ausgezahlt als Menschen die vom Staat unterstützt werden. Auch Auszubildende aus größeren Unternehmen erhalten äußerst regelmäßig ihren monatlichen Lohn, zählen aber ebenfalls zur ungewollten Sorte Mieter. Und meine Familie und ich, wir sind sozusagen ungewollte Mieter ins Quadrat: ein Staatlicher und ein Auszubildender plus Kinder. Da nützt es auch nichts vom Vormieter eine weiße Weste attestiert zu bekommen oder einen zahlungsfähigen Bürgen vorweisen zu können. Laut hiesigen Maklern und Vermietern sollte die Miete etwa ein Drittel des monatlichen Gesamteinkommens eines Haushaltes nicht überschreiten. Für mich klingt das mittlerweile wie eine ausgelutschte Floskel, denn selbst wenn das Gesamteinkommen diese Rechnung deckt, ist das Geld in den Augen des Vermieters nichts wert, wenn es nicht aus einer Lohnabrechnung stammt. Dazu kommt, dass der Wohnungseigentümer die Mietinteressenten in den seltensten Fällen überhaupt persönlich kennenlernt, da alle geschäftlichen Dinge über Makler und Hausverwaltungen geregelt werden, er am Ende aber trotzdem darüber entscheidet wer die Wohnung anmieten darf. Und kein persönlicher Kontakt beudeutet dann auch keine Chance zu zeigen, dass man eben doch ein vertrauenswürdiger Mieter ist (dabei duschen wir doch jeden Tag, lehnen Gewalt als Erziehungsmaßnahme (und überhaupt) vollständig ab, haben weder einen Hund noch Fernsehanschluß und unsere Freunde werfen uns in Abständen vor bei uns wäre es unanständig sauber und aufgeräumt).

Was also sind unsere Alternativen? In ein Stadtviertel ziehen in dem beliebig viele Wohnungen frei stehen weil dort keiner wohnen möchte, ungeachtet dessen was für unsere Kinder am besten ist und was wir eigentlich wollen? Dokumente fälschen und das sprichwörtlich Blaue vom Himmel herunter lügen um in einem besseren Licht zu erstrahlen? Vier Monate vor der Geburt noch schnell einen gut bezahlten Job finden (haha!)? Oder das Kind gleich in einem Umzugskarton zu Welt bringen? Jeder sollte doch das Recht haben dort wohnen zu dürfen wo er möchte. Vor allem wenn dass Problem nicht darin besteht die monatliche Miete pünktlich und vollständig zu zahlen, sondern man aufgrund von Vorurteilen und Ignoranz gleich zu Beginn in eine Schublade gesteckt wird, aus der man nicht mehr herauskommt. Wir möchten nicht chancenlos aussortiert werden, weil wir einem Erwartungsbild nicht auf Anhieb entsprechen. Wir suchen einfach nur ein Plätzchen an dem wir unsere Kinder mit gutem Gewissen aufziehen können. Und das soll jetzt zu viel verlangt sein?