#Wortreich – Letztendlich sind wir dem Universum egal (David Levithan)

Das habe ich schon zu oft erlebt. Diese völlig unangebrachte Unterwürfigkeit. Diese Unterdrückung der Furcht, mit dem Falschen zusammen zu sein – aus Furcht davor, sonst allein sein zu müssen. Die Hoffnung gefärbt von Zweifel, der Zweifel gefärbt von Hoffnung.

Die Beständigkeit der Liebe betrachten die Menschen als ebenso selbstverständlich wie die Beständigkeit ihres Körpers. Ihnen ist nicht klar, dass die Liebe von der permanenten Gegenwart lebt. Ist das gegeben, hat man ein zusätzliches Fundament im Leben. Wenn man das aber nicht haben kann, bleibt einem immer nur das eine Fundament.

»Es gibt vieles, was dich an einer Beziehung festhalten lässt«, sage ich. »Die Furcht vorm Alleinsein. Die Angst, das Leben über den Haufen zu werfen, in dem du dich eingerichtet hast. Der Entschluss, dich mit etwas zu begnügen, das okay ist, weil du nicht weißt, ob es noch besser werden kann. Oder vielleicht auch gegen alle Vernunft zu glauben, dass es schon noch besser werden wird, obwohl du weißt, dass er sich nicht ändern wird.«

Ich rüste mich für die Baptistenvariante und versuche, mir ins Gedächtnis zu rufen, was sie von anderen Gottesdiensten unterscheidet, an denen ich schon teilgenommen habe.
Das waren im Lauf der Jahre wahrhaftig nicht wenige. Und jeder einzelne davon bestärkt mich nur weiter in meinem Eindruck, wonach all die verschiedenen Religionen sehr viel mehr gemeinsam haben, als sie gern zugeben möchten. Die Überzeugungen sind fast immer die gleichen; nur die Geschichte, die jeweils dahintersteht, ist eine andere. Jeder will an eine höhere Macht glauben. Jeder will Teil einer Gemeinschaft sein, die größer ist als der Einzelne. Die Gläubigen suchen nach einem Ansporn, um sich auf die Seite des Guten zu schlagen, das ihrer Meinung nach auf Erden herrschen soll. Sie möchten ihren Glauben und ihre Zugehörigkeit durch Rituale und unbedingte Ergebenheit unter Beweis stellen können. Sie wollen an das Ungeheuerliche rühren.
Erst in den Feinheiten wird es kompliziert und kontrovers – wenn die Mehrheit sich schwertut anzuerkennen, dass wir achtundneunzig Prozent miteinander gemeinsam haben, ganz gleich, welcher Religion, Rasse oder Geschlecht wir angehören und woher wir kommen. Ja, zwischen Männern und Frauen gibt es biologische Unterschiede, aber prozentual betrachtet ist da gar nicht mal so viel anders. Die Unterscheidung nach Rassen ist ein rein gesellschaftliches Konstrukt und nicht von Natur aus gegeben. Und was die Religion angeht – ob man nun an Gott glaubt, an Jahwe, Allah oder sonst was, letztlich geht es doch um das Gleiche. Aus unerfindlichen Gründen konzentrieren wir uns gern auf die zwei Prozent, in denen wir uns unterscheiden, und daraus resultieren die meisten Konflikte in der Welt.

Manche meinen, psychische Erkrankungen hätten mit Stimmungen zu tun, mit Fragen der Persönlichkeit. Sie glauben, Depression sei lediglich eine Form von Traurigkeit, und Zwangsneurotiker seien einfach irgendwie verkrampft. Sie glauben, die Seele sei krank und nicht etwa der Körper. Es sei etwas, so meinen sie, worüber man bis zu einem gewissen Grad selbst entscheidet.
Ich weiß, wie falsch das ist. […]
Ja, die Gefühle selbst waren ungreifbar, formlos, aber ihr Ursprung war chemischer und biologischer Natur. Diesen Kreislauf kann man nur schwer durchbrechen. Der Körper arbeitet gegen dich. Und das steigert deine Verzweiflung nur umso mehr. Was wiederum das Ungleichgewicht noch krasser macht. Man braucht enorme Stärke, um das auszuhalten.

An diesem unserem Nachmittag will ich versuchen, Rhiannon die Erfüllung spüren zu lassen, die man ganz mit sich allein haben kann. Kein träges Rumfaulenzen auf der Couch, kein Wegdösen in ewig gleichen, öden Mathestunden. Kein Herumgeistern in einem schlafenden Haus um Mitternacht, kein trauriges Zurückbleiben in einem Zimmer, dessen Tür krachend ins Schloss gefallen ist. Dieses Alleinsein hat mit all jenen Formen nichts zu tun. Dieses Alleinsein besteht um seiner selbst willen. Du spürst den Körper, benutzt ihn aber nicht, um dein Hirn auszuschalten. Deine Bewegungen haben ein Ziel, aber keine Eile. Du sprichst nicht mit deinem Nebenmann, sondern mit allen Elementen. Schwitzt und plagst dich und kletterst und siehst zu, dass du nicht ausrutschst, nicht fällst, dich nicht verirrst und dich doch ein gutes Stück verlierst.
Und am Ende das Innehalten. Auf dem Gipfel, der Ausblick. Das Ringen mit der letzten, steilen Steigung, den letzten Windungen des Pfads, und dann ist man auf einmal über alles erhaben. Nicht, dass der Ausblick besonders spektakulär wäre. Wir stehen schließlich nicht auf dem Mount Everest. Aber trotzdem, da sind wir nun, auf dem höchsten Punkt weit und breit, abgesehen von den Wolken, dem Himmel, der trägen Sonne.

Was auch immer geschieht, sie ist diejenige, der ich davon erzählen möchte. Das elementarste Anzeichen dafür, dass es sich um Liebe handelt.

Ich wollte, dass die Liebe alles überwindet. Doch das kann sie nicht. Sie kann nichts aus sich heraus tun. Es liegt an uns, in ihrem Namen alles zu überwinden.

Wobei ein Teil dessen, was ihn als Person so überzeugend macht, seine Beständigkeit ist – die Fähigkeit, tagaus und tagein für andere da zu sein. Seine Freunde verlassen sich auf ihn, und er verlässt sich auf sie – das simple Gleichgewicht, das im Leben so vielem zugrunde liegt.

Jeder Mensch steckt voller Möglichkeiten. Hoffnungslose Romantiker empfinden das am stärksten so, doch auch andere leben davon, in jedem Menschen seine Möglichkeiten zu sehen. Und je mehr ich von Alexander zu sehen bekomme, gespiegelt in den Reaktionen seiner Umwelt, desto mehr wird er zu einer Möglichkeit. Sie gründet auf den Dingen, die mir am wichtigsten sind. Herzensgüte. Kreativität. Verbundenheit mit der Welt. Verbundenheit mit den Menschen um ihn herum, und mit ihren Möglichkeiten.

Die Uhr tickt immer. Manchmal hört man es nicht, und manchmal schon.

Wenn man ins Universum starrt, ist sein Mittelpunkt nur Kälte. Und Leere. Letztendlich sind wir dem Universum egal. Dem Universum und der Zeit.
Deswegen dürfen wir einander nicht egal sein.

* Was ist Wortreich?


#Wortreich – Das also ist mein Leben (Stephen Chbosky)

Das also ist mein Leben. Und ich will, dass Du weißt, ich bin glücklich und traurig zugleich und versuche noch immer herauszufinden, wie das eigentlich sein kann.

»Hat dir denn irgendwer jemals erklärt, wie das so läuft, Charlie?«
»Ich glaube nicht.«
»Also, es gibt da ein paar Regeln, an die du dich hältst. Nicht, weil du’s willst, sondern weil du’s musst. Kapiert?«
Ich nickte.
»Okay. Also, Mädchen zum Beispiel machen ihre Mütter und Magazine und alles Mögliche nach, um zu wissen, wie sie sich Männern gegenüber verhalten sollen.«
Ich dachte an die Mütter und an die Magazine und an »alles Mögliche«, und der Gedanke machte mich nervös, vor allem wenn »alles Mögliche« auch Fernsehen mit einschloss.
»Ich meine, es ist nicht so wie in den Filmen, wo die Mädchen auf irgendwelche Arschlöcher stehen. So einfach ist es nicht. Sie wollen jemanden, der den Dingen Sinn verleiht.«
»Sinn?«
»Genau. Weißt du, Mädchen mögen es, wenn Jungs eine Herausforderung sind. Das gibt ihnen so eine Art Richtung vor. Was würde etwa eine Mutter machen, wenn sie kein Theater veranstalten und einen nicht zum Aufräumen verdonnern könnte? Und was würdest du machen, wenn sie kein Theater veranstalten und dich nicht zum Aufräumen verdonnern würde? Jeder braucht eine Mutter. Und eine Mutter weiß das. Und das verleiht ihr einen Sinn. Kapiert?«
»Ja«, sagte ich, obwohl ich es nicht kapierte. Ich kapierte aber genug, um »Ja« zu sagen, ohne zu lügen.
»Es ist einfach so: Manche Mädchen glauben, dass sie die Jungs ändern könnten. Und das Komische ist, wenn sie es wirklich schaffen würden, würde es sie langweilen. Sie hätten keine Herausforderung mehr. Du musst den Mädchen einfach etwas Zeit lassen, ihre Rolle zu finden, das ist alles. Ein paar haben den Dreh gleich raus. Andere später. Manche auch nie. Ich würde mir darüber nicht zu sehr den Kopf zerbrechen.«
Das tat ich aber. Und tue es, seit er mir das alles erzählt hat. Ich sehe Leute Händchen halten und denke darüber nach, wie das alles funktioniert. Auf den Schulbällen sitze ich hinten und wippe mit dem Fuß und frage mich, wie viele Pärchen gerade zu »ihrem Lied« tanzen. Auf den Gängen sehe ich die Mädchen die Jacken ihrer Freunde tragen und denke über »Besitz« nach. Und ich frage mich, ob irgendwer dabei wirklich glücklich ist. Ich hoffe schon. Ich hoffe es wirklich.

»Denkst du immer so viel nach, Charlie?«
»Ist das schlimm?« Ich wollte wirklich nur, dass mir jemand die Wahrheit sagte.
»Nicht unbedingt. Manchmal denken Menschen aber so viel nach, um nicht am Leben teilnehmen zu müssen.«
»Ist das schlimm?«
»Ja.«

Wir nehmen die Liebe an, von der wir glauben, dass wir sie verdienen.

Normalerweise laufe ich zu Fuß von der Schule heim – es gibt mir das Gefühl, es wirklich verdient zu haben.

»Aber ich liebe ihn!« Ich hatte meine Schwester noch nie so weinen sehen.
»Nein, tust du nicht.«
»Ich hasse dich!«
»Nein, tust du nicht.« Mein Vater kann manchmal beängstigend ruhig sein.
»Er ist alles, was ich habe.«
»Sag das nie wieder über jemanden. Nicht mal über mich.« Das war meine Mutter, die das sagte.
[…]
»Ich hasse dich.«
Sie sagte es anders als zu Dad. Bei mir meinte sie es wirklich so.
»Ich hab dich lieb«, war alles, was mir als Antwort einfiel.
»Du bist echt gestört, weißt du das? Du warst immer schon gestört. Jeder sagt das.«
»Ich versuche ja, es nicht zu sein.«
Dann wandte ich mich ab und ging auf mein Zimmer und schloss die Tür und legte mir das Kissen auf den Kopf und ließ die Stille alles wieder dorthin räumen, wo es hingehörte.

Nicht jeder hat eine traurige Geschichte zu erzählen und selbst wenn, ist es noch keine Entschuldigung.

Lieber Freund, es tut mir leid, dass ich länger nicht geschrieben habe, aber ich habe versucht, »teilzunehmen«, wie Bill es genannt hat. Es ist komisch, manchmal lese ich ein Buch und glaube, ich bin die Menschen in diesem Buch. Und wenn ich Briefe schreibe, dann denke ich die nächsten zwei Tage darüber nach, was ich mit den Briefen gemeint habe. Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist. Auf jeden Fall versuche ich, teilzunehmen.

»Ich fühle mich grenzenlos«, sagte ich.
Und Sam und Patrick sahen mich an, als hätte ich gerade das Beste gesagt, was sie jemals gehört hatten. Weil der Song so großartig war und wir alle ganz genau zugehört hatten. Fünf Minuten unseres Lebens waren wirklich gelebt worden, und wir fühlten uns auf eine gute Art und Weise jung.

Jedenfalls, ich habe mir überlegt, dass ich vielleicht schreiben will, wenn ich erwachsen bin. Ich weiß nur noch nicht, was.

Ich weiß nicht, ob es besser ist, seine Kinder einfach gut zu behandeln und sie selbst entscheiden zu lassen, was sie mit ihrem Leben anfangen. Ich weiß nicht, ob es besser ist, sich mit seiner Tochter einfach gut zu verstehen, statt sie dazu zu zwingen, ein besseres Leben zu führen als man selbst. Ich weiß es nicht.

Ich glaube, es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich das Gefühl hatte, »gut« auszusehen. Weißt Du, was ich meine? Dieses wunderbare Gefühl, wenn man in den Spiegel schaut, und zum ersten Mal im Leben liegt das Haar so, wie es sein soll. Eigentlich sollten wir ja nicht so viel Wert auf Gewicht, auf Muskeln oder auf den Haarschnitt legen, aber wenn das alles einmal passt, ist es einfach schön.

Hast Du Dich je so gefühlt? Dass Du tausend Jahre lang schlafen willst. Oder gar nicht mehr existieren willst. Oder Dir einfach nicht bewusst sein willst, dass Du existierst …Vermutlich ist es ziemlich krank, sich das zu wünschen, aber wenn es mir so geht wie jetzt, dann wünsche ich es mir. Deshalb versuche ich ja, mir nicht den Kopf zu zerbrechen. Ich will nur, dass sich alles zu drehen aufhört.

Lieber Freund, es geht mir richtig gut. Ehrlich! Das muss ich mir für das nächste Mal merken, wenn ich wieder eine schlimme Woche habe. Kennst Du das? Es geht Dir sehr schlecht, und dann ist es plötzlich vorbei, und Du weißt nicht einmal, warum. Wenn es mir so gut geht, versuche ich, daran zu denken, dass irgendwann auch wieder eine schlimme Woche kommen wird, und mir so viel Gutes wie möglich zu merken – sodass ich mich während der schlimmen Woche daran erinnern und mir immer wieder sagen kann, dass es mir wieder besser gehen wird. Es funktioniert nicht jedes Mal, aber es ist wichtig, es immer wieder zu probieren.

Am Schluss verglich das Magazin den Sänger [Kurt Kobain] noch mit John Lennon. Ich habe das Sam erzählt, und sie hat sich richtig aufgeregt. Sie sagte, wenn überhaupt, könne man ihn mit Jim Morrison vergleichen, aber eigentlich könne man ihn mit niemandem vergleichen – er sei eben er selbst. Nach der Rocky Horror Picture Show waren wir alle im Big Boy, und das, worüber ich mit Sam gesprochen hatte, setzte eine riesige Diskussion in Gang.
Craig sagte, das Problem sei, dass jeder immer alles mit allem vergleiche, und das setze die Menschen herab, so wie in seinen Fotokursen.
Bob sagte, es läge an unseren Eltern – die würden sich an ihre Jugend klammern und darunter leiden, sich mit nichts mehr auszukennen.
Patrick sagte, es sei schwer, überhaupt irgendetwas Neues zu machen, weil alles irgendwann schon einmal gemacht wurde. Niemand könne heute mehr so groß rauskommen wie die Beatles, weil die Beatles einen »Kontext« geschaffen hätten. Die Beatles seien damals so groß rausgekommen, weil es niemanden gab, mit dem sie sich messen mussten – sie konnten machen, was sie wollten.
Sam sagte, dass heutzutage spätestens nach dem zweiten Album einer Band immer irgendwer einen Vergleich zu den Beatles zöge, und von da an hätte die Band es echt schwer, noch ihre eigene Stimme zu finden.
»Was sagst du dazu, Charlie?«
Ich wusste nicht mehr genau, wo ich es gehört oder gelesen hatte. Vielleicht in »Diesseits vom Paradies« von F. Scott Fitzgerald. Gegen Ende des Buches trifft der junge Mann, um den es geht, einen älteren Mann. Sie sind beide auf dem Weg zu einem großen Homecoming-Spiel und unterhalten sich miteinander. Der ältere Mann ist »arriviert«, der jüngere schon etwas »verlebt«.
Sie unterhalten sich also, und es wird klar, dass sich der Jüngere als eine Art Idealist sieht. Er spricht von seiner »rastlosen Generation« und so etwas. Er sagt: »Dies ist keine Zeit für Helden, denn niemand wird das mehr zulassen. « Das Buch spielt in den Zwanzigerjahren, was großartig ist, denn dieselbe Unterhaltung könnte auch heute im Big Boy stattfinden. Vermutlich ist das auch unseren Eltern schon so gegangen und unseren Großeltern – und nun passierte es eben mit uns.
Jedenfalls sagte ich, dass das Magazin diesen Sänger jetzt zum Helden macht, dass dafür irgendwann einmal aber irgendjemand etwas ausgraben wird, was ihn nicht mehr wie einen Menschen erscheinen lässt. Und ich fragte mich, wieso eigentlich, denn für mich war er einfach nur ein Mann, der Songs schrieb, die einer Menge Leute gefielen, und ich fand das völlig ausreichend. Vielleicht war das ja Unsinn, was ich sagte – aber alle am Tisch begannen, darüber zu reden. […] Es kam nicht unbedingt viel dabei heraus, aber es fühlte sich gut an, zusammenzusitzen und über unsere Rolle in alldem zu diskutieren. Ich dachte an Bill, der mir gesagt hatte, dass ich »teilnehmen« sollte. Ich bin ja auch zum Homecoming-Ball gegangen, aber das hier machte viel mehr Spaß. Besonders wenn man sich vorstellte, dass überall auf der Welt Menschen ähnliche Gespräche führten.

Ich weiß, dass ich mir das alles selbst zuzuschreiben habe. Ich weiß, dass ich es verdiene. Ich würde alles tun, um nicht so zu sein. Ich würde alles tun, um es wieder gut zumachen. […] Ich wünschte einfach nur, Gott oder meine Eltern oder Sam oder meine Schwester oder irgendwer würde mir sagen, was mit mir nicht stimmt. Mir sagen, wie ich mich verhalten soll, damit das alles Sinn ergibt. Damit das alles vorübergeht. Ich weiß, dass ich nicht so denken soll, weil es ja meine Verantwortung ist, und ich weiß, dass alles erst schlimmer wird, bevor es besser wird, weil das mein Psychiater gesagt hat – aber allmählich kann ich nicht mehr.

Sondern weil sich die Dinge eben ändern. Weil Freunde einen verlassen. Weil das Leben für niemanden eine Ausnahme macht.

Ich glaube, der Gedanke dahinter ist, dass jeder Mensch sich um sein eigenes Leben kümmern muss – erst dann kann er es mit anderen teilen. Vielleicht ist es das ja, was Menschen »teilnehmen« lässt, aber ich bin mir nicht sicher.

Es ist schon komisch, welchen Zeitpunkt sich die Leute manchmal aussuchen, nett zu einem zu sein.

Ich habe keine Ahnung, was mit mir nicht stimmt. Es ist, als ob ich nichts anderes tun könnte, als diesen Unsinn zu schreiben, damit ich nicht auseinanderbreche. […] Ich habe keine Ahnung, was ich jetzt machen soll. Ich weiß, dass manche Menschen es viel schwerer haben. Ich weiß das, aber es bricht trotzdem über mich herein, […] Ich gäbe alles, nicht daran zu denken. Ich weiß, dass ich wieder zu schnell denke und alles nur in meinem Kopf ist, so wie die Trance, es ist aber da, und es will nicht mehr weggehen.

Ein Mensch, dem es nichts ausmacht, Briefe von irgendeinem Jungen zu bekommen. Ein Mensch, der versteht, wieso das besser ist als ein Tagebuch – weil so Verbundenheit entsteht, und außerdem können Tagebücher gefunden werden.

Und so denke ich, dass wir aus ganz vielen Gründen sind, wer wir sind. Und vielleicht werden wir die meisten davon nie erfahren. Aber auch, wenn wir uns nicht aussuchen können, woher wir kommen, können wir doch immer noch wählen, wohin wir gehen. Wir können immer noch unsere Entscheidungen treffen. Und versuchen, glücklich mit ihnen zu sein.
Ich glaube, wenn ich jemals Kinder habe und sie einmal wegen etwas unglücklich sind, dann werde ich ihnen nicht erzählen, dass in China die Menschen verhungern oder etwas in der Art, denn das würde ja nichts daran ändern, dass sie unglücklich sind. Selbst, wenn andere es noch schwerer haben, ändert das doch nichts daran, dass man hat, was man eben hat – Gutes und Schlechtes. […] Vielleicht ist es gut, die Dinge aus der richtigen Perspektive zu sehen. Aber manchmal denke ich, die einzig richtige Perspektive ist die, einfach da zu sein. Wie Sam es gesagt hatte. Einfach zu fühlen. Und mit sich im Reinen zu sein.

Ich dachte an Patrick, der mich seinen Freund genannt hatte. Und ich dachte an Sam, die mir gesagt hatte, dass ich etwas »tun« sollte. Wirklich da sein. Und ich dachte, wie wunderbar es war, Freunde zu haben, und eine Familie. […] Und ich war wirklich da. Und das war genug, um mich grenzenlos zu fühlen.

* Was ist Wortreich?


#Wortreich – Das Schicksal ist ein mieser Verräter (John Green)

„Und ich, also, ich esse kein Fleisch.“
„Kein Problem. Wir machen ein paar vegetarische“, sagte sie.
„Findest du Tiere zu niedlich zum Essen?“, fragte Gus.
„Ich will die Zahl der Tode, für die ich verantwortlich bin, möglichst klein halten“, sagte ich.

Manchmal liest man ein Buch, und es erfüllt einen mit diesem seltsamen Missionstrieb, und du bist überzeugt, dass die kaputte Welt nur geheilt werden kann, wenn alle Menschen dieser Erde dieses eine Buch gelesen haben. Und dann gibt es Bücher wie Ein herrschaftliches Leiden, über die du mit niemandem reden willst, weil das Buch so besonders und kostbar und so persönlich für dich ist, dass darüber zu reden sich wie Verrat anfühlt. Es war keine wahnsinnig hohe Literatur oder so was; aber der Autor, Peter Van Houten, schien mich auf eine merkwürdige, unmögliche Art zu verstehen. Ein herrschaftliches Leiden war mein Buch, genau wie mein Körper mein Körper war und meine Gedanken meine Gedanken.

„Manchmal wissen die Leute nicht, was sie versprechen, wenn sie es versprechen“, sagte ich.
Isaac sah mich an. „Ja, klar. Aber man muss sein Versprechen trotzdem halten. Genau das ist doch Liebe. Liebe ist, das Versprechen trotzdem zu halten. Glaubst du nicht an wahre Liebe?“
Ich antwortete nicht. Ich hatte keine Antwort. Aber ich dachte, falls es wirklich wahre Liebe gab, war das eine ziemlich gute Definition dafür.

Du bist so vertieft darin, du zu sein, dass du keine Ahnung hast, wie absolut nie da gewesen du bist.

Während er las, verliebte ich mich in ihn, so wie man in den Schlaf gleitet: langsam zuerst und dann rettungslos.

„Warum isst man eigentlich immer nur Frühstückssachen zum Frühstück?“, fragte ich. „Ich meine, warum gibt es bei uns zum Beispiel nie Curry zum Frühstück?“ […] „Mal im Ernst: Wie kommt es, dass es Rührei immer nur zum Frühstück gibt? Schinken kann man jederzeit auf ein Brötchen legen. Aber sobald man ein Ei drauflegt, zack, ist es Frühstück.“
Mein Vater antwortete mit vollem Mund. „Wenn du zurückkommst, machen wir Frühstück zum Abendessen. Abgemacht?“
„Ich will kein Frühstück zum Abendessen“, antwortete ich und kreuzte das Besteck auf meinem fast vollen Teller. „Ich will Rührei zum Abendessen, ohne die lächerliche Annahme, dass eine Mahlzeit, in der ein Rührei vorkommt, Frühstück ist, selbst wenn es abends serviert wird.“
„Du musst wissen, wofür es sich zu kämpfen lohnt in dieser Welt“, sagte meine Mutter. „Aber wenn du dich wirklich für diese Sache starkmachen willst, stehen wir natürlich hinter dir.“
„Ziemlich weit hinter dir“, sagte Dad, und Mom lachte.
Trotzdem, auch wenn ich wusste, dass es albern war, hatte ich irgendwie Mitleid mit Rührei.
[…]
Als sich die Bänke vor dem Gate langsam füllten, sagte Augustus: „Ich hol mir einen Hamburger, bevor wir abfliegen. Kann ich euch was mitbringen?“
„Nein“, sagte ich. „Aber ich begrüße deine Weigerung, dich den gängigen Frühstückskonventionen zu beugen.“
Er legte den Kopf schief und sah mich verständnislos an.
„Hazel setzt sich gegen die Ghettoisierung von Rührei ein“, erklärte Mom.
„Es ist doch peinlich, dass wir alle blind durchs Leben gehen und einfach so akzeptieren, dass Rührei ausschließlich mit der Morgenmahlzeit assoziiert wird.“
„Darüber würde ich gern ausführlicher mit dir reden“, sagte Augustus. „Aber jetzt bin ich am Verhungern. Ich bin gleich wieder da.“
[…]
„Das mit den Eiern“, sagte er, „andererseits verleiht die Frühstückisierung den Eiern eine gewisse Heiligkeit, oder? Käse oder Speck kann man immer haben, auf Tacos, zum Frühstück, zum Abendessen, aber Rührei – Rührei hat viel mehr Bedeutung.“
„Lachhaft“, sagte ich. […] „Ich meine nur: Vielleicht wird Rührei ghettoisiert, aber immerhin bekommt es eine Sonderbehandlung. Rührei hat seinen Platz und seine Zeit, wie die Kirche.“
„Du liegst vollkommen falsch“, entgegnete ich. „Du lässt dich von den Kreuzstichgefühlsduseleien auf den Sofakissen deiner Eltern kaufen. Du argumentierst, dass das zerbrechliche Seltene nur schön ist, weil es zerbrechlich und selten ist. Aber das ist eine Lüge, und das weißt du auch.“
„Es ist ziemlich schwer, es dir recht zu machen“, sagte Augustus.
„Es mir recht zu machen ist mir nicht recht“, gab ich zurück.

Ich liebe dich, und es gehört nicht zu meiner Geschäftspolitik, mir einfache Freuden wie das Aussprechen von Wahrheiten zu versagen. Ich liebe dich, und ich weiß, dass Liebe nichts als ein Ruf in die Wüste ist und dass das Vergessen unvermeidbar ist und dass wir alle Verdammte sind und dass ein Tag kommt, wenn all unsere Werke zu Staub zerfallen, eine Zeit, wenn sich niemand daran erinnert, dass es einst Kreaturen gab, die in selbst gebauten Maschinen geflogen sind, und ich weiß, dass die Sonne die einzige Erde, die wir je haben, irgendwann verschlucken wird, und ich liebe dich.

Es gibt da so ein Schema, das sich die maslowsche Bedürfnispyramide nennt. Dieser Kerl namens Abraham Maslow wurde mit der Theorie berühmt, dass gewisse Bedürfnisse gestillt sein müssen, bevor man andere Bedürfnisse haben kann. Die Pyramide sieht so aus:

mbp
Maslows Bedürfnispyramide (1943)
Erst nachdem das Bedürfnis nach Essen und Trinken gestillt ist, landet man auf der nächsten Stufe und kann die nächsten Bedürfnisse haben, und dann wieder auf der nächsten und der nächsten. Aber das Wichtige ist, behauptet Maslow, bevor nicht die körperlichen Grundbedürfnisse gestillt sind, sei man überhaupt nicht in der Lage dazu, sich über Sicherheit oder soziale Bedürfnisse den Kopf zu zerbrechen, geschweige denn über Selbstverwirklichung, womit gemeint ist, Kunst zu schaffen oder sich Gedanken über Moral oder Quantenphysik und so weiter zu machen. Nach Maslow steckte ich auf der zweiten Stufe der Pyramide fest, und da mein Bedürfnis nach körperlicher Unversehrtheit nicht gestillt werden konnte, hätte ich überhaupt nicht in der Lage sein dürfen, nach Liebe und Respekt und Kunst oder so was zu streben, was natürlich vollkommener Blödsinn ist: Das Bedürfnis, Kunst zu schaffen oder über Philosophie nachzudenken, verschwindet nicht, wenn einem andere Bedürfnisse verweigert werden. Es wird durch das ungestillte Bedürfnis nur verklärt.

Während die Masse Mensch ihr Leben unhinterfragt dem stumpfsinnigen Konsum widmete…

Ich finde nicht, dass Resignation ehrlich ist. Ich weigere mich, das zu akzeptieren.

Ich dachte immer, wenn man mal erwachsen ist, wüsste man, was man glaubt, aber das ist nicht meine Erfahrung.

Du musst ihnen einfach das Gefühl der Selbstgerechtigkeit nehmen, indem du die Sache so rumdrehst, dass sie denken, sie würden was Verbotenes, wenn sie zusehen, wie ihr Wagen mit Eiern beworfen wird. Damit verwirrst du sie, und sie kriegen Angst und verkriechen sich kleinlaut in ihrem kleinen armseligen Leben.

Manchmal scheint es, als würde es das Universum darauf anlegen, von uns bemerkt zu werden. Das ist es, was ich glaube. Ich glaube, dass das Universum bemerkt werden will. Ich glaube, das Universum ist unwahrscheinlich parteiisch, was das Bewusstsein angeht. Ich glaube, dass es Intelligenz belohnt, weil es ihm schmeichelt, wenn seine Eleganz erkannt wird. Und wer bin ich, der mitten in der Geschichte lebt, dem Universum zu sagen, dass es – oder meine Wahrnehmung von ihm – vergänglich ist?
[…]
Dann saßen wir eine lange Zeit einfach nur schweigend da, was in Ordnung war, und ich dachte an den Tag vor langer, langer Zeit, ganz am Anfang, in Jesus’ buchstäblichem Herzen, als Gus uns sagte, dass er sich vor dem Vergessen fürchtete, und ich ihm sagte, dass er sich vor etwas Allumfassendem und Unausweichlichem fürchtete und dass das eigentliche Problem weder das Leiden noch das Vergessen war, sondern die elende Bedeutungslosigkeit, der vollkommen unmenschliche Nihilismus des Leidens. Ich dachte daran, was mein Vater gesagt hatte, dass das Universum bemerkt werden wolle. Dabei war es genau umgekehrt, wir wollen vom Universum bemerkt werden, wir wollen nicht, dass das Universum sich eine Bohne darum schert, wie es uns ergeht, nicht um die kollektive Idee eines fühlenden Lebens, sondern um jeden Einzelnen von uns als Individuum.
[…]
Ich konnte ihnen nicht sagen, was ich dachte, weil es mir kitschig vorkam, aber ich dachte daran, dass das Universum bemerkt werden wollte und dass ich ihm so viel Aufmerksamkeit schenken musste, wie ich konnte. Ich hatte das Gefühl, ich schuldete dem Universum etwas, und ich konnte es ihm nur durch Achtsamkeit zurückzahlen; und außerdem schuldete ich jedem etwas, der kein Mensch mehr sein durfte, und jedem, der noch kein Mensch war. Im Prinzip das, was mein Vater gesagt hatte.

Aber ich würde es nie wieder mit eigenen Augen sehen, und mir kam der Gedanke, dass die gefräßige menschliche Sehnsucht nie gestillt wird, wenn Träume wahr werden, weil sich immer sofort der Gedanke einstellt, es könnte alles noch besser und öfter passieren.

Wir können dem Universum genauso gut schaden wie helfen, und wahrscheinlich liegt keins von beiden in unserer Macht.

Jedenfalls sind die wahren Helden nicht die Leute, die Sachen tun; die wahren Helden sind die, die Dinge BEMERKEN, die AUFMERKSAM sind. Der Typ, der die Pockenimpfung erfunden hat, hat eigentlich nichts neu erfunden. Er hat nur bemerkt, dass Leute mit Kuhpocken keine echten Pocken bekamen.

Man kann sich nicht aussuchen, ob man verletzt wird auf dieser Welt, aber man kann ein bisschen mitbestimmen, von wem.

* Was ist Wortreich?


#Wortreich – Der Kleine Prinz (Antoine de Saint-Exupéry)

„Nein“, sagte der kleine Prinz, „ich suche Freunde. Was heißt ‘zähmen’?“
„Zähmen, das ist eine in Vergangenheit geratene Sache“, sagte der Fuchs. „Es bedeutet: sich ‘vertraut machen’.“
„Vertraut machen?“
„Gewiss“, sagte der Fuchs. „Noch bist du für mich nichts als ein kleiner Junge, der hunderttausend kleinen Jungen völlig gleicht. Ich brauche dich nicht, und du brauchst mich ebenso wenig. Ich bin für dich nur ein Fuchs, der hunderttausend Füchsen gleicht. Aber wenn Du mich zähmst, werden wir einander brauchen. Du wirst für mich einzig sein in der Welt. Ich werde für dich einzig sein in der Welt …“
„Ich beginne zu verstehen“, sagte der kleine Prinz.
[…]
Aber der Fuchs kam auf seinen Gedanken zurück: „Mein Leben ist eintönig. Ich jage Hühner, die Menschen jagen mich. Alle Hühner gleichen einander, und alle Menschen gleichen einander. Ich langweile mich also ein wenig. Aber wenn du mich zähmst, wird mein Leben wie durchsonnt sein. Ich werde den Klang deines Schrittes kennen, der sich von allen andern unterscheidet. Die anderen Schritte jagen mich unter die Erde. Der deine wird mich wie Musik aus dem Bau locken. Und dann schau! Du siehst da drüben die Weizenfelder? Ich esse kein Brot. Für mich ist der Weizen zwecklos. Die Weizenfelder erinnern mich an nichts. Und das ist traurig. Aber du hast weizenblondes Haar. Oh, es wird wunderbar sein, wenn du mich einmal gezähmt hast! Das Gold der Weizenfelder wird mich an dich erinnern. Und ich werde das Rauschen des Windes im Getreide lieb gewinnen.“ Der Fuchs verstummte und schaute den kleinen Prinzen lange an: „Bitte … zähme mich!“ sagte er.
„Ich möchte wohl“, antwortete der kleine Prinz, „aber ich habe nicht viel Zeit. Ich muss Freunde finden und viele Dinge kennen lernen.“
„Man kennt nur die Dinge, die man zähmt“, sagte der Fuchs. „Die Menschen haben keine Zeit mehr, irgendetwas kennen zu lernen. Sie kaufen sich alles fertig in den Geschäften. Aber da es keine Kaufläden für Freunde gibt, haben die Leute keine Freunde mehr. Wenn du einen Freund willst, so zähme mich!“
„Was muss ich da tun?“ sagte der kleine Prinz.
„Du musst sehr geduldig sein“, antwortete der Fuchs. „Du setzt dich zuerst ein wenig abseits von mir ins Gras. Ich werde dich so verstohlen, so aus dem Augenwinkel anschauen, und du wirst nichts sagen. Die Sprache ist die Quelle der Missverständnisse. Aber jeden Tag wirst du dich ein bisschen näher setzen können …“
Am nächsten Morgen kam der kleine Prinz zurück. „Es wäre besser gewesen, du wärst zur selben Stunde wiedergekommen“, sagte der Fuchs. „Wenn du zum Beispiel um vier Uhr nachmittags kommst, kann ich um drei Uhr anfangen, glücklich zu sein. Je mehr die Zeit vergeht, umso glücklicher werde ich mich fühlen. Um vier Uhr werde ich mich schon aufregen und beunruhigen; ich werde erfahren, wie teuer das Glück ist. Wenn du aber irgendwann kommst, kann ich nie wissen, wann mein Herz da sein soll … Es muss feste Bräuche geben.“
[…]
So machte denn der kleine Prinz den Fuchs mit sich vertraut. Und als die Stunde des Abschieds nahe war: „Ach!“ sagte der Fuchs, „ich werde weinen.“
„Das ist deine Schuld“, sagte der kleine Prinz, „ich wünschte dir nichts Übles, aber du hast gewollt, dass ich dich zähme …“
„Gewiss“, sagte der Fuchs.
„Aber nun wirst du weinen!“ sagte der kleine Prinz.
„Bestimmt“, sagte der Fuchs.
„So hast du also nichts gewonnen!“
„Ich habe“, sagte der Fuchs, „die Farbe des Weizens gewonnen.“
[…]
Und er kam zum Fuchs zurück:
„Adieu“, sagte er.
„Adieu“, sagte der Fuchs. „Hier mein Geheimnis. Es ist ganz einfach: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ […] „Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen“, sagte der Fuchs. „Aber du darfst sie nicht vergessen. Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“

* Was ist Wortreich?


#Wortreich – Ein plötzlicher Todesfall (Joanne K. Rowling)

Fats’ Meinung nach begingen neunundneunzig Prozent der Menschheit den Fehler, sich für das zu schämen, was sie waren, es zu verleugnen und zu versuchen, jemand anders zu sein. Ehrlichkeit war Fats’ Währung, seine Waffe und sein Schutz. Es jagte den Menschen Angst ein, wenn man ehrlich war, es schockierte sie. Andere Menschen, hatte Fats’ herausgefunden, steckten in einem Morast aus Verlegenheit und Heuchelei, stets voller Furcht, dass die Wahrheit über sie ans Licht kommen könnte […] Das Schwierige, das Glorreiche war, der zu sein, der man wirklich war, selbst wenn dieser Mensch grausam oder gefährlich war, vor allem, wenn er grausam und gefährlich war. Es gehörte Mut dazu, das Tier nicht zu verstecken, das man nun mal war. Anderseits musste man vermeiden vorzugeben, mehr Tier zu sein, als man war: Schlug man diesen Weg ein, begann zu übertreiben oder vorzutäuschen, wurde man nur zu einem weiteren Pingel, genau so ein Lügner, so ein Heuchler. Authentisch und unauthentisch waren Ausdrücke, die Fats oft in Gedanken benutzte.

* Was ist Wortreich?


#Wortreich – Die Bestimmung Letzte Entscheidung Band 3 (Veronica Roth)

Was mich angeht, möchte ich den Mittelweg finden. Irgendwas zwischen dem, was ich will, und dem, was ich für vernünftig halte.

– Wenn man einer Person die Angst nimmt, ihre durchschnittliche Intelligenz erhöht oder ihre Unehrlichkeit ausmerzt, dann raubt man ihr die Einfühlsamkeit. Nimmt man ihr die Aggression, fehlt ihr zugleich die Motivation und die Durchsetzungskraft. Nimmt man ihr den Eigennutz, mangelt es ihr an Selbsterhaltungstrieb. Wenn ihr darüber nachdenkt, werdet ihr sicher verstehen, was ich meine.
– Während seiner Aufzählung hake ich im Geiste alle Eigenschaften ab – Angst, mäßige Intelligenz, Unehrlichkeit, Aggression, Eigennutz. Er spricht tatsächlich über die Fraktionen. Und er hat recht mit seiner Behauptung, dass jede Fraktion etwas dadurch
verliert, dass sie eine bestimmte Tugend in den Mittelpunkt stellt. Die Ferox: mutig, aber grausam; die Ken: intelligent, aber eitel; die Amite: freundlich, aber träge; die Candor: ehrlich, aber unbedacht; die Altruan: selbstlos, aber einschränkend.

Aber wenn man uns tatsächlich unsere Glaubensgrundsätze vorgeschrieben hat, stimmen sie dann überhaupt?

Was, wenn der Gott meiner Eltern, wenn alles, woran sie je geglaubt haben, nur das Konstrukt von Wissenschaftlern ist, die uns damit in Schach halten wollen? Und das gilt nicht nur für den Glauben an Gott und an was auch immer für Wesen, sondern für ihre Maßstäbe von richtig und falsch und ihr Ideal von Selbstlosigkeit. Geraten all diese Grundsätze ins Wanken, nur weil wir wissen, wie unsere Welt zustande gekommen ist?

Ich lache, und es ist das Lachen, nicht das Licht, das die Dunkelheit in mir vertreibt und mich spüren lässt, dass ich noch lebe – selbst an diesem seltsamen Ort, wo alles, was ich je zu wissen glaubte, mir zwischen den Fingern zerrinnt. Doch manche Dinge weiß ich sicher – ich weiß, dass ich nicht alleine bin, dass ich Freunde habe, dass ich verliebt bin. Ich weiß, wo ich herkomme. Ich weiß, dass ich nicht sterben will – was für mich eine ganze Menge heißt und mehr ist, als ich noch vor ein paar Wochen hätte behaupten können.

– Ich frage mich, ob wir uns jemals wieder an irgendeinem Ort zu Hause fühlen werden. Selbst wenn wir in die Stadt zurückkehren würden.
–  Vielleicht hat er recht. Vielleicht bleiben wir Fremde, egal wohin es uns verschlägt – ob wir hier bleiben oder in die Welt draußen ziehen oder in die Stadt zurückkehren. Nichts ist mehr, wie es war, und alles wird sich weiter verändern. Aber vielleicht kann es uns trotzdem gelingen, ein inneres Zuhause zu finden, das wir dann für immer in uns tragen – genau wie ich meine Mutter immer bei mir habe.

Manchmal denke ich, es gibt so vieles, wovor man sich fürchten muss, und manchmal kann ich mir nicht vorstellen, dass es überhaupt noch etwas gibt, wovor man sich fürchten müsste.

– Es gibt ein altes Sprichwort. Wissen ist Macht. Macht, Böses zu tun, wie in J.’s Fall … oder Macht, Gutes zu tun, wie das, was wir tun. Macht an sich ist nicht böse. Also ist Wissen an sich auch nicht böse.
– Ich habe von klein auf gelernt, beidem zu misstrauen, der Macht und dem Wissen. Aus Sicht der Altruan darf Macht nur den Menschen gegeben werden, die sie nicht wollen. Er greift unter den Tisch und holt ein Buch hervor. Es ist dick, mit einem abgenutzten Einband und ausgefransten Kanten und darauf steht: HUMANBIOLOGIE.
– Es vermittelt zwar nur Grundkenntnisse, aber dieses Buch hat mir gezeigt, was es heißt, ein Mensch zu sein. Eine komplizierte, mysteriöse biologische Maschine, die, und das ist am erstaunlichsten, die Fähigkeit hat, sich selbst zu analysieren! Das ist das Besondere und in der gesamten Evolutionsgeschichte Einzigartige am Menschen. Unsere Fähigkeit, etwas über uns selbst und die Welt zu wissen – das ist es, was uns menschlich macht.

Daten verschwinden niemals ganz, aber Papier kann für immer zerstört werden, daher kann man es loswerden, wenn man nicht will, dass es den falschen Leuten in die Hände fällt. So gesehen ist es manchmal sicherer, alles gedruckt zu haben.

Ich schätze, wir alle entscheiden über das Schicksal unserer Kinder, einfach indem wir unsere eigenen Lebensentscheidungen treffen.

Aber ein Mensch kann die Wirklichkeit – und seinen Zorn – nur für eine begrenzte Zeit in Schach halten, bevor die Wahrheit ihn wieder einholt.

Aber egal wie klug die Menschen sind, meisten sehen sie nur das, wonach sie Ausschau halten.

– Du glaubst Dinge nicht, weil sie dein Leben besser machen, du glaubst Dinge, weil sie wahr sind.
– Aber lässt sich der Wert eines Glaubens nicht auch dadurch abschätzen, zu welchen Ergebnissen er führt?

Von Caleb weiß ich, was Mom dazu gesagt hat. Nämlich dass alle Menschen in ihrem Inneren etwas Böses tragen und dass der erste Schritt, jemanden zu lieben, darin besteht, das gleiche Böse in sich selbst zu erkennen, sodass man es dem anderen verzeihen kann.

Evelyn versucht, Menschen zu kontrollieren, indem sie Waffen kontrolliert. Jeanine ist viel ehrgeiziger gewesen – sie wusste, dass man, wenn man Informationen kontrolliert oder manipuliert, keine Gewalt braucht, um Menschen in Schach zu halten. Sie fügen
sich freiwillig. Das ist es, was das Amt – und wahrscheinlich die ganze Regierung – tut: Sie konditioniert Menschen, damit sie glücklich darüber sind, sich fügen zu dürfen.

Früher dachte ich, dass die Leute sich irgendwann verlieben und dann bei dem Menschen landen, zu dem das Schicksal sie verschlagen hat, und das war’s dann. Vielleicht stimmt das für den Anfang, aber es stimmt nicht für das hier, nicht für jetzt. Ich habe mich in ihn verliebt. Aber ich bleibe nicht gedankenlos und automatisch bei ihm, als hätte ich keine Alternative. Ich bleibe bei ihm, weil ich mich dafür entscheide – jeden Tag, wenn ich die Augen aufschlage, jeden Tag, wenn wir uns in Lügen verstricken,
streiten oder enttäuschen. Ich entscheide mich immer wieder aufs Neue für ihn, und er entscheidet sich für mich.

Cara und Tris ähneln sich in vielerlei Hinsicht – beide sind Frauen, die von Verlust geprägt und geformt wurden. Der Unterschied ist, dass Caras Schmerz ihrem Leben Gewissheit verliehen hat, während Tris ihre Unsicherheit bewahrt und beschützt hat, trotz allem, was sie durchmachen musste. Sie geht noch immer an alles mit einer Frage statt mit einer Antwort heran. Es ist ein Zug, den ich an ihr bewundere – etwas, was ich mir wahrscheinlich zum Vorbild nehmen sollte.

Es ist seltsam, wie die Zeit einen Ort schrumpfen lässt und Fremdartigkeit in Normalität verwandelt. Aber wenn man zwischen zwei schlechten Alternativen entscheiden muss, wählt man diejenige, die Menschen rettet, an die man glaubt und die man liebt. Man tut es einfach.

Außerdem möchte ich nicht mehr sterben. Ich bin der Herausforderung, meine Schuld und meine Trauer zu tragen, endlich gewachsen. Ich kann mich den Schwierigkeiten stellen, die mir das Leben in den Weg stellt. Manche Zeiten sind schwieriger als andere, aber ich bin bereit, jeden Tag meines Lebens zu leben.

– Weißt du, was die Altruan darüber sagen? Bei ihnen gibt es eine Regel, die einem sagt, wann es selbstsüchtig ist, zuzulassen, dass ein anderer sich für einen opfert. Sie sagen, dass man solche Opfer zulassen darf, wenn das für den Menschen, der sich aufopfert, der größte Liebesbeweis ist. Das ist in dieser Situation das größte Geschenk, das man demjenigen machen kann. […]
– Aber ich bin mir nicht sicher, ob ihn wirklich die Liebe antreibt. Ich glaube, es sind eher seine Schuldgefühle.
– Kann sein, aber würden ihn Schuldgefühle wegen seines Verrats an dir plagen, wenn er dich nicht lieben würde?

Und ohne dass man es mir sagen muss, weiß ich, dass echte Liebe genau das bewirkt – sie macht einen wertvoller als zuvor – wertvoller, als man es je für möglich gehalten hätte.

Ich weiß, dass Veränderung schwierig und langwierig ist, dass sie aus einer endlos langen Reihe kleiner Schritte besteht, an deren Ende man sich kaum noch an den ersten Schritt erinnern kann. Er hat Angst, dass er diesem Weg nicht gewachsen ist, dass er diese Tage vergeuden wird, um am Ende schlimmer dran zu sein als jetzt. Und ich verstehe dieses Gefühl – ich weiß, wie es ist, Angst vor sich selbst zu haben.

Wenn ich ihre Erinnerungen ausradiere, kann ich mir eine neue Mutter erschaffen. Aber … Aber sie ist mehr als nur meine Mutter. Sie ist ein eigenständiger Mensch und sie gehört mir nicht. Ich habe nicht das Recht, sie nach meinen Vorstellungen umzuformen, nur weil ich nicht damit klarkomme, wie sie ist.

Von klein auf habe ich eines gewusst: Das Leben beschädigt uns alle. Und niemand kann sich dem entziehen. Aber jetzt lerne ich eines dazu: Wir können geheilt werden. Wir heilen einander.

* Was ist Wortreich?


#Wortreich – Null (Adam Fawer)

Aber, dass wir diese Faktoren nicht berechnen können, bedeutet nicht, dass das Ergebnis des Münzwurfs dem Zufall unterliegt. Es bedeutet lediglich, dass wir, als menschliche Wesen, nicht die Fähigkeit besitzen, alle Facetten des Universums zu berechnen. Daher mögen Ereignisse zufällig erscheinen, obwohl sie gänzlich bestimmt sind durch physikalische Gegebenheiten. Diese Denkrichtung nennt man Determinismus. Deterministen glauben, dass nichts unbestimmt ist, dass alle Geschehnisse eine Wirkung früherer Ursachen sind, selbst wenn wir die Ursachen nicht kennen.

C.G. Jung´s Theorie vom kollektiven Unterbewussten

Das Unbewusste teilte er in drei Kategorien ein.
Die erste umfasst persönliche Erinnerungen, auf die du frei zugreifen kannst, zum Beispiel den Namen deiner Klassenlehrerin im vierten Schuljahr. Du weißt ihn zwar vielleicht gerade nicht, aber höchstwahrscheinlich erinnerst du dich, wenn du ein wenig nachdenkst.
Das Langzeitgedächtnis. Die zweite Kategorie umfasst persönliche Erinnerungen, auf die du nicht frei zugreifen kannst. Das sind entweder Dinge, die du einmal wusstest, aber inzwischen vergessen hast, oder aber ein Kindheitstrauma, das du verdrängt hast. Diese Erinnerungen waren alle einmal Teil deines Bewusstseins, aber aus irgendeinem Grund sind sie so tief vergraben, dass du nicht mehr auf sie zurückgreifen kannst.
Die dritte Kategorie ist das kollektive Unbewusste. Seine Inhalte können definitiv nicht ins Bewusste gelangen, weil sie nie dessen Bestandteil gewesen sind. Daher enthält das kollektive Unbewusste im wesentlichen ein Wissen, das keinen bekannten Ursprung hat.

* Was ist Wortreich?


#Wortreich – Die Bestimmung Tödliche Wahrheit Band 2 (Veronica Roth)

Ich weiß nicht, was ich sagen oder tun soll, wenn er so unberechenbar ist, und dieses Unberechenbare brodelt jetzt ganz dicht unter der Oberfläche, genauso wie bei mir. In uns beiden tobt ein Krieg. Manchmal hilft er uns zu überleben. Manchmal bringt er uns fast um.

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass sich das Weinen wissenschaftlich nicht erklären lässt. Tränen sind nur dazu da, die Augen zu benetzen. Es gibt keinen Grund dafür, dass die Tränendrüsen nur wegen eines Gefühls mehr Tränen produzieren. Ich denke, wir weinen, damit wir den tierischen Regungen in uns Raum geben können, ohne dass wir unsere Menschlichkeit aufgeben. Denn in meinem Inneren ist ein Tier, das knurrt und schnaubt und an seinen Ketten zerrt, um in die Freiheit und vor allem ins Leben zu gelangen. Und sosehr ich mich auch bemühe, ich kann dieses Tier nicht töten.

Vielleicht sind wir alle zwei schlecht, aber zwischen uns besteht ein großer Unterschied – ich bin nicht damit zufrieden wie ich bin.

Ich sollte mich selbst nicht wichtig nehmen, nach vorne blicken und hoffen, dass ich bei dem, was kommen mag, besser sein werde als jetzt.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Menschen aus vielen verschiedenen Schichten von Geheimnissen bestehen. Man glaubt, sie zu kennen, sie zu verstehen, aber ihre wahren, innersten Beweggründe bleiben einem immer verborgen, bleiben tief in ihrem Herzen vergraben. Man kann einen Menschen niemals wirklich kennen, auch wenn man manchmal Vertrauen zu ihm fasst.

* Was ist Wortreich?


#Wortreich – Cassia & Ky (Ally Condie)

Es war eines meiner Lieblingsgedichte von den Hundert Gedichten, die die Gesellschaft aufzubewahren beschlossen hatte, als sie entschied, dass unsere Kultur zu überladen und ungeordnet sei. Damals wurden Kommissionen gebildet, die aus allen Bereichen die hundert besten Werke auswählten: Hundert Lieder, Hundert Gemälde, Hundert Gedichte. Alle anderen Kunstwerke wurden vernichtet. Zerstört für immer. Zu unserem Besten, sagte die Gesellschaft, und alle glaubten es, weil es Sinn machte. Wie können wir irgendetwas richtig wertschätzen, wenn wir mit zu vielem überschüttet und belastet sind?
(Cassia & Ky – Die Auswahl)

Wenn man darüber nachdenkt, zähle auch ich die Minuten meines eigenen Lebens. Denn mit jeder Minute, die man mit jemand anderem verbringt, schenkt man ihm einen Teil des eigenen Lebens und nimmt dafür einen Teil von seinem.
(Cassia & Ky – Die Auswahl)

Wenn ich es nicht benennen könnte, wüsste ich dann überhaupt, was es ist? Würde ich es überhaupt empfinden?
(Cassia & Ky – Die Auswahl)

DIE ERHEBUNG – Eine kurze Geschichte unserer Rebellion gegen die Gesellschaft
Die Erhebung formierte sich ernsthaft zur Zeit des Komitees der Hundert. In dem Jahr, bevor die Hundert Selektionen begannen, stagnierte die Krebsausrottungsrate bei 85,1 Prozent. Zum ersten Mal seit dem Beginn der Krebsausrottungsinitiative war es nicht gelungen, sie zu verbessern. Die Gesellschaft nahm das sehr ernst. Obwohl sie wusste, dass Perfektion nicht auf allen Gebieten möglich war, beschloss sie, dass die Erreichung der100 Prozent in diesem Fall oberste Priorität hatte. Sie wusste, dass dies absolute Entschlossenheit und Konzentration erforderte. Man beschloss, alle Anstrengungen zu bündeln, um die Produktivität und körperliche Gesundheit der Mitglieder zu optimieren. Die höchsten Funktionäre sprachen sich dafür aus, Ablenkungen wie übermäßigen Konsum von Poesie oder Musik zu eliminieren, jedoch eine gewisse Dosis davon zu gestatten, um die Kultur zu fördern und die künstlerisch-ästhetischen Bedürfnisse zu befriedigen. Das Komitee der Hundert, zuständig für jeweils ein Gebiet der Kunst, wurden gebildet, um eine passende Auswahl zu treffen.
Damit begann der Machtmissbrauch der Gesellschaft. Zugleich endete das Recht der Generationen, frei zu entscheiden, ob sie unter der Herrschaft der Gesellschaft leben wollten oder nicht. Die Gesellschaft begann, Anomalien und Aberrationen aus der Bevölkerung auszusondern, und isolierte oder eliminierte diejenigen, die die meisten Probleme verursachten.
Eines der Gedichte, die nicht in den Kanon der Hundert aufgenommen wurden, war Tennysons »Überqueren der Barre«. Es ist zu einem geheimen Erkennungszeichen unter den Mitgliedern der Erhebung geworden. Das Gedicht benennt zwei wichtige Aspekte der Erhebung:
1. Ein Anführer namens ›der Steuermann‹ leitet die Erhebung und
2. Die, die der Erhebung angehören, glauben, dass es möglich ist, zu den besseren Tagen der Gesellschaft zurückzukehren – der Zeit vor den Hundert-Selektionen.
Einige jener Anomalien, die in den frühen Jahren aus der Gesellschaft flohen, schlossen sich der Erhebung an. Doch obwohl sich inzwischen in allen Teilen der Gesellschaft Unterstützer finden, hat sie die meisten Anhänger in den Grenzprovinzen und den Äußeren Provinzen, besonders dort, wohin seit dem Aufkommen der Hundert in wachsender Zahl Aberrationen geschickt worden waren.
(Cassia & Ky – Die Flucht)

Als ich Ky, Eli, Indie und Hunter betrachte, überlege ich, wie viele unsichtbare Verletzungen ein Mensch wohl ertragen kann, in seinem Herzen, seinem Verstand, seiner Seele. Wie halten wir uns aufrecht?, frage ich mich. Was treibt uns an?
(Cassia & Ky – Die Flucht)

Man kann seinem Leben keine andere Wendung geben, wenn man am selben Punkt verharrt.
(Cassia & Ky – Die Ankunft)

Ich wische mir die Hand an meiner schwarzen Uniform ab und wünschte, es gäbe einen Weg, eine Spur [meiner Anwesenheit] zu hinterlassen, ohne Schäden anzurichten.
(Cassia & Ky – Die Ankunft)

* Was ist Wortreich?


#Wortreich – Die Bestimmung Band 1 (Veronica Roth)

Entschuldigung, war ich gerade unhöflich? Ich bin gewohnt, alles freiheraus zu sagen, was mir durch den Sinn geht. Meine Mutter meint, Höflichkeit sei nichts anderes als nett verpackte Schwindelei.

– Es ist nicht mein Lebensziel … einfach nur glücklich zu sein.
– Aber wäre das nicht leichter?

Wenn ich Entscheidungen treffe, dann tue ich so, als gäbe es diese Angst nicht.

Manchmal kann man nur lachen oder weinen, und lachen ist jetzt einfach besser.

– Die Ängste verschwinden also nicht?
– Manche verschwinden, manche werden durch neue Ängste ersetzt. Aber es geht nicht darum, all seine Ängste loszuwerden. Das ist unmöglich. Es geht darum zu lernen, seine Ängste zu beherrschen und sich von ihnen unabhängig zu machen. Das ist der springende Punkt.

Frieden bedeutet Einschränkung. Das hier ist Freiheit.

Das ist der Tod, wenn man statt ist war sagt.

– Aber ich hätte es tun müssen. Ich hätte ihm verzeihen müssen.
– Vielleicht. Vielleicht hätten wir alle mehr tun müssen. Aber wir sollten unsere Schuld zum Anlass nehmen, es beim nächsten Mal besser zu machen.

– Ich glaube, wir haben alle einen großen Fehler begangen. Wir schätzen die Vorzüge anderer Fraktionen gering, nur damit unsere eigene in besserem Licht dasteht. Ich will das nicht. Ich will mutig, selbstlos, klug, freundlich und aufrichtig sein.

Die Menschen können nicht auf Dauer gut sein, über kurz oder lang befällt uns wieder das Böse und vergiftet unsere Herzen.

* Was ist Wortreich?