Vorschulschokofrösche

Es gibt keine Zufälle. Und so kommt es, dass heute der 01. September ist. Der Tag, an dem jedes Jahr pünktlich um 12:00 Uhr, ab Bahnhof King’s Cross, der Hogwarts Express seine Reise zur gleichnamigen Schule für Hexerei und Zauberei startet. Der 01. September markiert damit den ersten Schultag und ist stets der Auftakt für ein neues, spannendes Schuljahr.

Und weil es eben keine Zufälle gibt, betrete ich kurz nach halb 12 den Bahnsteig die uns zugeteilte Grundschule, um meinen kleinen Small für das kommende Schuljahr anzumelden. Es ist unfassbar, wie schnell unsere bisherige gemeinsame Zeit vergangen ist und ich kann mir in etwa vorstellen, wie schnell sein letztes Kindergartenjahr an uns vorüber flitzen wird. Denn obwohl ich ihn gerade erst für die Schule angemeldet habe und uns noch knapp elf Monate bis zum Schulanfang bleiben, stapeln sich bereits jetzt Termine und Pflichten, die es bis dahin zu erfüllen gilt. Im krassen Gegensatz dazu, ist dieser (für die Eltern sehr historische) Schritt ziemlich nüchtern und unspektakulär gehalten. Genau wie bei der Anmeldung zur Hochzeit auf dem Standesamt:  „Machen Sie mal hier ein Kreuz, dort ein Haken und da noch eine Unterschrift.“ Fertig. Da „tröstet“ es auch nicht, dass auf dem Informationsbrief für Eltern in fröhlich-fetten Buchstaben steht: „Endlich ist es soweit, ihr Sohn kommt in die Schule!“ Fehlt bloß noch, dass Konfetti aus dem Briefumschlag fällt.

Doch damit nicht genug. So ein Schulanfang reibt den armen Eltern ungewollt mehr als deutlich unter die Nase, dass das Kind unaufhaltsam größer wird und seine eigenen Wege gehen will. Ich dagegen fühle mich noch nicht (wieder) bereit für die Schule. Kindergarten ist easy, übersichtlich und macht uns allen Spaß, aber Schule? Da geht es nur noch um Hausaufgaben, Lernen und diesen einen Lehrer/Fach/Mitschüler, mit dem man überhaupt nicht klar kommt. Das ist kein Zuckerschlecken. Und immer muss man als Eltern immer den Schein waren und seinem Kind vermitteln, dass Schule ganz toll ist und einen auf das Leben vorbereitet, obwohl man es besser weiß. Und überhaupt, mein Kleiner ist doch noch so small. Schnief.

Doch es nützt alles nichts. Nun sind wir drin, im großen Hamsterrad namens Schule und es wird sich ewig drehen, bis wir hoffentlich ein Abitur in unsere Tasche stecken können. Auf diesen Schock diese Erkenntnis hin gönne ich mir, zur Feier des Tages, meinen letzten Schokofrosch (aus London) und kann beim Essen beinahe das Schnauben der Dampflok hören, die soeben King’s Cross verlässt und damit unser letztes schulfreies Jahr einläutet.

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#Home 08 – Heute back‘ ich..

Kaum Zuhause angekommen, stehen die Pflichten schon wieder Schlange. Glücklicherweise fallen diese heute recht angenehm aus. Mini feiert morgen seine Abschieds-und-Vorgeburtstagsrunde in der Krippengruppe und dafür wünscht er sich „Pfannkuchentorte wie bei Pettersson und Findus“.

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Small hingegen verabschiedet sich von seiner Kindergartengruppe in den langen Urlaub und möchte kleine Muffins mitnehmen.

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Also backe ich und backe ich und die Temperatur in der Küche steigt und steigt, aber im Grunde macht es keinen Unterschied zu der Hitze draußen ;-)


#Usedom 12 – Vom Luxus der Zeit

Als ich Zuhause anfrage, ob ich Bilder aus dem Urlaub schicken soll, bekomme ich von mehreren Seiten die Antwort, „aber nur Bilder auf denen es regnet oder alles im Chaos versinkt, nichts was neidisch macht!“ Tut mir leid…

Es ist ca. 09:34 Uhr am Strand von Kölpinsee. Luft 20°, Wasser 18°. Die Sonne strahlt ihr schönstes Leuchten vom Himmel und das Meer glitzert, als hätte jemand einen ganzen Piratenschatz darin verteilt. Der Strand ist noch so gut wie leer und ich sitze im Bikini direkt am Wasser, während meine beiden liebsten Jungs jauchzend die Wellen haschen. Es ist so unglaublich idyllisch, dass mir (mal wieder) mit voller Wucht klar wird, wie gut es uns geht. Dass wir an einem Donnerstag Morgen, bei diesem herrlichen Wetter, am Strand sitzen können und uns die Sonne Bräune auf die Haut küsst. Von Chaos und Regen ist keine Spur und wir genießen einfach den Luxus von gemeinsamer Zeit.

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Zeit mit Sand zwischen den Zehen, dem Geruch von Sonnencreme und Salz auf der Haut. Zeit, die mich daran erinnert, dass Small gerade fünf geworden ist und Mini in knapp zwei Wochen drei wird. Zeit, die immer weiter tickt, egal wie schön und einzigartig dieser Moment ist und mich nicht vergessen lässt, dass ich ihn nur in meinem Herzen abspeichern muss, um immer wieder darauf zurückgreifen zu können. Denn die Zeit mit meinen Kindern, egal wie kitschig das jetzt klingen mag, ist die beste Zeit die ich habe und sie wird nicht für immer so weiterlaufen. Ja, sie werden so schnell groß, wie man das immer von seinen eigenen Eltern gehört hat, als man selber noch klein war und nur unverständlich mit den Augen rollen konnte. Vielleicht ist es falsch, sich soviel Zeit nur für seine Kinder zu nehmen und sich dem Luxus der gemeinsamen Zeit derart ausgiebig zu widmen. Doch in diesem Augenblick, genau hier am Strand, mit den Füßen im Meer, bin ich sehr glücklich darüber, dass wir diese Möglichkeit haben und nutzen. Und mehr brauche ich gerade nicht zu wissen.


Sozialstudie Ostereiersuche – Ellenbogen vorraus

Es ist geschafft: Die Osterfeiertage sind vorbei! Es war nicht so schlimm wie erwartet und gleichzeitig schlimmer als vorhergesehen. Das ist es, was ich das Feiertagssyndrom nenne.
Viele Menschen mit (mehr oder weniger hohen) Erwartungen treffen aufeinander und gestalten sich die paar Tage, die sie zusammen verbringen (wollen/müssen/können/dürfen), so nervig wie möglich. So oder so ähnlich. Aber das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen, sondern von meinem zweifelhaften Vergnügen, an einer öffentlichen Ostereiersuche für Kinder teilgenommen zu haben.
Was sich da wieder für Welten aufgetan haben, unglaublich.

Ich befinde mich mit Mini und Small in einem öffentlichen Park in Markkleeberg. Ein Stück Wiese wurde mittels Absperrband separiert und darauf Schokoeier im Gras verteilt. Der Veranstaltungsleiter kommt um die Suche zu eröffnen und alle Eltern machen ihre Kinder bereit zum Angriff.
Ich sage zu Mini und Small: „Jungs, zwei Hände, zwei Süßigkeiten für jeden, klar?“
„Warum nur zwei Sachen, Mama?“
„Du siehst doch die vielen anderen Kinder, die hier noch stehen und jeder möchte gern etwas einsammeln. Sonst gibt es am Ende vielleicht Kinder, die traurig sind, weil sie nichts mehr gefunden haben.“
„Und das wollen wir nicht, stimmt.“ (Das mit dem Teilen hat er schon gut raus :-D)
Hinter mir höre ich im selben Augenblick eine Vater seinen etwa 6-jährigen Sohn instruieren: „… und wenn es losgeht, dann rennst du auf die Wiese und sammelst alles ein, was du finden kannst. Notfalls machst du dir mit den Ellenbogen Platz…“ Und dann drückt er ihm noch eine Plastiktüte in die Hand.

Und noch bevor das Absperrband offiziell fällt, rennen etwa 100 Kinder schreiend auf die Wiese und stürzen sich wie ausgehungerte Hyänen auf die bunten Schokoeier im Gras.

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(Das war schon fast am Ende der Suche, vorher war ich zu geschockt um abzudrücken.. Oo)

Ich schnappe mir Mini und laufe ebenfalls auf die Wiese, damit er überhaupt eine Chance hat. Irgendwie schaffen wir es uns jeder zwei Eier zu schnappen und retten uns dann wieder an den Rand der Wiese. Small hat mit seiner Omi ebenfalls zwei Eier einsammeln können. Während die Jungs glücklich ihre Schokolade mümpfeln, geht es auf der Wiese zunehmend aggressiver zu. Die größeren Kinder schubsen sich gegenseitig zur Seite und einige der Eltern feuern ihre Kinder dabei lautstark an.
Nach etwa 15 Minuten ist das ganze Spektakel vorbei und der 6-jährige von oben hält seinen prall gefüllten Beutel grinsend in die Kamera. Er könnte damit locker zwei komplette Schulklassen glücklich machen, aber er wird sie wohl allein essen, wie es mir scheint. Es ist ja nicht so, als ob man Schokolade auch einfach in der Kaufhalle kaufen könnte, selbst wenn man dafür bezahlen müsste. Der Rasen ist jedenfalls leergesucht und während manche Kinder glücklich ihre kleinen selbstgebastelten Papierkörbchen vor sich her tragen, in denen sich eine handvoll Schokoeier befindet, tragen andere Kinder beutelweise Schokolade zu ihren Eltern, die so stolz aussehen, als hätte ihr Kind so eben eine Medaille von Darwin persönlich erhalten. Und das machte mir wirklich Angst. Diese Kinder können nichts dafür, aber sie werden es auch nicht besser lernen.

Mini und Small haben davon zum Glück nichts (und auch keinen Ellenbogen) mitbekommen. Ich hätte auch nur schwer gewusst, wie ich ihnen diese Unterschiede erklären sollte.


#Belantis 01 – Freizeitparkliebe mit Jahresticket

Eigene Kinder sind ein herrlicher Vorwand für Dinge, die man eigentlich nicht mehr mach[en darf]t :

  • Eis essen ab +10°
  • regelmäßig Shaun das Schaf oder Pettersson und Findus gucken
  • mit Lego bauen
  • zügelloses „Aaawwww, guck mal wie süß!“-Klamotten-Shopping
  • Vespermahlzeiten (aka Kakao mit Sahne und Kekse)
  • Lagerfeuer mit Stockbrot
  • Lampionumzüge
  • Verkleiden an Halloween (nämlich als Harry Potter – jaaaaa!)
  • große Mengen an Nudeln mit Tomatensoße konsumieren

und

  • eine Jahreskarte für einen Freizeitpark besitzen

b_fdpIn meinem Fall für Ostdeutschlands größten Freizeitpark Belantis. Und was freue ich mich, dass der Park am 02. April endlich wieder öffnet!

Wenn ich mit meinen Jungs nach dem Kita-Mittagsschlaf entspannt raus fahre, bleiben uns meist 3h bis der Park schließt. An unspektakulären Tagen mitten in der Woche, ist der Park auch wenig frequentiert, was bedeutet, dass man kaum Wartezeiten an den Fahrgeschäften hat und die Spielplätze nicht überfüllt sind. Am tollsten ist natürlich der Wasserspielplatz am Piratenschiff. Wenn die Fahrgeschäfte allmählich schließen (ca. 30 Min – 1h vor Parkschließzeit), hat man noch genügend Zeit (und Power) um auf diesem, oder einem der anderen zahlreichen schönen Plätze, zu toben.
(Eine Übersicht der Öffnungszeiten bekommt ihr mit einem Klick auf die Tabelle.
Öffnungzeiten-Übersicht ©belantis.de)

b_oeIm letzten Jahr bekamen Kinder bis 1,10m den Eintritt geschenkt, 2015 hat man diese Regelung auf „Kinder haben nun bis einschließlich 4 Jahren freien Eintritt!“ geändert. Das Jahresticket kostet 59,90€. Gegenüber dem Einzelticket für einen Erwachsenen (29,90€), hat man seinen Kartenpreis also bereits beim dritten Parkbesuch wieder drin. Für mich hat sich das schon lange gerechnet, dabei ist mein Ticket noch bis Juli 2015 gültig.

Fahrgeschäfte gibt es, auch für die Kleinen, mehr als genug. Zwar sind viele Attraktionen erst ab 6+, aber für die 2-5-Jährigen gibt es dennoch genug zu erleben. Meistens schaffen wir in unseren drei Stunden nicht mal alles, was wir uns vorgenommen haben. Daher lohnt sich Belantis vor allem für Familien aus der Umgebung, in Kombination mit einem Jahresticket, damit man kürzere, aber dafür häufigere Parkbesuche erleben kann. Wir verschenken beispielsweise gern selbstgebastelte Gutscheine für einen Besuch im Freizeitpark. Die Eltern des beschenkten Kindes freuen sich dann darüber, dass sie nicht mitgehen müssen :-) Mir macht es aber auch unheimlich viel Spaß meine Kinder und ihre Freunde zu begleiten und zu beobachten, wie sie mit großen Augen von Erlebniswelt zu Erlebniswelt laufen. (Dieser Blogpost ist also nicht gekauft, ich bekomme keinen Rabatt, ich schreibe aus Mama-Überzeugung und mit einer großen Vorliebe für Freizeitparks :-D)

Und was geht gar nicht? Natürlich die Preise für Essen & Getränke, aber leckere Verpflegung für ein paar Stunden passt in einen normalen Rucksack und tut keinem beim Tragen weh.

Weitere Informationen, Parkplan, Fahrgeschäfte-Übersicht, Anfahrt, alle Eintrittspreise, usw., könnt ihr auf der offiziellen Homepage nachlesen: belantis.de

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Und falls sich am Ende doch mehrere Erwachsene zusammenschließen, ist bestimmt auch Zeit mal die Mega-Achterbahn HURACAN auszuprobieren.
(Ich warte dann unten und bin freiwillig die „Mutige“, die auf alle Kids aufpasst :-D)


#Kur 20 – Genießen

Die Stimmung ist gekippt, die Sonne endlich angekommen. Seit wir am Meer sitzen können und auch die Sonne am Himmel fröhlich scheint, ist es friedlich geworden auf dem Klinikgelände. Mütter und Kinder blühen auf, die Gänge sind leer, der Strand voll. Es ist herrlich. Ich habe an einem Nachmittag mehr Farbe im Gesicht gesammelt, als die gesamten zwei Wochen davor. Meine Jungs dürfen endlich ihre Sandalen wieder anziehen und strahlen dabei übers ganze Gesicht. Und sie können endlich, endlich am Wasser spielen, weil es nicht mehr so kalt ist, dass man sich sofort erkältet wenn man nasse Füße bekommt.
Und ich beobachte hier etwas, dass ich das Endspurt-Syndrom nenne. Die Gruppe Mütter, die gemeinsam mit mir angereist ist und in 1,5 Wochen abreisen wird, hat ihr Gleichgewicht gefunden. Man ist gruppiert, aber man versteht und respektiert sich auch als gesamte Gruppe. Zum einen, weil wir in den letzten Wochen Freund- und Bekanntschaften geschlossen haben, zum anderen, weil wir gemeinsam Schulungen und Workshops besucht haben, in denen man viel über die anderen Mütter und deren Sorgen und Probleme erfahren hat. Und zu guter letzt natürlich auch, weil zusammen gehangen, zusammen gefangen und für uns alle nähert sich das Ende unseres Aufenthaltes. Je näher es kommt, desto mehr Mütter höre ich sagen, dass sie gern bleiben würden. Auch sie sind langsam angekommen und beginnen nun zu verstehen, was für eine großartige Chance ihnen hier geboten wird. Einige meckern natürlich noch immer, aber ihnen ist eben nicht zu helfen.
Ich sitze gerade in einem Strandkorb, während meine Jungs mit ihrem Papa (er ist über das Wochenende zu Besuch) Mittagsschlaf machen. Ich habe mich ans hintere Ende des Klinikgeländes zurückgezogen, direkt am Wald, und lausche in der Mittagsruhe den Vögeln bei ihrem Singsang, nachdem ich den ganzen Vormittag das Rauschen der Wellen im Ohr hatte. Ich bin mir sicher, dass ich noch eine Weile hier am Meer, weit weg von zu Hause, bleiben könnte auch, wenn wir bald abreisen müssen. Ich war noch nie in meinem Leben so lange von meinem eigenen Bett entfernt und ich hätte nicht gedacht, dass es so einfach ist. So einfach woanders zu sein, sich anzupassen, zu genießen und sich jede Minute darüber im Klaren zu sein, wie gut es mir geht und wie viel Glück ich gerade habe.
Unser Start hier war unschön und mehr als einmal wollte ich aufgeben, weil ich erschöpft war und ganz allein, aber ich habe durchgehalten, für meine Jungs, und jetzt stellen sich all die positiven Gefühle ein, die man empfinden kann, wenn man einmal alles hinter sich und den Dingen ihren eigenen Lauf lässt. Ich wünsche jeder erschöpften, zweifelnden und genervten Mutter einmal diese Gefühle, sie machen unglaublich stark und fröhlich. Selbst dann, wenn es noch immer anstrengend ist. Denn natürlich habe ich nicht oft Zeit ganz still und für mich allein in einem Strandkorb zu sitzen und meinen Gedanken nachzuhängen, aber wenn ich es schaffe kann ich es umso mehr genießen.
Genießen. Ein wunderbares Wort, dass leider viel zu oft viel zu kurz kommt. Aber das muss es nicht. Ich werde daran arbeiten.


#Kur 16 – Sonntag

Heute ist Sonntag und das ist aus zweierlei Gründen richtig gut. Erstens ist Muttertag und ich habe etwas geschenkt bekommen. (Herzliche Grüße auch an dich, wenn du ebenfalls eine Mami bist.)

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Zweitens gibt es sonntags Nachmittag Kuchen und Kaffee. Richtigen Kuchen und richtigen Kaffee! Besser kann es ja kaum noch werden :-)


#Kur 08 – Die Meckermütter

Als Mutter gibt es immer mal wieder Tage, an denen man am liebsten einfach „in den Sack hauen“ möchte. Tage an denen man nicht mehr kann und von den eigenen Kindern fürchterlich genervt ist. Hat man solche Phasen hilft eine Kur ungemein, doch nicht wegen der vermeintlichen Entspannung (die ist nämlich nicht so präsent wie man denkt), sondern wegen den Mütterstudien, die sich hier so herrlich durchführen lassen. Jeden Tag, den ganzen Tag, wird man im und ums Klinikgebäude mit anderen Müttern und deren Kindern konfrontiert. Ob beim gemeinsamen Essen, bei den verschiedenen Therapien oder in der Freizeit (die sich jeder gestalten darf wie er möchte, aber in einem so kleinen Kurort häufig dazu führt, dass man sich immer und überall über den Weg läuft).
Mütter und Kinder, soweit das Auge reicht. Und wenn ich die anderen Mütter dann beobachte, wie sie teilweise mit ihren Kindern umgehen – aggressiv, entnervt, ruppig, freudlos, ignorant – dann denke ich nur: „So möchte ich auf keinen Fall sein!“ Und ratzfatz ist alles wieder gut, man entspannt sich innerlich ein wenig und entdeckt neue Kraftreserven für einen liebevollen Umgang mit seinen eigenen Kindern.
In der Kureinrichtung, in der ich mich befinde, gibt es zwei Kur-Formen: Mutter-Kind-Kuren und Rehabilitationsmaßnahmen. Bei der MKK steht die Mutter mit ihren Problemen im Vordergrund (das ist hier der kleinste Teil der Patienten), bei der Reha steht das Kind im Vordergrund (und das sind die meisten Patienten). Einige (viele) Mütter scheinen aber zu denken, dass sie hier im Urlaub sind. Unter vorgehaltender Hand werden sie die Meckermütter genannt, denn sie finden wirklich an allem etwas zu meckern. Das Essen ist ihnen zu einfach, die Essenszeiten zu früh / zu spät, die Zimmer zu klein / zu laut, die Therapien zu willkürlich gewählt, die Elternvorträge zu langweilig oder sie haben in ihren Augen zu wenig Freizeit. Freizeit, die sie nicht etwa haben wollen um sie mit ihren Kindern zu verbringen, sondern um ENDLICH IN RUHE irgendwo herumsitzen zu können, Kaffee zu trinken und über die anderen Mütter / deren Kinder / ihre eigenen Kinder / die Kurklinik / das Fachpersonal / usw. zu meckern. Bei eben dieser Meute Mütter sind die Kinder dann auch nur Mittel zum Zweck um ein paar Wochen kostenlosen Urlaub machen zu können und genau so behandeln sie ihre Kinder auch. Wehe wenn eines dieser Kinder etwas sagt oder tut, sofort wird ein Schwall an Beschimpfung losgelassen, dass einem Hören und Sehen vergeht. Und wie diese Mütter mit anderen Müttern über ihre Kinder reden.. da macht man sich wirklich keine Vorstellung. Als ob sich die Kinder es ausgesucht hätten krank zu sein nur um ihre Eltern damit zu ärgern.
Nein wirklich, wenn ich mal einen schlechten Tag habe und genervt bin brauche ich nur zehn Minuten die Meckermütter im Umgang mit ihren Kindern beobachten und schon rückt es mir mein Weltbild wieder gerade und mein erster Impuls ist es, meine Jungs zu drücken und ihnen zu sagen, wie sehr ich sie liebe.


#Kur 03 – Mein Müttertrauma

Nach der Geburt meines ersten Sohnes erlitt ich ein schlimmes Trauma. Auch wenn dies fast vier Jahre her ist, hat es sich doch tief eingebrannt und möchte nun, anlässlich der aktuellen Kuraktivitäten, erzählt werden.

Die ein oder andere Mutter kennt es mit Sicherheit, es ist allgemein als Rückbildungskurs bekannt. Schlimm genug, dass man nach der Geburt Sport verordnet bekommt (iiihh, Sport), aber dann auch noch Sport mit etwa neun weiteren Müttern! Ich meine, die Spezies Mütter ist furchtbar, Alle! (Ja, das schließt natürlich auch mich ein). Jede Mutter hat im Bezug auf ihr(e) Kind(er) einen anderen Knall der für außenstehende unerträglich ist. (Und alle Mütter mit guter Selbstreflektion nicken gerade wissend mit dem Kopf..) Jedenfalls ist man also für 60 Minuten in einem Raum mit, in jedem Fall zu vielen, anderen Müttern gefangen und auch wenn es verschiedene Arten von Mütter gibt, so überwiegt meiner Meinung nach der überbesorgte Teil. Der, der ständig um sein Kind herum kreist (die sogenannten Hubschraubermütter). Mütter die von der ersten Sekunde an in ständiger Angst leben, dass ihr Kind.. tja was eigentlich? In jedem Fall sind sie unentspannt und so eine Schwingung überträgt sich. Auf das eigene Kind, auf andere Kinder, anwesende Mütter, einfach alle. Nicht nur in einem Sportraum, sondern immer und überall. Ich sitze also mit neun Müttern, nach einer Stunde Sport (iiihh Sport) in einem Raum (der ganz nebenbei bemerkt kinderfrei war, weil ich vorsorglich einen Abendkurs ohne Babys besucht hatte) und den anwesenden Frauen fiel wirklich kein anderes Thema ein, als Panik wegen ihrer (nicht anwesenden) Kinder zu schüren. Eine Mutter schaffte es sogar sich mit der anwesenden Hebamme anzulegen, weil sie den Kurs fünf Minuten zu spät begonnen hatte. Fünf Minuten! Man stelle sich das mal vor! Ihr Mann saß doch alleine mit dem Baby zu Hause und sie könne die beiden unmöglich SO LANGE alleine lassen..

Nachsicht, dachte ich mir, Nachsicht. Es kann ja nicht jeder so entspannt sein erstes Kind groß ziehen wie ich es (nach wie vor) zu tun pflege. Glücklicherweise ist es mir nämlich von Anfang an geglückt, mich von all dem Mütterwahnsinn, in dem man sich ununterbrochen Sorgen und Gedanken um seine Kinder machen muss, gar nicht erst anstecken zu lassen. Als besagte Mutter dann aber ihrer Sitznachbarin erklärte, dass Baby sei schon knapp ein halbes Jahr alt.. ich weiß nicht, ich fand es einfach völlig übertrieben. Väter sind doch nicht nur beim Kinder machen anwesend, sondern in Abständen auch zum Kinder groß ziehen. Oder ist mir mein Weltbild da gerade verrutscht?! Jedenfalls ist mir wegen dieser Geschichte (und einigen Anderen) ein Raum / eine Veranstaltung voller Mütter immer äußerst unangenehm. So bin ich einfach nicht. Und ich finde es furchtbar, mich immer nur über meine Kinder unterhalten zu müssen. Ich liebe meine Jungs und natürlich sind sie der Mittelpunkt meines Lebens, aber ich bin nicht nur Mutter, sondern auch nach wie vor Ich-selbst und ich interessiere mich für weit mehr, als nur für den begrenzten Tellerrand voller Mutterthemen.

Und es gibt noch zwei weitere Dinge die ich unter Müttern unheimlich anstrengend finde: Mütter die sich nicht kennen, setzen sich ganz automatisch gegenseitig unter Druck. Du bist auf dem Spielplatz und liest ein Buch (das an sich ist ja schon verpöhnt, deine Augen haben die ganze Zeit auf deinem Kind zu heften) und dein Kind jammert beim Rutschen, dann musst du sofort aufspringen, auch wenn gar nichts passiert ist. Und sollte es doch mal eine Schramme geben, wie konnte das passieren, warum standest du nicht neben der Rutsche und hast aufgepasst, du Rabenmutter? usw. Kurz gesagt, es wird gerichtet und geurteilt, man hat einfach keine Chance. Mitmachen oder ignorieren, keine Kompromissen. Sollte es dann aber doch mal vorkommen, dass man eine andere Mama wirklich mag, muss man erst recht aufpassen. Bloß nichts falsches sagen, was Kind / Erziehungsstil / Wertevermittlung / etc. betrifft, daran sind schon ganze Freundschaften zerbrochen. Leider ist es aber auch sehr selten, dass man sich in (fast) allen Punkten einig ist oder die Freundin-Mama bzw. man selber kritikfähig genug ist um mit dererlei Gesprächsstoff umgehen zu können, denn beim eigenen Kind werden Mütter zu Löwen, das kann man nicht abstellen.

Eine Kurklinik voller Mütter, in meiner Vorstellung meine ganz persönliche Vorhölle also. Goethe sagte einst: ¨Kinder brauchen Wurzeln und Flügel.¨ Ein Zitat, das auch meine Mami immer zu mir sagt(e). Die meisten Mütter verpassen aber die Abfahrt zu den Flügeln und überhäufen ihre Kinder mit den eigenen Sorgen und Ängsten um sie und leider merken diese Mütter es nicht einmal. Es tut mir nicht leid, dass ich nicht so bin. Ich liebe meine Kinder genau so sehr und mehr, aber ich traue ihnen auch eine Menge zu, so wie meine Mami das immer bei mir getan hat. Ich möchte meine Kinder nicht mit Ängsten erziehen, die ich vielleicht habe, sie aber nicht brauchen und das kommt dann oft falsch und unverstanden bei anderen Müttern an. Deswegen empfinde ich zu viele Mütter auf einen Haufen meist als anstrengend. ¨Jeder ist seiner eigene Hölle Schmied.¨, sagte mal jemand zu mir und das ist dann wohl meine Hölle ;-) Aber ich bin in meinem Denken nicht so festgefahren, dass ich mich nicht vom Gegeneil überzeugen lassen. (Hallo ihr entspannten Mamas zur Kur auf Usedom – hier bin ich! Lasst uns gemeinsam einen leckeren Kaffee am Strand trinken und Geschichten übers Leben austauschen, während unsere Kinder mit nassen Hosenbeinen nach Muscheln buddeln oder beim Möwen jagen das ganze Toastbrot selber auffuttern ohne, dass wir sie dabei alle fünf Minuten ermahnen. :-D)


Heute auf dem Speiseplan: Hirnsuppe à la britpott

Am Anfang des Jahres hatte ich mir fest vorgenommen, jede Woche mindestens einen Blogpost zu schreiben. Ein Unterfangen, welches mir nicht im Ansatz gelungen ist und worüber ich wirklich traurig bin. Das Schreiben hat mir schon sehr gefehlt. Ich fand, dass dieses Jahr noch schneller vorüber ging, als ich es von anderen Jahren gewohnt bin. Für mich ist in diesem Jahr viel passiert und ich hatte zahlreiche Möglichkeiten um neue Eindrücke und Impulse zu sammeln. Bei vielen Dingen die ich erlebt habe dachte ich mir im Nachhinein, dass ich darüber unbedingt etwas schreiben müsste, doch genau so oft dachte ich auch, dass ich es letztendlich doch nicht publizieren würde, weil sich mit Sicherheit irgendwer beim Lesen auf den sprichwörtlichen Schlips getreten fühlt. Meist fängt es schon bei kleinen Dingen an, das beste Beispiel dafür ist Facebook. Man postet einen Status, weil man gerade etwas angefressen ist und sich Luft machen will und erstaunlicherweise fühlen sich 75% der Freunde davon persönlich angesprochen, obwohl keiner von ihnen gemeint ist. Ich stelle mir die Auswirkungen vor, die ein Blogpost mit kritischem Inhalt hätte. Das ist der Nachteil, wenn man zu viel persönliche Erlebnisse und Gedanken in seinen Blog packen möchte. Ich finde es schwierig Dinge zu beschreiben, die man denkt und Wahrheiten auszusprechen, die man fühlt, ohne dabei jemandem auf die Füße zu treten. Aus diesem Grund sind viele Blogpostgedanken einfach auf der Strecke geblieben. Ich möchte niemandem auf die Füße treten aber ich weiß, dass meine Meinung manchmal hart erscheint und ich weiß auch, wie sehr Worte verletzten können. Umso mehr, wenn sich die falschen Leute davon angesprochen fühlen. Und noch weniger als jemanden zu verletzen, möchte ich mich jedes Mal für meine Meinung rechtfertigen müssen. Wie anstrengend. Dabei suche ich doch nur ein nettes Plätzchen, an dem ich meinen Gedankenmüll gefahrlos abladen kann. Also eigentlich ganz harmlos. Und so kam es, dass ich am Ende meine Gedanken in diesem Jahr lieber für mich behalten habe. Eine Alternative, Menschen und Erlebnisse so zu beschreiben und reflektieren, dass sich bestenfalls keiner angesprochen fühlt den ich kenne, habe ich nämlich bisher noch nicht gefunden.

Es geht mir nämlich nicht darum diese Dinge, über die ich mir Gedanken mache, zu ändern. Ich habe es mir nicht zur Aufgaben gemacht irgendwen zu missionieren. Doch es gibt eben Gedanken, die mich beschäftigen und um sie, sagen wir mal, zu verarbeiten und los zu werden, müssen sie aus meinem Kopf raus. Und warum schreibe ich dann nicht ein hübsches, geheimes Tagebuch und verstecke es nach dem Eintragen unter meinem Kopfkissen? Weil ich dann weiß, dass meine Gedanken nur ich kenne und das befriedigt das Gedankenkarussell leider überhaupt nicht. Ich habe es ausprobiert!

Vielleicht klingt es merkwürdig, aber der brittpott|blog war für mich der Anfang von etwas ganz neuem. Nachdem ich ein Kind bekommen hatte, war dieser Blog das Erste was ich wieder nur für mich gemacht habe. Es war das erste Mal, dass ich etwas getan habe, bei dem es nur um mich ging. Bei dem ich nicht Mama war. Wer selber Kinder hat wird verstehen was ich meine. Wenn man ein Kind bekommt gibt es viele Momente, in denen man sich denkt: Nun bin ich Mutter, habe ein Kind, trage Verantwortung, aber bin ich das wirklich? Kann ich das alles leisten? Wer bin ich eigentlich noch? Und was mache ich hier überhaupt? Als ich vor 3 Jahren anfing unter dem Alias „britpott“ zu schreiben, war das das erste Mal, dass ich mich intensiv damit auseinander gesetzt habe, welche Fähigkeiten und Interessen mir liegen. Ich wollte nicht einfach nur einen standardisierten Blog im Internet, auf dem ich sinn- und herzloses Zeug schrieb, sondern habe mir immer viele Gedanken über meine geschriebenen Worte, aber auch um Dinge wie Design und Layout gemacht. Dank meiner vielen Extrawünsche bot es sich außerdem an, im selben Atemzug auch meine Fähigkeiten (sagen wir mal zusammengefasst) am Computer, außerordentlich zu verbessern. Für eine Mama, die unwissentlich in eine Sinnkrise gerutsct war und nicht wusste was und wohin sie wollte, gar nicht mal so schlecht. Mein Blog stand dabei also nur am Anfang einer langen Kette von Veränderungen und Möglichkeiten.

Lange Rede, kurzer Sinn. Ich möchte nochmal betonen, dass es mir wirklich weh tat dieses Jahr (fast) gar nichts geschrieben zu haben. Manch einer wird sich denken, warum ich mich so anstelle, ist doch nur ein oller Blog, doch für mich hat er eben einen sehr ideellen Wert. Er repräsentiert einen Prozess, der sich unbewusst in meinem Leben abgespielt hat und es noch immer tut. Er steht für die Möglichkeiten, die ich habe und erinnert mich an die Fähigkeiten, die ich mir bereits aneignen oder ausbauen konnte. Anfangs haben nur wenige Leute meinen Blog regelmäßig gelesen, später wurden es mehr und irgendwann fingen meine Leser sogar an mir davon zu erzählen, wenn sie einen Blogpost gelesen hatten und ihn richtig gut fanden. Was will man mehr! Vielleicht klingt es blöd, aber wenn man sein erstes Kind bekommt, fühlt man sich eine Weile von der Außenwelt abgeschnitten, vor allem wenn die meisten Freunde noch keine Kinder haben. Man hat kaum gemeinsame Themen oder auch nur Zeit um sich zu treffen und muss sich erst wieder eine gemeinsame Grundlage schaffen und sehen, wie man sich mit den neuen Bedingungen im Freundeskreis positioniert. Und vor allem muss man für sich selber herausfinden, wie man mit der neuen Lebenssituation umgeht. Es gibt kein Handbuch darüber, wie du dich fühlen wirst, wenn du ein Kind bekommst, du weißt es erst wenn es soweit ist. Ich habe vorher nicht gewusst wie ich mich fühlen und was ich denken werde und auch symbolisch für diese Zeit steht der britpott|blog. Wenn es Zeiten gab, in denen ich überhaupt keine Lust / Energie / etc. hatte, um die Dinge zu tun, die ich tun musste, in Zeiten, in denen ich daran zweifelte, ob ich mich richtig entschieden hatte, Zeiten in denen ich mich fragte, ob es jemals wieder anders werden würde, wenn ich nicht mehr wusste, ob ich auch nur einen Schritt weiter gehen kann, dann habe ich das alles für eine kurze Zeit von mir geschoben und stattdessen an diesem Blog gearbeitet.

Vielleicht wirkt mein Blogpost heute etwas theatralisch, aber ich wollte unbedingt erklären, warum mein Herzblut an diesem Blog hängt und warum es mir so wichtig ist, den gequirlten Mist aus meinem Kopf in das große, weite Netz zu schütten. So ein Kopf ist ein verdammt kleiner Ort, wenn man so viele Gedanken gesammelt hat wie ich. Ich weiß nicht ob ich es nächstes Jahr besser hinbekomme. Aber ich werde mein Bestes geben und sollte ich scheitern, wird mir vermutlich eines Tages, ohne Vorwarnung, der Kopf platzen.